Interview: Forvia-Chef zweifelt an Verbrenner-Aus bis 2035
Nanterre. Forvia-Chef Patrick Koller führt einen der zehn größten Autozulieferer der Welt. Der Zustand der europäischen Autoindustrie erfüllt den deutsch-französischen Topmanager mit Sorge: „Europa gibt seine hundertjährige Technologieführerschaft im Bereich der Verbrennungsmotoren für die Elektromobilität auf.“ China sei in diesem Bereich sowohl in Bezug auf die Technologie als auch auf die Kosten weltweit führend.
Im Interview mit dem Handelsblatt forderte Koller mehr Pragmatismus bei den Plänen für das Verbrenner-Aus in der Europäischen Union (EU). „Eine Transformation dieser Größenordnung braucht Zeit. Wenn die Frist bis 2035 um einige Jahre verlängert werden muss, dann sollte dies jetzt geschehen.“ Beim grundsätzlichen Ziel von Autos mit null Emissionen gibt es für ihn aber „kein Zurück mehr“.
Die Forvia-Gruppe entstand im Februar 2022 nach der mehrheitlichen Übernahme des deutschen Licht- und Elektronikspezialisten Hella durch den französischen Zulieferer Faurecia. Die Unternehmen kooperieren seitdem gemeinsam unter der Dachmarke, agieren dabei allerdings rechtlich weiter unabhängig voneinander.
Lesen Sie hier das gesamte Interview:
Herr Koller, wo sehen Sie die europäische Automobilindustrie?
Europa muss aufwachen. Wir können die enormen Herausforderungen, vor denen unser Sektor steht, nicht ignorieren. Das Verkaufsvolumen in Europa ist strukturell rückläufig und liegt etwa 15 Prozent unter dem Spitzenwert aus den Jahren 2017 und 2018. Hinzu kommt, dass Europa seine hundertjährige Technologieführerschaft im Bereich der Verbrennungsmotoren für die Elektromobilität aufgeben wird, wo China sowohl in Bezug auf die Technologie als auch auf die Kosten weltweit führend ist. Es handelt sich um eine radikale Transformation in sehr kurzer Zeit.