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StreamingdienstDiese Neuerungen kommen 2024 auf Netflix-Kunden zu

Der Streaminggigant hat so viele Nutzer wie noch nie und will verstärkt Live-Events anbieten. Für Kunden dürfte sich dieses Jahr aber einiges ändern.Felix Holtermann, Stephan Scheuer, Michael Scheppe 25.01.2024 - 15:36 Uhr
Netflix hat so viele Nutzer wie jemals zuvor. Foto: dpa

New York, San Francisco, Düsseldorf. Netflix hat so viele Kunden wie noch nie. Diese müssen sich aber auf weitreichende Änderungen einstellen. Netflix will verstärkt Live-Events übertragen und wieder mehr in Inhalte investieren. Dafür müssen Nutzer aber mehr Werbung hinnehmen oder höhere Preise zahlen.

Im abgelaufenen Quartal ist die Zahl der Nutzer um 13,1 Millionen auf insgesamt 260,3 Millionen gewachsen, teilte der Streamingdienst am Dienstagabend mit. Analysten hatten nur mit einem Plus von knapp neun Millionen gerechnet. Damit liegt Netflix weit vor Konkurrent Disney, der auf 220 Millionen Streamingnutzer kommt.

Eine riskante Wette von Netflix scheint somit aufzugehen. In rund 100 Millionen Haushalten wurde Netflix ohne eigenes Abo geschaut – etwa mit den Zugangsdaten von Freunden. Als der Dienst die Trittbrettfahrer zur Kasse bat, hätten diese auch zur Konkurrenz wechseln können. Doch das Netflix-Programm war offenbar so attraktiv, dass viele Kunden blieben.

Netflix habe die geringste Abwanderungsquote aller Dienste, erklärten die Experten des Branchendienstes Antenna Research. Im Dezember hätten lediglich zwei Prozent der Nutzer gekündigt. Serien wie „The Crown“ oder „Lupin“, Filme wie „The Killer“ oder die Reality-Show „Squid Game: The Challenge“ hielten Nutzer bei der Stange.

Zum Nutzerwachstum hat auch das werbefinanzierte Abo-Modell beigetragen. Seit dem Abgang von Firmengründer Reed Hastings bauen die Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters den Streamingdienst stark um. Hastings hatte Werbung lange abgelehnt.

Im November 2022 hat Netflix erstmals ein günstigeres Abo eingeführt, bei dem Zuschauer allerdings Werbespots hinnehmen müssen. In den zwölf Märkten, in denen es verfügbar ist, entscheiden sich laut Netflix 40 Prozent der Neukunden dafür. Insgesamt seien es aber nur 23 Millionen Nutzer, also weniger als zehn Prozent aller Abonnenten.

Künftig soll dieser Bereich der größte Wachstumstreiber werden. Laut Branchenkennern verspricht das Abo mit Werbung höhere Gewinne für Netflix, weil die Einnahmen pro Kunden höher liegen als die monatlichen Gebühren der werbefreien Abos.

Netflix kündigt höhere Preise an

Netflix versucht, Nutzer in den zwölf Regionen mit Werbetarif nun mit einer neuen Abo-Struktur in das Werbemodell oder in höherpreisige Abos zu drängen. Der Konzern kündigte an, den günstigsten Tarif ohne Werbung, den Basic-Tarif, abschaffen zu wollen. Im zweiten Quartal wird das in Kanada und Großbritannien der Fall sein. Deutschland dürfte im Laufe des Jahres folgen.

Für das Abo mit Werbeeinblendungen verlangt Netflix in Deutschland 4,99 Euro. Der Basistarif ohne Werbung kostet 7,99 Euro – er kann allerdings schon jetzt nicht mehr von Neukunden gebucht werden. Der nächste werbefreie Tarif kostet bereits 12,99 Euro pro Monat.

Und auch die Preise dürften weiter steigen. „Wenn wir in Netflix investieren und es verbessern, werden wir unsere Mitglieder gelegentlich bitten, einen kleinen Aufpreis zu zahlen, um diesen Verbesserungen Rechnung zu tragen“, schrieb Netflix.

Der Konzern will damit sein Angebot verbessern. Der Dienst steigt nun stärker in die Übertragung von Live-Events ein. So gab Netflix den Start einer mehrwöchigen Live-Kochshow bekannt. Zudem hat sich der Dienst die Rechte an einer wöchentlichen Wrestling-Show der Liga WWE gesichert – für kolportierte fünf Milliarden Dollar. Diese wurde 30 Jahre lang im linearen Fernsehen gezeigt. Mit seinem Livestreaming-Angebot orientiert sich Netflix an klassischen TV-Sendern, die man perspektivisch ersetzen will.

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Die Investitionen in Inhalte sollen sich insgesamt auf 17 Milliarden Dollar belaufen und sind damit etwa so hoch wie in den Vorjahren. Damit setzt sich Netflix von Konkurrenten wie Disney ab, der weniger Produktionen angekündigt hatte. Die Zahl der Serienproduktionen war 2023 erstmals rückläufig – wegen der Streiks der Hollywood-Schauspieler und -Drehbuchautoren, aber auch weil immer mehr Filmstudios einen Sparkurs fahren. In den USA wurden vergangenes Jahr 481 Drehbuchserien veröffentlicht, 2022 lag der Höchststand bei 633.

Auch Netflix plante früher mit einem Originalfilm pro Woche, hat die Zahl der geplanten selbst produzierten Filme zuletzt aber halbiert. Die britische Analysefirma Ampere zählte 2023 auf Netflix 68 Veröffentlichungen – nach 107 im Jahr 2022.

Lizenzieren statt neu produzieren

Streamingexperte Bernd Riefler vom Münchener Analysehaus Veed Analytics beobachtet, dass Netflix wieder vermehrt dazu übergehe, erfolgreiche Filme und Serien anderer Studios zu lizenzieren. „Originaltitel sprechen vor allem Neukunden an. Lizenzware hat aber einen großen Anteil daran, bestehende Nutzer zu halten.“ So wurde die NBC-Anwaltsserie „Suits“ im vergangenen Jahr auf Netflix zu einem Streaming-Hit. Dabei lief sie ursprünglich von 2011 bis 2019.

Netflix profitiert dabei von den Sparstrategien der Hollywood-Rivalen, die wieder mehr Sendungen mit Netflix teilen. Diese verfolgten zunächst die Strategie, ihre Produktionen exklusiv für sich zu behalten, um ihre eigenen Dienste attraktiver zu machen. Doch das funktionierte nur bedingt, etwa weil viele Nutzer angesichts hoher Lebenshaltungskosten auch am Streaming sparen.

Anders als die Konkurrenz, die mit Streaming oft rote Zahlen schreibt, weist Netflix für das Jahr 2023 einen Gewinn von 5,4 Milliarden Dollar aus. Der Umsatz stieg angesichts der Neukunden auf 8,8 Milliarden Dollar. Für 2024 stellte das Unternehmen ein zweistelliges prozentuales Wachstum in Aussicht. Die Wall Street reagierte erfreut auf die Zahlen. Im nachbörslichen Handel stiegen Netflix-Aktien um knapp neun Prozent.

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Erstpublikation: 23.01.2024, 22:25 Uhr.

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