Dax aktuell: Dax fehlen wenige Zähler zur 16.000-Punkte-Marke
Düsseldorf. Die psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten scheint den Anlegern Respekt einzuflößen. Seit vier Tagen versucht der Dax vergeblich, diese Marke zu überwinden.
Allerdings schien es nach dem Handelsverlauf am Mittwoch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Marke erreicht wird. Doch es fehlten zwei Pünktchen. Denn der Dax erreichte im Nachmittagshandel mit 15.998 Punkten ein neues Hoch bei der Neun-Prozent-Rally seit Ende Oktober.
Danach rutschte der Leitindex wieder etwas ab. Das Börsenbarometer beendete den Handelstag bei 15.957 Zählern, ein Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss.
Für den deutschen Leitindex bleibe die Überwindung der 16.000er Marke eine harte Nuss, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus Robo-Markets. Konjunkturdaten aus den USA setzten kaum Akzente. Dort sind die Aufträge für langlebige Güter im Oktober stärker als erwartet gefallen. Dagegen besserte sich die Lage am US-Arbeitsmarkt überraschend deutlich.
Wenig Bewegung beim Dax
In den vier vergangenen Handelstagen zuvor herrschte regelrechte Bewegungsarmut beim Dax. Die Handelsspanne betrug nur 170 Zähler, am gestrigen Dienstag lag dieser Wert sogar bei nur 57 Punkten.
Das Tief in diesem Zeitraum liegt bei 15.783 Zählern, das neue Hoch seit Mittwoch bei 15.998 Zählern.
Für Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Deutschland, ist „jede Konsolidierung oberhalb der Schlüsselmarke von 15.600 bis 15.500 Punkten grundsätzlich konstruktiv zu interpretieren“. Auch die US-Standardaktienindizes geben derzeit positive charttechnische Signale.
Hoffnung auf „Thanksgiving-Rally“
Seinen Berechnungen zufolge besteht zudem noch die Chance auf einen „Thanksgiving-Rally“ in dieser Woche. Am Donnerstag sind die US-Börsen wegen des Feiertags geschlossen.
Und im Umfeld dieses Feiertags – konkret von der Eröffnung am Mittwoch bis zum Schlusskurs am sogenannten „Black Friday“ – waren die Kurssteigerungen besonders hoch. Laut den Kursdaten seit 1945 legt der S&P 500 an diesen beiden Tagen um durchschnittlich 0,36 Prozent zu, bei einer Wahrscheinlichkeit für steigende Notierungen von fast 76 Prozent.
Als Erklärungsansatz für diese saisonale Stärke dienen unter anderem psychologische Aspekte. Damit ist die gute Laune von Investoren im Vorfeld von Feiertagen gemeint. „Die bisher sehr starke Novemberperformance könnte sich in der Thanksgiving-Woche somit fortsetzen“, meint Scherer.
Gold rutscht unter Marke von 2000 Dollar
Der Goldpreis rutschte am Mittwoch unter die der Marke von 2000 Dollar. Zu Börsenschluss in Deutschland notiert das Edelmetall bei 1992 Dollar, ein Minus von 0,3 Prozent.
Bereits am Dienstag hatte der Preis für eine Feinunze (rund 31,1 Gramm) 2001 Dollar erreicht. Der Goldpreis bewegt sich damit wieder in Richtung des Rekordhochs, welches im Sommer 2020 bei 2075 Dollar erreicht worden war. Anfang Oktober kostete eine Feinunze noch 1810 Dollar. Aufgrund der beschriebenen Bewegungsdynamik dürfte nach Einschätzung von Jörg Scherer der Goldpreis die Rekordstände bei 2075 Dollar ins Visier nehmen, zumal der Faktor „Saisonalität“ für zusätzlichen Rückenwind sorgen dürfte.
So kommt es im November und Dezember des US-Vorwahljahrs oftmals zu einer starken Kursentwicklung. „Salopp formuliert: die etwas andere Jahresendrally“, meint Scherer.
Ölpreise rutschen ab
Die Ölpreise geraten unter Druck, nachdem die Förderländer des Ölkartells Opec plus ihr für Sonntag geplantes Treffen überraschend verschoben haben. Die Nordseesorte Brent und das US-Leichtöl WTI tauchen um 3,8 und gut vier Prozent auf 79,22 und 74,58 Dollar je Barrel ab.
Wie das Ölkartell mitteilte, werde die Zusammenkunft nun am 30. November stattfinden. Die Agentur Bloomberg hatte zuvor von einer möglichen Terminänderung berichtet. Als Hintergrund wurde in dem Bericht genannt, dass Saudi Arabien seinen Unmut gegenüber anderen Mitgliedsländern bezüglich ihrer Fördermengen kundgetan habe.
Blick auf die Einzelwerte
Fresenius Medical Care: Der Dialyseanbieter blickt nur wenige Wochen nach seiner jüngsten Prognoseanhebung noch optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Aus einem Vergleich mit der US-Regierung werde ein positiver Nettoeinfluss auf das operative Ergebnis in Höhe von rund 175 Millionen Euro erwartet, teilte die Fresenius-Tochter überraschend am Dienstagabend mit. Die FMC-Aktien stiegen zunächst um bis zu 2,6 Prozent, gaben dann aber wieder den großen Teil der Gewinne wieder ab.
Thyssen-Krupp: Milliardenschwere Abschreibungen auf das Stahlgeschäft haben den Industriekonzern im vergangenen Geschäftsjahr tief in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich schlug 2022/23 ein Nettoverlust von rund zwei Milliarden Euro zu Buche.
Aktionäre sollen dank eines deutlich verbesserten Mittelzuflusses (Free Cashflow) dennoch eine unveränderte Dividende von 0,15 Euro je Aktie erhalten. Der starke Free Cashflow sei positiv und hinterlasse einen insgesamt guten ersten Eindruck, kommentierte ein Händler in einer ersten Reaktion. Die Aktie schloss mit mehr als sechs Prozent im Plus.
Kion: Die Anteilscheine gaben zunächst 1,2 Prozent nach. Die Privatbank Berenberg hatte die Aktie von „buy“ auf „hold“ abgestuft. Analyst Lasse Stüben hält beim Gabelstapler-Produzenten die 2024er-Profitabilitätserwartungen des Marktes für zu hoch. Trotzdem ging die Aktie mit leichten Kursgewinnen aus dem Handel.
Hugo Boss: Die Aktien der Modemarke legen bis zu vier Prozent auf ein knappes Zwei-Monats-Hoch von 62,14 Euro zu. Deutsche Bank stufte die Bewertung auf „Buy“ von „Hold“ herauf. Angesichts eines zweistelligen prozentualen Wachstums bei den Großhandelsaufträgen sei davon auszugehen, dass die Erfolgsserie des Unternehmens anhalte, hieß es. Die Papiere notierten zu Dax-Schluss rund drei Prozent im Plus.
Auch die Bank of America schraubte ihre Bewertung der Aktien auf „Buy“ von „Neutral“ hoch. Die Wachstumsstrategie von Hugo Boss habe die Markendynamik gesteigert und es ermöglicht, weltweit Marktanteile zu gewinnen, insbesondere in Deutschland und den USA, sagten die Analysten.