Klimakonferenz in Dubai: Weltgemeinschaft beschließt das Ende des fossilen Zeitalters
Dubai. Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Dubai ist der Weltgemeinschaft ein Durchbruch gelungen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der kurz „COP“ genannten Klimakonferenzen, dass sich die 197 Vertragsstaaten und die EU auf eine Abkehr von Öl und Gas verständigen konnten. Das hatte es bislang nur für den Brennstoff Kohle gegeben. In dem nun beschlossenen 21-Seiten-Papier werden die Staaten aufgefordert, sich von fossilen Brennstoffen in ihren Energiesystemen abzuwenden.
COP-Präsident Sultan Ahmed Al Jaber nannte die Einigung am Mittwoch „historisch“. Die Konferenz habe die Welt in die richtige Richtung gebracht. Das 2015 auf der Pariser Klimakonferenz beschlossene Ziel, die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5 Grad im vorindustriellen Vergleich zu begrenzen, sei damit weiterhin in Reichweite, äußerte er sich überzeugt.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sprach von einem „Tag der großen Freude“. Es habe sich gezeigt, dass es sich lohne, „dicke Bretter zu bohren“ und hart zu verhandeln, um dann breite Bündnisse zu schaffen.
Der am Ende einstimmig gefasste Beschluss benenne das Ende der fossilen Energieträger klar und deutlich, sagte Baerbock weiter, „sodass jeder, der rechnen kann, weiß, dass sich Investitionen in fossile Energien langfristig nicht mehr rechnen“. Sie erklärte, die beschlossene Abkehr beziehe sich nicht nur auf den Energiesektor, sondern auch auf den Verkehrs- und den Industriebereich.
Das finale, später beschlossene Dokument der emiratischen Präsidentschaft wurde am Mittwochmorgen in Dubai vorgelegt. Ziel sei es, bis 2030 die globalen Emissionen um 43 Prozent im Vergleich zu 2019 zu senken, heißt es darin.
So fordert es auch die Wissenschaft. Die nächsten Jahre gelten als entscheidend, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad im vorindustriellen Vergleich beschränken zu können.
In dem Papier heißt es deswegen klar, die Bemühungen hin zu einer treibhausgasneutralen Welt müssten in diesem Jahrzehnt beschleunigt werden. Der Ausstieg aus den fossilen Energien hatte sich als größter Streitpunkt durch die zweiwöchige Konferenz in Dubai gezogen.
COP28: Emissionen sollen nach 2025 sinken
Dafür wiederum sollte der Höhepunkt der weltweiten Treibhausgasemissionen spätestens 2025 erreicht werden, so der Plan. Denn trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien ist eine Trendwende bislang ausgeblieben. Auch 2023 steigen die Emissionen, prognostizierte jüngst eine Gruppe von mehr als 120 Wissenschaftlern.
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In dem in Dubai nun beschlossenen Dokument heißt es, eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad erfordere eine „tiefe, schnelle und nachhaltige“ Reduzierung der Emissionen. Eine Erwärmung um 1,5 Grad gilt als gerade noch erträglich, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.
Enthalten ist zudem das Ziel, die Kapazität der erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdreifachen und das Tempo bei der Erhöhung der Energieeffizienz in diesem Zeitraum zu verdoppeln, beides im Vergleich zu 2019. Die G20-Staaten haben sich dies bereits vorgenommen.
„Starkes Signal an die Welt“
Offiziell sollte die Konferenz am Dienstag enden, doch erst am Montagabend hatte COP-Präsident Al Jaber einen Textentwurf veröffentlicht, der in der Mehrheit der Staaten vor allem mit Blick auf die Abkehr von fossilen Energien als deutlich zu schwach empfunden wurde und auf massive Ablehnung gestoßen war.
Deutschland und die EU bezeichneten ihn als inakzeptabel. Lediglich der Ölstaat Saudi-Arabien hatte den Text für gut befunden. Die Präsidentschaft hatte daraufhin angekündigt, einen neuen Entwurf vorzulegen und sich über Nacht mit allen Ländergruppen neu beraten.
Nur wenig später, das Abschlussplenum war kaum eröffnet, verabschiedete Al Jaber überraschend schnell den Textentwurf. Die Inselstaaten waren da nach eigenen Angaben noch gar nicht im Plenum gewesen und fühlten sich übergangen.
Am Ende mussten sich alle Staaten ein Stück weit von ihren Maximalforderungen verabschieden. Die Ölstaaten konnten ihr Geschäftsmodell, auf dem ihr Reichtum beruht, nicht länger verteidigen, die Europäer hätten sich einen schärferen Beschluss zu einem schnelleren Kohleausstieg gewünscht. Das war mit China und Indien nicht zu machen.
Diese wiederum haben das Endergebnis ohne großen Widerstand mitgetragen, ebenso die USA, für die ihr Flüssiggasgeschäft eine hohe Bedeutung hat. Die kleinen Inselstaaten, für die der Klimawandel eine existenzbedrohliche Entwicklung ist, hätten derweil gern verbindlichere Aussagen zu weiteren Finanzhilfen bekommen.
Beobachter mahnen schnelles Vorgehen der reicheren Länder an
Beobachter reagierten überwiegend positiv auf das Ergebnis. Christoph Bals von Germanwatch sprach von einem „starken Signal an die Welt“. Erstmals fordere eine Klimakonferenz alle Staaten auf, die Wende weg von den fossilen Brennstoffen zu organisieren, sagte Bals.
Er hätte es allerdings begrüßt, sagte er, wenn die Staaten dazu nicht nur „aufgefordert“, sondern „verpflichtet“ worden wären. Historisch sei das Abkommen nur, „wenn in den nächsten Jahren tatsächlich weltweit ein massives Herunterfahren von Kohle, Öl und Gas erfolgt“, mahnte Bals.
Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig sagte, alle Länder seien nun dazu aufgerufen, am weltweiten Übergang weg von den fossilen Energien und am Ausbau der erneuerbaren Energien mitzuwirken. Das sei eine gute Grundlage, die sich nun in konkreter Politik widerspiegeln müsse. Dabei müssten die reichen Länder deutlich schneller und umfassender vorgehen als die einkommensschwachen Länder, die in der Regel kaum zur Klimakrise beigetragen hätten.
Müssen Richter jetzt unser Klima retten?
Das Ergebnis habe jedoch bedenkliche Schlupflöcher, darunter die Betonung der Rolle von Erdgas als Übergangslösung. „Das werden einige Länder und die fossile Industrie als Rechtfertigung für den weiteren Ausbau der Gasförderung verstehen“, sagte Kowalzig.
Auch die herausgestellte Rolle der Abscheidung und Speicherung von Treibhausgasen diene letztlich fossilen Interessen und lenke unnötig von dem dringend nötigen Ausbau der erneuerbaren Energien ab, kritisierte Kowalzig. Die Technologien seien sehr teuer und in großem Maßstab noch lange nicht verfügbar.
Enttäuschung über finanzielle Unterstützung für ärmere Länder
Zweiter wichtiger Verhandlungsstrang auf der COP war, die Anpassungsfähigkeit ärmerer Staaten gegenüber den Folgen der Klimakrise zu stärken. Sie haben teilweise schon heute mit hohen Kosten aufgrund von Extremwetterereignissen zu kämpfen.
Kowalzig sagte, das Abschlussdokument erkenne zwar die Lücke zwischen Bedarf und Unterstützung an, biete aber keine belastbaren Hinweise, dass die Länder in Zukunft mit ausreichender Unterstützung rechnen könnten. Im Grunde seien nur bereits getroffene Beschlüsse, Zusagen und Ziele wiederholt worden.
Das, so die Forderung vieler Beobachter, müsse sich dringend ändern. Angesichts der immensen Kosten der Klimakrise schmälern fehlende Mittel auch die Möglichkeiten dieser Länder, die Abkehr von den fossilen Energien voranzutreiben – ein Teufelskreis.