Künstliche Intelligenz: Mark Zuckerberg kündigt allgemeine Künstliche Intelligenz an
Düsseldorf. Nach OpenAI, Google und Musks Unternehmen xAI hat auch Meta-Chef Mark Zuckerberg angekündigt, eine allgemeine Künstliche Intelligenz (AGI) entwickeln zu wollen. Der aktuelle KI-Boom basiert im Wesentlichen auf den eher spezifischen Sprach- oder Bildmodellen.
In einem Video auf dem Kurznachrichtendienst Threads erklärte Zuckerberg am Donnerstag: „Um die besten KI-Assistenten, KI für Kreative, KI für Unternehmen und vieles mehr zu entwickeln, sind Fortschritte in allen Bereichen der KI erforderlich, vom Denken über die Planung und Programmierung bis hin zum Gedächtnis und anderen kognitiven Fähigkeiten.“ Das erfordere eine „umfassende allgemeine KI.“
Konkreter wird Zuckerberg nicht. Ebenso offen bleibt die Frage, wann sein Unternehmen eine solche AGI auf den Markt bringen wird.
Meta setzt OpenAI unter Druck
Unter Kritikern ist jedoch strittig, wie ernsthaft Meta den Ansatz verfolgt, sein Modell für alle zu öffnen. In den Nutzungsbedingungen schränkt die Facebook-Mutter die kommerzielle Nutzung seines Modells Llama 2 für Dienste mit mehr als 700 Millionen aktiven Nutzern ein und schließt verschiedene Anwendungsbereiche aus. Das ist ungewöhnlich für einen Open-Source-Ansatz.
Zuckerbergs Ankündigung dürfte vor allem OpenAI unter Druck setzen. Dessen erstes großes Ziel war eigentlich nicht die Entwicklung des erfolgreichen Chatbots ChatGPT, sondern die Entwicklung der ersten AGI.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos blieb OpenAI-Chef Sam Altman über seine Pläne und den aktuellen Entwicklungsstand ähnlich vage wie Zuckerberg. Zwar werde eine AGI in vielen Bereichen leistungsfähiger sein als Menschen, sagte er.
Doch mögliche Fähigkeiten der neuen KI deutete Altman im Gespräch mit dem „Economist“ nur kurz an: „GPT2 war wirklich schlecht, GPT3 war schlecht, GPT4 ist schlecht, GPT 5 wird okay sein und dann kommt vielleicht etwas Gutes.“ Aus seiner Sicht werde die AGI die Welt allerdings am Ende weniger verändern, als alle befürchten.
Die Szene zeigte sich nach der Ankündigung Zuckerbergs durchaus überrascht. Sein eigener KI-Chef Yann LeCun äußerte sich bislang deutlich pessimistischer. Erst vor Kurzem sagte er, die Entwicklung einer allgemeinen KI sei noch „Jahrzehnte entfernt“.
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Das ist Zuckerbergs große Vision
Zuspruch für seine Pläne bekommt Zuckerberg unter anderem von Nvidia-Chef Jenson Huang, der die Entwicklung einer AGI in den kommenden fünf Jahren für möglich hält. Zuspruch kommt auch von Aravind Srinivas: Der Geschäftsführer des US-amerikanischen Start-ups Perplexity AI fordert mit seinem KI-Chatbot die großen Suchmaschinen heraus. Srinivias schrieb auf der Plattform X, die quelloffene AGI sei eine großartige Vision.
Langfristig kann sich Zuckerberg vorstellen, dass Mensch und KI mehrmals am Tag interagieren. Dafür brauche es neue Geräte, die das Metaverse und KI zusammenbringen – etwa über eine Brille.
In Kooperation mit dem Sonnenbrillenhersteller Ray-Ban hatte Meta im vergangenen Jahr eine neue Version seiner smarten Brille auf den Markt gebracht, mit der Nutzer ihren Alltag gleich auf den Social-Media-Plattformen des Konzerns teilen können.
Bisher haben sich die Milliardeninvestments in das von Zuckerberg angepriesene Metaverse nicht gelohnt. Allein bis zum Ende des dritten Quartals 2023 summierten sich die Verluste der Sparte auf mehr als elf Milliarden US-Dollar. Das will der Meta-Chef mithilfe von KI jetzt ändern.
Doch erfordert das erst einmal weitere Investitionen. Zuckerberg plant seine KI-Computing-Infrastruktur auszubauen, sein KI-Team neu aufzustellen und den Erwerb neuer leistungsstarker H100-GPU-Chips von Nvidia.