Nukleare Aufrüstung in Ostasien: Südkorea und Japan diskutieren über eigene Atomwaffen
Tokio, Düsseldorf. Donald Trump war noch nicht offiziell Präsidentschaftskandidat der Republikaner, als er im März 2016 einen Grundpfeiler der amerikanischen Asienstrategie ins Wanken brachte. Er erklärte in einem Fernsehinterview, er sei bereit, Südkorea und Japan den Besitz von Atomwaffen zuzugestehen. „Das wird sowieso passieren“, so Trump. „Es ist nur eine Frage der Zeit.“
Dazu kam es damals nicht: Trump hielt an der US-Politik fest, die Weiterverbreitung von Atomwaffen in Asien zu verhindern. Doch die Möglichkeit einer zweiten Amtszeit weckt unter Experten die Sorge, dass das Horrorszenario vieler Abrüstungsexperten Wirklichkeit werden könnte: ein nuklearer Dominoeffekt, bei dem erst Südkorea und dann Japan mit Atomwaffen aufrüsten.
Trumps Verhalten werde darüber entscheiden, ob es dazu komme, sagt der ehemalige südkoreanische Generalleutnant Chun In-Bum. „Aber ich glaube, dass uns nichts anderes übrigbleibt, als selbst Atomwaffen zu besitzen, wenn er die US-Truppen aus Südkorea abziehen sollte.“
Der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger sah auch Japan auf diesem Weg. „Die Japaner haben eine ziemlich klare Vorstellung davon, wohin sie gehen“, sagte Kissinger im April 2023 kurz vor seinem Tod. „Sie sind auf dem Weg, in fünf Jahren eine Atommacht zu werden.“