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TarifrundeStreit über Bezahlung – Unruhe in der Lufthansa-Verwaltung

Außertarifliche Mitarbeiter fühlen sich schlechter gestellt als Piloten. Mehr Geld gibt es trotzdem nicht. Die Zeit üppiger Lohnaufschläge bei der Lufthansa ist wieder vorbei.Jens Koenen 11.12.2023 - 13:20 Uhr

Frankfurt. Kaum hatten die beiden Lufthansa-Vorstände Michael Niggemann und Harry Hohmeister im internen Diskussionsformat „Let’s talk“ die Fragerunde eröffnet, bekamen sie den Frust einer Belegschaftsgruppe zu spüren. „Warum ist meine Arbeit so viel weniger wert als die der Kollegen?“, wollte ein außertariflicher Angestellter (AT) wissen. Ein anderer fragte: „Empfinden Sie die für die AT-Kräfte vorgesehene Vergütung als fair im Vergleich zum Cockpit?“

Europas größter Airline-Konzern stellt seit Monaten so viele neue Mitarbeiter ein wie nie zuvor. Allein im laufenden Jahr waren es bis Oktober 10.000 neue Lufthanseaten. 2022 und 2023 zusammen waren es insgesamt sogar 20.000. Und jeden Monat kommen gut 1000 dazu. Das ist notwendig, weil die Führung während der Pandemie und der Flugbeschränkungen massiv Stellen gestrichen hatte. Von 134.000 Mitarbeitern war die Belegschaft auf 107.000 geschrumpft.

Um am Arbeitsmarkt attraktiv zu sein, akzeptierte das Management üppige Lohnabschlüsse. So handelte die Gewerkschaft Verdi für das Bodenpersonal mindestens acht Prozent mehr Geld aus, für niedrige Einkommensstufen sogar bis zu 19,2 Prozent.

Für die Piloten der Kernmarke Lufthansa und von Lufthansa Cargo gibt es gut 18 Prozent mehr, verteilt auf die Jahre 2023 bis 2026. Für die AT-Mitarbeiter soll es im kommenden Jahr allerdings lediglich vier Prozent mehr geben.

Knapp 5700 AT-Mitarbeiter gibt es bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik. Fast alle leiten Teams und sorgen in dieser Funktion dafür, dass strategisch wichtige Projekte und Pläne umgesetzt werden.

Lufthansa: Zeiten der üppigen Tarifabschlüsse vorbei

Der Streit über die außertarifliche Bezahlung ist ein erster Hinweis darauf, dass bei Lufthansa auch die Zeiten der üppigen Tarifabschlüsse vorerst vorbei sind. „Wir müssen die Perspektive wieder verändern, auch in Richtung Kostendisziplin“, mahnte Harry Hohmeister, der für das Passagiergeschäft zuständige Vorstand, am vergangenen Donnerstag.

Keiner wisse, wie das nächste Jahr wird, sagte Hohmeister. Es werde nicht mehr solche Preissprünge bei den Flugtickets geben wie bisher, auch weil der Wettbewerb zunehme.

Ebenfalls am Donnerstag hatten die Analysten von JP Morgan Lufthansa-Aktien herabgestuft. Die Experten befürchten, dass zusätzliche Kapazität in Kombination mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum und einer schleppenden Nachfrage zu sinkenden Renditen führen wird.

Gegen hohe Lohnabschlüsse spricht zudem die wieder sinkende Inflation. Mit Werten um die drei Prozent hat sie sich in den meisten Ländern wieder normalisiert. Gewerkschaftsvertreter weisen zwar darauf hin, das ändere nichts daran, dass es viele Monate mit enorm hohen Steigerungen bei den Lebenshaltungskosten gegeben habe. Doch laufende Gehaltsverhandlungen werden schwieriger.

Das bekommen derzeit zum Beispiel die Vertreter der Kabinen-Gewerkschaft UFO zu spüren. Seit Kurzem wird mit dem Management über einen neuen Tarifvertrag für die Kabinenbesatzung der Marke Lufthansa verhandelt. Der bestehende läuft Ende des Jahres aus. Für den Anschlussvertrag fordert die UFO unter anderem eine Lohnanhebung um 15 Prozent.

Zum aktuellen Stand möchte sich die Gewerkschaft nicht äußern. In Kreisen des Kabinenpersonals geht allerdings kaum noch jemand davon aus, dass noch in diesem Jahr eine Einigung  gelingen wird. „Die Gespräche sollen schwierig und zäh sein“, sagte ein Kabinen-Mitarbeiter.

Am Montagvormittag gab zudem die Gewerkschaft Verdi ihre Forderungen für die rund 25.000 Lufthansa-Beschäftigten am Boden bekannt. Die Gewerkschaft verlangt 12,5 Prozent mehr Lohn, dazu den Inflationsausgleich von 3000 Euro sowie eine neue monatliche Schichtzulage in Höhe von 3,6 Prozent des Grundgehalts. Auch hier erwarten Führungskräfte schwierige Verhandlungen.

Lufthansa-Management legt außertarifliche Vergütung fest

Bei der AT-Belegschaft scheint dagegen schon festzustehen: Es wird bei vier Prozent bleiben. Denn eine echte Verhandlungsmacht hat diese Belegschaftsgruppe nicht. Es gibt keine Tarifverhandlungen, das Management legt einseitig ein Budget für Lohnerhöhungen fest. Dieses wird dann unterschiedlich auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt.

Das Budget für die Entgelterhöhung werde auf Basis eines Richtwerts im Vergleich mit anderen Unternehmen festgelegt, den ein neutraler Dienstleister erstelle, verteidigte Personalvorstand Niggemann das geplante Budget. Außerdem könne man die Piloten nicht mit den AT-Kräften vergleichen.

Auf die ersten zwölf Monate der Laufzeit heruntergerechnet, würden die Gehälter des Cockpit-Personals um 4,66 Prozent steigen. „Als wir das Budget der AT-Kräfte für das Jahr 2022 festgelegt haben, bekamen wir viel Kritik von anderen Berufsgruppen“, sagte Niggemann. Damals hatte das Management um 6,5 Prozent aufgestockt.

Den Frust bei vielen außertariflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dürften diese Aussagen und Erklärungen kaum gemindert haben. Erste Kolleginnen und Kollegen hätten Lufthansa bereits verlassen, anderswo würden AT-Kräfte mehr verdienen als bei der Lufthansa, berichten sie.

5700
AT-Mitarbeiter
gibt es bei der Kernmarke Lufthansa, Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik.

Seit das Budget für 2024 am 9. November im AT-Newsletter publiziert worden sei, hätten viele Kollegen und Kolleginnen ihr Unverständnis und ihre Enttäuschung zum Ausdruck gebracht, schreibt die Interessenvertretung AT in einem Brief an Personalvorstand Niggemann.

Viele würden das als einen „Schlag ins Gesicht“ empfinden. „Warum werden wir als administrative Kollegen und Kolleginnen im AT-Bereich bei den Gehaltsanhebungen seit Jahren in einen Reallohnverlust geschickt?“, fragen die beiden Unterzeichnerinnen Birgit Rohleder und Ina Hinze im Namen der Mitarbeitenden. Birgit Rohleder ist zugleich Aufsichtsrätin von Lufthansa. „Warum entsteht die Empfindung, dass ‚operativ‛ so viel höher geschätzt wird als ‚administrativ‛?“, heißt es weiter.

Niggemann widersprach dem Eindruck, die Belegschaft werde gespalten. Dass von mangelnder Wertschätzung gesprochen werde, mache ihn betroffen. „Wir leben immer von allen Mitarbeitergruppen, alle sollen die gleiche Wertschätzung bekommen.“

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Anfang des Jahres wolle sich der Personalchef noch mal der Kritik auf einer eigenen Veranstaltung für die AT-Belegschaft stellen. „Es tut mir leid, wenn wir hier nicht ausreichend kommuniziert haben sollten“, so Niggemann.

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