Anlagestrategie: Warum Anleger beim Investieren in erneuerbare Energien Geduld brauchen
Köln. Wer in erneuerbare Energien investieren will, braucht Geduld. Mathias Pianowski, Head of Sustainability Research bei der Fondsgesellschaft Ökoworld, zufolge stehen bisher nach wie vor Industrien im Vordergrund, denen schon das Ende prophezeit wurde. „Stärker als je zuvor profitieren die fossilen Energiebranchen – durch den perfekt organisierten Lobbyismus und den nie gefährdeten Rückhalt von Industrie- und Schwellenländern mit steigendem Energiehunger“, sagt er.
Das passt zum Bild an den Börsen in diesem Jahr, obwohl Wind- und Sonnenenergie weltweit starke Wachstumsraten aufweisen. Denn dass die sauberen Energien in Zukunft eine immer größere Rolle in der globalen Wirtschaft spielen werden, ist kein Garant für gute Performance an der Börse, sagt Marc Kiewitz, Head of German Markets beim Broker Activtrades Europe. „Im Gegenteil: Ölmultis wie Exxon Mobil, Chevron und Shell verdienten in den letzten Jahren prächtig.“
Unternehmen aus dem Wind- und Solarsektor dagegen stehen unter Druck: Steigende Kosten haben die Margen belastet, zudem verteuern stark steigende Zinsen viele Projekte.
„Die Bekräftigung, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 zu verdreifachen, ist ein dringend benötigter Stimmungsaufheller für die sauberen Technologien und grünen Rohstoffe“, sagt Lloyd McAllister, Leiter der Abteilung Sustainable Investment beim Pariser Fondshaus Carmignac. Er bezieht sich damit auf das Ergebnis der vergangenen UN-Klimakonferenz in Dubai. „Die Kosteninflation in der Lieferkette, die wir in den letzten zwei Jahren erlebt haben, bedeutet jedoch, dass die positive Stimmung nur dann zum Tragen kommt, wenn Investoren, die ihr Kapital riskieren, faire Renditen erhalten.“
Von langfristigen Perspektiven profitieren
Wer einen langen Atem mitbringt und in erneuerbare Energien investieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Eine sind Anlagen und Sparpläne auf kostengünstige börsengehandelte Indexfonds (ETFs). Damit können Anleger von den langfristigen Perspektiven erneuerbarer Energien profitieren.
Was für Sparpläne bei erneuerbaren Energien spricht: Starke Kursschwankungen sind typisch für neue Industrien. Diese Schwankungen machen sich positiv bemerkbar, wenn die Kurse langfristig steigen. Anleger kaufen also mehr Fondsanteile, wenn die Kurse niedrig sind, und weniger, wenn die Kurse hoch sind. Sie verhalten sich damit antizyklisch.
Wer breit in das Thema Energiewende investieren möchte, für den könnte der Invesco Global Clean Energy UCITS ETF (ISIN: IE00BLRB0242) infrage kommen. Er investiert in Unternehmen, die sich mit innovativen Technologien rund um die Nutzung und Erzeugung von sauberer Energie beschäftigen.
Der Fonds deckt den gesamten Sektor einschließlich des Bereichs Energieeffizienz ab. Zu den größten Werten im Portfolio gehören die koreanische Firma Ecopro BM, die Materialien für die Herstellung von Batterien liefert, und der Windturbinenhersteller CS Wind.
Investieren in Wasserstoff
Dmitrii Ponomarev, ETF-Product Manager bei VanEck, ist überzeugt, dass Wasserstoff eine zentrale Rolle in der Energiewelt von morgen spielen wird: „Grüner Wasserstoff ist nicht nur eine Energiequelle. Er ist das Rückgrat des Energiemarkts von morgen und findet seinen Weg in Bereiche wie die Produktion von grünem Stahl“, sagt er.
Doch es gibt ein Problem: Die Industrie rund um den grünen Wasserstoff befindet sich noch in einem frühen Stadium. Seine Herstellung rechnet sich noch nicht. Das wird sich nach Einschätzung von Experten aber in den kommenden Jahren ändern.
Eine Möglichkeit, in Wasserstoff zu investieren, ist der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN: IE00BMYDM794). Er deckt die gesamte Wertschöpfungskette des Wasserstoffsektors ab. Das konzentrierte Portfolio umfasst 28 Unternehmen.
Der ETF nutzt die Recherche des Analysehauses Global Data als Grundlage, das mit 100 Experten die globale Energiebranche analysiert. Zum Portfolio gehören Unternehmen wie der Brennstoffzellhersteller Fuelcell Energy und der Gasehersteller Linde.
Investieren in Solarenergie
Dieses Jahr verlief nicht gut für den Solarsektor: Nach dem Boom der Vorjahre brachen die Aktienkurse ein. Grund waren Sorgen, dass die Gewinnspannen der Unternehmen sinken könnten.
Dabei verlief das erste Quartal noch exzellent: Mit einer Leistung von 6,1 Gigawatt wurden in den USA so viele Solaranlagen neu installiert wie noch nie zuvor. Mit dem Inflation Reduction Act wollen die Vereinigten Staaten zudem erneuerbare Energien massiv fördern.
Wer auf die Perspektiven der Solarenergie setzen will, findet auch dafür passende ETFs. Ein Investment in den Solarsektor bietet zum Beispiel der Global X Solar UCITS ETF (ISIN: IE000XD7KCJ7), der den Solactive Solar Index abbildet. Der Indexfonds bietet Zugang zu Unternehmen aus aller Welt, die sich mit Solarenergie beschäftigen. Im Portfolio befinden sich Titel wie der Solarmodulhersteller First Solar oder das Energietechnologieunternehmen Enphase Energy.
Marcel Huber, Portfoliomanager bei Blackpoint Asset Management, ist überzeugt: Auch wenn die Performance der Aktien im Bereich erneuerbarer Energien enttäuscht, bleiben die Aussichten intakt. „Viele Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien können auf eine rosige Zukunft hoffen“, sagt er. „Aber auch Firmen, die die Energiegewinnung und Energienutzung effizienter gestalten, werden profitieren können.“