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RezensionDer Traum von einem besseren Leben

Wie passen Funktionalität des Wohnens und gesellschaftlicher Fortschritt zusammen? Zwei Autoren ergründen das seltsam unbestimmte Verhältnis zwischen Architektur und Wohnen.Paul Kaltenbrunner 03.02.2024 - 11:22 Uhr
Die Autoren konzentrieren sich bei ihrer Analyse vor allem auf die Lehren der Geschichte. Foto: IMAGO/Zoonar

Düsseldorf. Architektur ist etwas, an dem die meisten Menschen nichts ändern können oder wollen. Sie wachsen darin auf und empfinden das gewohnte Umfeld zumeist als völlig normal. Doch was prägt eigentlich unsere Wahrnehmung von Raum? Welche Vorstellungen, Wünsche und Ideale kanalisieren wir auf Bauten und Stadträume? Und was hat das mit gesellschaftlichem Fortschritt zu tun? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die renommierten Autoren Niels Gutschow und Jörn Düwel in ihrem Buch „Gestaltung von Glück“.

Es gibt wohl kaum einen Bereich des modernen Lebens, in dem die Beharrungskräfte jahrhundertealter Traditionen derart ausgeprägt sind wie das Wohnen. Die ominösen „eigenen vier Wände“ sind sakrosankt; sie stehen für das unantastbare Innere, das Refugium eines jeden. Oft aller Antiquiertheit zum Trotz lebt es sich darin anscheinend ganz kommod.

Da verwundert es nicht, wenn das Verhältnis zwischen Architektur und Wohnen seltsam unbestimmt ist. Baukünstlerische Ambition und Ansprüche an eine Psychologie der Urhütte sind nur schwer auf einen Nenner zu bringen.

Die widersprüchliche Situation, die sich aus der Wohnung als Ware einerseits und dem Wohnen als Grundbedürfnis andererseits ergibt, reflektieren die Autoren unter Rückgriff auf den Deutschen Werkbund, auf Adolf Loos oder etwa die Baukastenmöbel von Gustav Hassenpflug.

„Lebst du noch oder wohnst du schon?“

Getreu dem Ikea-Prinzip stellen die Autoren die Frage, wie die Wohnung nicht nur unseren gegenwärtig praktizierten Lebensweisen entsprechend angeeignet wird, sondern deren zukünftige Entwicklung ermöglicht und begünstigt. Das hat zur Folge, dass wir uns über die Wohnung und ihre Möblierung selbst Gedanken machen müssen – und nicht einfach nur gängige Modelle reproduzieren.

Niels Gutschow, Jörn Düwel: Gestaltung von Glück.
Dom Publishers,
Berlin 2023
352 Seiten
28,00 Euro

Zwar ist es notwendig, über bezahlbaren Wohnraum zu diskutieren. Aber genauso wichtig ist die Frage, ob man in den Wohnungen nur noch Gast ist – bloß vorübergehend hausen, bald weiterziehen, sich nicht wirklich einrichten, sondern sich vorfinden. Schließlich zieht jeder Deutsche im Laufe seines Lebens im Schnitt vier- bis fünfmal um.

Interessant ist da der Essay über Architektur und Moral. Nicht erst seit Gottfried Sempers „Bekleidungstheorie“ wird in der Baukunst über den Zusammenhang von Zweck und Form, Struktur und Hülle befunden. Getreu der programmatischen Formel „form follows function“ ist die entscheidende Frage: Zeigt das Gebäude, wofür es gebaut wurde, oder macht es uns etwas vor?

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Düwel und Gutschow konzentrieren sich bei ihrer Analyse vor allem auf die Lehren der Geschichte. Ihr Buch ist so anregend wie erkenntnisfördernd. Es sei auch deswegen empfohlen, weil es auf beredete Art einen skeptischen Unterton hat: Für die Gestalt von Architektur und Stadt gibt es weder logische noch vernünftige oder gar überzeitliche Gewissheiten. Wohl aber hergebrachte Denkmuster – und die sind noch immer dominant. 

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