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AirbusFlugzeughersteller toppt Boeing und zahlt Sonderdividende

Der europäische Flugzeughersteller kann den Umsatz dank der ausgeweiteten Produktion steigern. Für 2024 erwartet Airbus höhere Gewinne und plant 800 Auslieferungen. Jens Koenen, Gregor Waschinski 19.02.2024 - 10:02 Uhr
Airbus-Chef Guillaume Faury verspricht seinen Aktionären eine höhere Dividende. Foto: dpa

Toulouse, Frankfurt. Der europäische Flugzeughersteller Airbus fährt seine Produktion weiter hoch. In diesem Jahr sollen rund 800 Verkehrsflugzeuge ausgeliefert werden, wie das Unternehmen am Donnerstag in Toulouse mitteilte. Bis 2026 will der Konzern pro Monat 75 Maschinen des gefragten Mittelstreckenjets A320 herstellen. Dabei sei man auf einem guten Weg, teilte der Konzern mit.

Airbus setzt auf zwei neue A320-Endmontagelinien in seinen Werken im chinesischen Tianjin und in Mobile im US-Bundesstaat Alabama. Deren Bau hat bereits im vergangenen Jahr begonnen. Außerdem habe die neue Endmontagelinie in Toulouse im Dezember ihren ersten A320 ausgeliefert, erklärte der Dax-Konzern.

„2023 haben wir über alle Geschäftsfelder hinweg einen starken Auftragseingang verzeichnet und unsere Zusagen eingehalten“, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury. „Dies war angesichts des komplexen Geschäftsumfelds eine beachtliche Leistung.“

Airbus zahlt Sonderdividende

Vergangenes Jahr übergab Airbus 735 Flugzeuge an seine Kunden, 2022 waren es 661. Der Konzern konnte den Umsatz 2023 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 65,4 Milliarden Euro steigern. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (Ebit) erhöhte sich um vier Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.

Der operative Mittelzufluss (Free Cashflow) lag mit 4,4 Milliarden Euro weit über den anvisierten drei Milliarden. Airbus will deshalb mehr Geld an seine Aktionäre ausschütten: Neben der normalen Dividende von 1,80 Euro je Aktie ist eine Sonderdividende von einem Euro geplant. Der Aktienkurs notierte im Mittagshandel dabei rund 0,9 Prozent im Minus.

Das Umsatzplus spiegele „vor allem die höhere Auslieferung von Verkehrsflugzeugen“ wider, sagte der neue Finanzvorstand Thomas Toepfer bei seiner ersten Präsentation der Airbus-Jahreszahlen. Für dieses Jahr rechnet Airbus mit einem bereinigten operativen Gewinn von 6,5 bis sieben Milliarden Euro.

Bei der Produktion geht es nicht nur beim A320 voran: Auch im Widebody-Segment, den breiteren Flugzeugen mit zwei Gängen, sieht sich Airbus im Plan. Das Unternehmen will ab diesem Jahr vier A330-Maschinen pro Monat bauen und plant bei der A350-Familie, die Produktion auf  monatlich zehn Flugzeuge bis 2026 zu steigern.

Airbus ist auf Kurs, um die nach der Pandemie wieder stark gestiegene Nachfrage nach Flugzeugen zu bedienen – im Gegensatz zum Rivalen Boeing. Der US-Konzern kämpft mit Problemen bei seinem A320-Konkurrenten, der Boeing 737 Max.

Eine Max 9 musste im Januar im US-Bundesstaat Oregon notlanden, nachdem während des Flugs ein Kabinenteil herausgerissen wurde. Ermittler haben fehlende Bolzen als Ursache ausgemacht.

Der Vorfall hat die Zweifel an der Produktions- und Kontrollqualität bei Boeing befeuert. Die US-Luftfahrtaufsicht FAA untersagte dem Konzern vorerst, die Produktion des Modells auszuweiten, und ordnete darüber hinaus an, die Prozesse bei der Fertigung zu überprüfen. Die Folge: Hunderte Flugzeuge der Baureihe 737 Max werden wohl verspätet ausgeliefert.

Airbus-Chef Faury äußert sich nicht zur Boeing-Krise

Aus der Krise bei Boeing kann Airbus allerdings kaum Kapital schlagen, auch weil die Europäer auf Jahre ausgebucht sind. Airbus-Chef Faury vermied es am Dienstag in Toulouse, sich direkt zu den Problemen bei Boeing zu äußern. „Ich möchte sehr bescheiden bleiben“, sagte er.

Er machte aber mit Blick auf die Ausweitung der eigenen Produktion deutlich, dass es keine „Quantität auf Kosten der Qualität“ geben dürfe. Airbus achte auf seine „Kultur des Risikomanagements“ nicht nur im Konzern, sondern auch bei den Zulieferern.

Die Kritik an Boeing geht in den USA inzwischen so weit, dass der Chef der Fluggesellschaft United Airlines jüngst erklärte, Szenarien zu entwickeln, in der die Max nicht mehr vorkomme. In Branchenkreisen kursieren seitdem Gerüchte, Airbus frage bei Kunden nach, ob sie für die US-Airline Lieferslots für A320-Jets freigeben könnten. Der Dax-Konzern hat das bisher nicht kommentiert.

Auch Faury blieb an diesem Punkt zurückhaltend. „Es gibt einen großen Appetit für die A320“, sagte er. Dieses Interesse sei aber nicht neu, seit Jahren liege der Marktanteil von Airbus in diesem Segment schon oberhalb von 50 Prozent. Bei der Auslieferung von Flugzeugen hätten die bestehenden Kunden jedenfalls Priorität.

Experten mahnen den europäischen Konzern angesichts der Boeing-Krise zur Zurückhaltung. „Airbus sollte vorsichtig auftreten“, schrieb der Fachinformationsdienst Leeham News kürzlich in einer Analyse. Das Unternehmen habe eigene Schwachstellen.

Gemeint sind damit zum Beispiel die heftigen Probleme mit dem sogenannten Geared Turbofan (GTF) von Pratt & Whitney. Das Triebwerk ist in vielen Jets der gefragten Airbus-A320-Familie eingebaut. Weil bei der Fertigung fehlerhaftes Material zum Einsatz gekommen ist, müssen weltweit rund 3000 dieser Aggregate überprüft werden.

Dazu müssen sie ausgebaut werden. Die fehlerhaften Teile zu ersetzen dauert Monate. In der Zeit fallen die Jets aus. Allein Lufthansa wird deshalb im laufenden Jahr immer rund 20 Flugzeuge vom Typ A320neo oder A321neo in den Werkstätten haben. Der Konzern musste deshalb die Flugpläne anpassen.

Leichte Verzögerungen gibt es beim neuen Schmalrumpfflugzeug A321XLR, das mit besonders hoher Reichweite für die Langstrecke geeignet sein soll. Der Zertifizierungsprozess brauche etwas mehr Zeit als gedacht, so Faury. Daher verschiebe sich die Erstauslieferung um wenige Wochen ins dritte Quartal 2023.

Fertigungsprobleme bei A320-Flugzeugen

Das werde aber ohne große Auswirkungen für die Kunden bleiben, versprach der Airbus-Chef: „Wir sind in der Schlussphase.“  Auch bei der versprochenen Reichweite werde A321XLR „die Erwartungen voll erfüllen“.

Zumindest vorübergehend könnte es auch Probleme auf dem Weg zur angepeilten monatlichen Fertigungsrate von 75 A320-Flugzeugen geben. So soll Airbus seine Kunden nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters darauf vorbereitet haben, dass für Ende 2024 und Anfang 2025 geplante Flugzeuge wohl erst einige Monate später übergeben werden können. Grund sollen Probleme bei Zulieferbetrieben sein.

„Der Bereich der Lieferketten ist momentan eine Welt der Engpässe“, sagte Faury. Man verfolge die Lage bei den Triebwerksherstellern sehr aufmerksam. Auch bei der Flugzeugausstattung gebe es Zulieferer, die dieses Jahr vor Herausforderungen stünden.

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Erstpublikation: 15.02.2024, 07:31 Uhr.

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