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Krieg in NahostFerngesteuerte Terror-Milizen: Wie der Iran seinen Erzfeind Israel in die Zange nimmt

Krieg gegen die Hamas im Süden, Hisbollah-Attacken aus dem Norden, Huthi-Terror am Roten Meer – der Iran umzingelt Israel mit Statthaltern und will einen Mehrfrontenkrieg anzetteln.Pierre Heumann 19.12.2023 - 17:36 Uhr

Tel Aviv. Israel reagierte so scharf wie noch nie auf Raketenangriffe der Hisbollah aus dem Norden: „Wir sind heute näher an einem Krieg als gestern“, sagte Israels Militärsprecher. Man beobachte die „stetige, systematische Eskalation entlang der Grenze“ ganz genau.

Doch auch aus dem Roten Meer droht Gefahr. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen kündigten am Dienstag an, trotz der Bildung einer internationalen Militärkoalition zum Schutz der Seefahrt im Roten Meer ihre Angriffe auf Schiffe in der Region fortzusetzen.

Die Huthi-Rebellen sind Teil einer vom Iran unterstützten regionalen  „Achse des Widerstands“, zu der unter anderem auch die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon gehört. Seit Beginn des Gazakriegs haben sich die Islamisten an die Seite der radikalislamischen Hamas gestellt. Ihr Slogan lautet: „Tod Amerika, Tod Israel, Fluch gegen die Juden und Sieg für den Islam.“

Die Hamas, die Hisbollah, die Huthis: Israel gerät von mehreren Seiten unter Druck, doch alle Spuren des Hasses laufen im Iran zusammen. Als die radikalislamischen Hamas am 7. Oktober 1200 Menschen massakrierten und 240 Geiseln in den Gazastreifen entführten, gab es in Teheran spontane Siegesfeiern. Die Machthaber im Iran sahen den Terror der von dem Mullah-Regime finanzierten Hamas als hoffnungsvolles Zeichen dafür, dass Israels starke Armee nicht unschlagbar sei.

In dem Bestreben, den Konflikt als einen breit angelegten muslimischen Kampf darzustellen, hoffe der Iran, das Spektrum der Kämpfer zu erweitern, heißt es in einem Bericht des Tel Aviver „Institute for National Security Studies“ (INSS). Steht der Nahe und Mittlere Osten vor einer unheilvollen Kettenreaktion?

Raz Zimmt, der an der Universität Tel Aviv über den Iran und dessen Absichten forscht, verweist auf die zwiespältige Politik Teherans.  An einer ungebremsten Eskalation hätten die Mullahs derzeit kein Interesse. Denn sollte die Infrastruktur der Verbündeten und deren Terroreinheiten im Krieg vernichtet werden, würde Teheran nicht mehr auf sie zählen können.

Das wäre für die Islamische Republik ein strategischer Verlust – eine Veränderung der regionalen Machtbilanz zu Ungunsten Teherans. Das Regime habe deshalb ein Interesse daran, dass die von ihm finanzierten Islamisten zwar Israel attackieren, sich aber bei ihren Terrorakten nicht selbst ins Verderben stürzen.

Dennoch: Zimmt und andere Wissenschaftler haben keinen Zweifel daran, dass das Eskalationspotenzial gewaltig ist. Teheran kann in der ganzen Region seine Statthalter einsetzen: nicht nur im Gazastreifen, sondern auch in Syrien, im Irak, im Libanon, in der Westbank und im Jemen.

Zwar konnte bisher ein Flächenbrand verhindert werden. Aber die Provokationen insbesondere aus dem Libanon und Syrien hätten ein gefährliches Umfeld geschaffen, in dem jeder Akteur versehentlich die roten Linien eines anderen überschreiten könnte, warnt Andrew Tabler vom „Washington Institute for Near East Policy“.

Seit mehr als einem Jahrzehnt nutzt der Iran jede Krise, um seine Präsenz in der Region zu stärken. Über das Netzwerk loyaler Milizen hat Teheran einen Landkorridor durch den Irak und Syrien in den Libanon und über Jordanien in das Westjordanland geschaffen, der es ihm ermöglicht, Truppen, Ausrüstung und Waffen zu seinen Verbündeten zu transportieren.

Inzwischen werden Statthalter des Irans üppig finanziert. Das Büro von Ali Chamenei, dem Obersten Revolutionsführer, hat mehr als 15.000 Angestellte, von denen viele mit Terrororganisationen in Kontakt stehen, ihnen Cash und Waffen besorgen. Chamenei kann sie nach Palästina, Syrien oder in den Irak schicken, wo sie den verbündeten Terrororganisationen Koffer mit Dollar- oder Euro-Scheinen überreichen, Anweisungen zur Herstellung von Waffen geben oder deren Lieferung gleich selber veranlassen.

Ziel ist es, Israel zu zermürben

Der Gazastreifen könnte sich in den kommenden Monaten deshalb nicht einmal als das größte Problem Israels erweisen. Entlang seiner Nordgrenze zum Libanon und in geringerem Maße auch entlang der angrenzenden israelisch-syrischen Grenze führt die vom Iran unterstützte schiitisch-islamistische Miliz Hisbollah einen Zermürbungskrieg, indem sie grenznahe israelische Dörfer mit Raketen und Mörsergranaten beschießt und israelische Streitkräfte mit Panzerabwehrraketen aus russischer und iranischer Produktion angreift.

Die Terrorgruppe Hisbollah gilt heute als der am stärksten bewaffnete nicht staatliche Akteur der Welt. Dies gilt insbesondere für das Arsenal an Raketen, mit denen sie seit Monaten Israel angreift. Doch ihr Einsatz bleibt wohl dosiert. Der Raketenbestand wird auf 140.000 geschätzt; er ist nicht nur quantitativ den Geschossen der Hamas überlegen, sondern auch qualitativ. Die Hisbollah-Raketen sind zielgenau und können selbst Tel Aviv und Gebiete südlich davon treffen.

Hisbollah will maximale Eskalation verhindern

Das politische Kalkül der Hisbollah ist komplex. Anders als die Hamas im Gazastreifen sei die Terrormiliz im Libanon zwar politisch dominant, aber nicht der einzige Machtfaktor im Land, sagt der Historiker Benny Morris. Ein ausgewachsener Krieg zwischen der Hisbollah und Israel würde zur Zerstörung eines Großteils der libanesischen Infrastruktur im ganzen Land führen, nicht nur in den von der Hisbollah kontrollierten Gebieten. Das wolle die Hisbollah nicht riskieren, vermuten Tel Aviver Analysten.

Doch die Hisbollah hat eine Alternative. Einige der Raketen, die auf den Golanhöhen und im Norden Israels einschlugen, wurden von der Hisbollah und anderen vom Iran unterstützten Milizen aus Syrien  abgefeuert.

Offenbar dehnt der Iran seinen Einfluss auch verstärkt auf die Westbank aus, wo er Islamisten aufrüstet. Das ist für Israel ebenfalls beunruhigend, weil die radikalislamische Hamas auf der Westbank zwar nicht die Macht besitzt, aber bei der Bevölkerung populärer ist als die gemäßigte Palästinensische Autonomiebehörde (PA), wie eine Meinungsumfrage vergangene Woche gezeigt hat.

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Indem der Iran Stellvertreter wie die Hisbollah vorschickt, vermeidet das Regime, selbst in die Schusslinie zu geraten. Zu den Hilfskolonnen des Mullah-Regimes gehören auch die Huthis, die derzeit zunehmend ins Weltinteresse rücken. Zu Beginn des Krieges feuerten sie lediglich Drohnen und Raketen von jemenitischem Territorium aus in Richtung Israel – oder griffen Schiffe an, die auf dem Roten Meer Richtung Israel unterwegs waren.

Damals reagierte Israel zunächst nur verhalten auf die Angriffe. Als die Schiffe auf dem Roten Meer in Gefahr gerieten, bezeichnete Jerusalem dies als internationales Problem. Tatsächlich geht es längst um die Sicherheit der westlichen Handelsrouten, weswegen sich nun eine „multinationale Sicherheitsinitiative“ dem Terror entgegenstellt. Aber das ändert nichts an der Tatsache: Der ganze Hass der Huthis gilt den USA – und Israel.

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