Geldpolitik: Türkische Zentralbankchefin erklärt Rücktritt – Vize-Chef übernimmt
Ankara. Die türkische Zentralbank erhält abermals einen neuen Chef. Vize-Chef Fatih Karahan löst die bisherige Chefin Hafize Gaye Erkan ab, die am Freitag nach weniger als acht Monaten überraschend zurücktrat.
Die frühere Finanzmanagerin, die mit mehreren Zinserhöhungen eine Kehrtwende in der Geldpolitik eingeleitet hatte, nannte persönliche Gründe für ihren Rücktritt. Sie sei Ziel einer Rufschädigungskampagne geworden und wolle ihre Familie und ihr knapp anderthalbjähriges Kind schützen, erklärte Erkan.
Finanzminister Mehmet Simsek und der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz betonten in ähnlich lautenden Mitteilungen, die bisherige Wirtschaftspolitik werde ohne Unterbrechung fortgesetzt.
Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beförderte Karahan, einen der drei Stellvertreter Erkans, umgehend an die Zentralbankspitze. Wie Erkan hat auch der 42 Jahre alte Karahan jahrelang in den USA gearbeitet. Er hat einen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss der University of Pennsylvania und arbeitete als Ökonom bei der Federal Reserve Bank (Fed) von New York.
Seit Erkans Amtsübernahme im Juni 2023 war die Zentralbank von einer ultralockeren Geldpolitik auf einen scharfen Straffungskurs umgeschwenkt. Sie hatte den Leitzins in mehreren Schritten auf 45 Prozent von seinerzeit 8,5 Prozent erhöht. Erdogan, der sich als „Zinsfeind“ bezeichnet hat, hatte Erkan selbst ernannt. Sie hatte nach Studienabschlüssen in den USA Karriere an der Wall Street und in Führungsetagen von US-Finanzunternehmen gemacht und war die erste Frau an der Spitze der türkischen Notenbank. Diese hat nun binnen fünf Jahren ebensoviele Wechsel an der Spitze erlebt, nachdem Erdogan Erkans vier Amtsvorgänger jeweils entlassen hatte.
Vor Erkan hatte die Zentralbank auf Erdogans Geheiß mit billigem Geld die Wirtschaft anschieben wollen. Als Folge hatte die Landeswährung Lira drastisch abgewertet, was wiederum das Inflationsproblem verschärfte. Die Türkei muss viele Waren und Rohstoffe aus dem Ausland importieren, die durch die schwache Lira immer teurer wurden. Vor wenigen Tagen hatte die Zentralbank erklärt, der Leitzins solle auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben, bis ein signifikanter Rückgang von Teuerung und Inflationserwartungen erreicht werde.