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NordkoreaRaketen für Putin, Granaten gegen Südkorea – Zieht Kim bald in den Krieg?

Die selbst ernannte Atommacht Nordkorea tritt gegenüber dem Westen immer aggressiver auf, zugleich wachsen Zweifel an der Gesundheit von Diktator Kim. Washington ist alarmiert.Martin Kölling 05.01.2024 - 15:35 Uhr

Tokio. Wie gefährlich wird Kim Jong Un für den Westen? Zu Neujahr hatte Nordkoreas Führer den Süden erstmals als „Feindstaat“ eingestuft, am Freitag feuerte er mehr als 200 Granaten nahe der Grenze zu Südkorea ab. Damit beginnt auf der koreanischen Halbinsel eine neue Phase der Konfrontation – inmitten einer Zeit, in der mit den Kriegen in der Ukraine und in Gaza bereits zwei große Konflikte die Welt in Atem halten.

Die Geschosse schlugen in eine maritime Pufferzone ein, die der Norden und Süden 2018 auf dem Höhepunkt ihrer Annäherung vereinbart hatten. Südkoreas Regierung ordnete umgehend die Evakuierung der Insel Yeonpyeong an, die in der Gefahrenzone liegt. Sollte Südkoreas Militär zurückschießen, würde die Kriegsgefahr massiv wachsen, warnen Analysten.

Washington reagiert nervös auf die kriegerischen Signale aus Pjöngjang. Politische Beobachter gehen davon aus, dass Nordkoreas zunehmende Aggressionen auch mit seinem geostrategischen Bedeutungsgewinn zusammenhängen. Mit dem Iran, Nordkorea, China und Russland formiert sich eine Allianz gegen den Westen, die Amerikas Einfluss in der Welt zurückdrängen will. Nordkorea steht damit längst nicht so isoliert da wie die USA es sich wünschen. Besonders brisant: China und Russland sind Atommächte, der Iran und Nordkorea streben nach der Bombe.

Schon 2023 hatte Nordkorea eine Rekordzahl an Atomraketen getestet, seit Beginn des Jahres verschärft Diktator Kim nun seine Gangart. Dazu passen die neuesten Meldungen aus den USA. Demnach hat Washington nun erstmals Beweise, dass Nordkorea Russland tatsächlich Raketen und Raketenwerfer für dessen Krieg gegen die Ukraine zur Verfügung stellt. 

Zugleich spitzen sich seit zwei Monaten die Spannungen an der Grenze zu Südkorea zu. Im November kündigte Nordkorea das Militärabkommen mit dem Süden gänzlich auf, nachdem Kims Militärs zuvor schon mehrmals dagegen verstoßen hatten.

Südkorea ordnete daraufhin die Wiederaufnahme von Patrouillenflügen in Grenznähe an und stellte seinerseits Entschlossenheit zur Schau. Am Donnerstag noch führten die Streitkräfte Südkoreas gemeinsam mit US-Truppen eine Artillerieübung in der Nähe der nordkoreanischen Grenze durch. Geschossen wurde mit scharfer Munition. 

Am vergangenen Wochenende sagte Kim auf einem Plenum der Arbeiterpartei, die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea glichen jenen zweier kämpfender Länder. „Wir sollten nicht länger den Fehler machen, sie als Gegenstück zu Versöhnung und Vereinigung zu betrachten“, sagte er. Südkorea arbeite mit ausländischen Kräften zusammen, um das Regime zu stürzen und Nordkorea zu vereinnahmen.

Für Chad O’Carroll, Gründer des Thinktanks „Korea Risk“, war das keine belanglose Rhetorik. „Die Abkehr Pjöngjangs von der Wiedervereinigung als strategischem Ziel signalisiert einen bedeutenden Wandel in der innerkoreanischen Politik“, sagt O'Carroll. Südkorea werde nun offiziell als eigenständige Einheit und klarer Gegner betrachtet. Der Experte warnt vor einem extrem schwierigen Jahr, was die Beziehungen zwischen Pjöngjang und Seoul betrifft.

Beide Seiten sind hochgerüstet und werden seit dem Waffenstillstand im Jahr 1953 durch eine sogenannte „entmilitarisierte Zone“ getrennt. Die 2018 vereinbarte Pufferzone sollte die Gefahr eines versehentlichen Konflikts beispielsweise dadurch weiter senken, dass einige Wachposten aufgegeben wurden.

Doch auch diese Geste des guten Willens hat der Norden aufgegeben. Bereits seit November installieren die Militärs weitere Schützenstände. Zunächst sollen sie nach Aussage des südkoreanischen Militärs aus Holz bestanden haben – nun aus Beton.

Die staatlich kontrollierten Medien Nordkoreas berichteten am Freitag,  Kim Jong Un habe beim Besuch einer Rüstungsfabrik dazu aufgerufen, die Produktion mobiler Raketenstartrampen auszubauen. Die Verteidigungsfähigkeiten müssten gestärkt werden, „um für eine militärische Machtprobe mit dem Feind“ vorbereitet zu sein, wurde Kim zitiert.

Solche Rampen können für den Abschuss ballistischer Raketen einschließlich Interkontinentalraketen (ICBM) genutzt werden. Die ICBM in seinem Arsenal können nach Angaben Nordkoreas auch Atomsprengköpfe bis in die USA befördern. Jüngst hatte Kim das Militär und die Rüstungsindustrie zu verstärkten Vorbereitungen für den Fall eines Kriegs aufgerufen.

Spekulationen um Kims Gesundheitszustand

In Südkorea wird derzeit diskutiert, ob Kims kriegerischer Tonfall auch mit seinem angeschlagenen Gesundheitszustand zusammenhängen könnte. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang eine auffällige und offenbar wachsende Geschwulst in Kims Gesicht genannt. Es könnte ihm darum gehen, an seinem Vermächtnis zu arbeiten, um seinen Nachfolgern einen militärisch kraftstrotzenden Staat zu hinterlassen, wird spekuliert.

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Yoo Sang-bum, Mitglied des parlamentarischen Geheimdienstausschusses Südkoreas, wies gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters auf angeblich exzessiven Nikotin- und Alkoholkonsum des Diktators hin. Diese Vermutung unterstützt auch Sydney Siler, ehemaliger Analyst für Nordkorea beim National Intelligence Council. „Die gesundheitlichen Probleme von Kim könnten der Grund dafür sein, dass Nordkorea sich mit der Vorbereitung eines Nachfolgers beeilt,“ sagte er Radio Free Asia (RFA).

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