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BASFChemiekonzern streicht noch mehr Stellen in Ludwigshafen

BASF macht 2023 wie erwartet weniger Umsatz, will aber eine stabile Dividende zahlen. Am Stammsitz in Ludwigshafen soll eine weitere Milliarde eingespart werden.Theresa Rauffmann 26.02.2024 - 09:00 Uhr
BASF in Ludwigshafen: Vor allem in Deutschland lief es für den Chemiekonzern schlecht. Foto: dpa

Düsseldorf. BASF will am Standort Ludwigshafen jährlich zusätzlich eine Milliarde bis Ende 2026 sparen – und weitere Stellen abbauen. Das kündigte das Unternehmen am Freitag bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2023 an.

Der Chemiekonzern bestätigte am Freitag die schon vorläufig vorliegenden Zahlen: Insgesamt machte der Konzern 2023 einen Umsatz von 68,9 Milliarden Euro – 2022 waren es noch 87,3 Milliarden Euro. Das Ebit vor Sondereinflüssen ging um 3,1 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro zurück. BASF verfehlte damit seine eigene Prognose.

BASF begründet das Ergebnis mit niedrigeren Preisen und Mengen. Wie der gesamten Chemieindustrie machte dem Unternehmen vor allem die schwache Nachfrage zu schaffen. Die BASF-Aktie startete am Freitag mit Gewinnen in den Handel, gab diese aber im Verlauf ab und lag am Nachmittag rund 1,2 Prozent im Minus bei 46,30 Euro.

Die Dividende will der Konzern in diesem Jahr stabil halten: Auf der Hauptversammlung soll eine Dividende in Höhe von 3,40 Euro vorgeschlagen werden, das wäre eine Ausschüttung von drei Milliarden Euro an die Aktionäre. Der frei verfügbaren Mittel (Free Cashflow), an denen sich BASF primär in Bezug auf die Dividendenhöhe orientiert, lagen bei 2,7 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr erwartet BASF allerdings einen deutlich niedrigeren Free Cashflow von höchstens 600 Millionen Euro. 

Besonders in Deutschland lief es schlecht: Im vergangenen Jahr sei das Ebit vor Sondereinflüssen in einem „extrem schwierigen Marktumfeld mit schwacher Nachfrage in allen Regionen“ im zweistelligen Prozentbereich zurückgegangen, heißt es von BASF. „In absoluten Zahlen haben unsere Teams jedoch in allen wichtigen Ländern einen positiven Ergebnisbeitrag geliefert – mit Ausnahme von Deutschland“, sagte BASF-Chef Martin Brudermüller.

Problematisch seien hierzulande vor allem die höheren Produktionskosten wegen der strukturell höheren Energiepreise, die vor allem das sogenannte Upstream-Geschäft mit Basischemikalien und Vorprodukten von BASF belasten. Die Gruppe sei insgesamt unter weltweit schwierigen Bedingungen „absolut wettbewerbsfähig und gesund“, so Brudermüller.

Das negative Ergebnis am Standort Ludwigshafen zeige aber, „dass es dringend notwendig ist, hier weitere entschlossene Maßnahmen zur Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit vorzunehmen“.

Details zum Stellenabbau noch unklar

Details zum Stellenabbau würden derzeit noch in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern erarbeitet. Schon im Frühjahr vergangenen Jahres kündigte der Chemiekonzern an, weltweit 2600 Stellen zu streichen und in Ludwigshafen mehrere Anlagen zu schließen, wovon weitere rund 700 Stellen in der Produktion betroffen sind. Der nun angekündigte Stellenabbau kommt zusätzlich hinzu. „Wir warten nicht ab, wir handeln sofort“, sagte Brudermüller am Mittag vor Journalisten zum Abbau.

Betriebsratschef Sinischa Horvat bezeichnete das zusätzliche Sparpaket von einer Milliarde Euro in Ludwigshafen als „harten Schlag“. Vom Management erwarte der Betriebsrat neben den Sparmaßnahmen eine „Positivliste“ mit Maßnahmen und Projekten, „mit denen wir den Standort Ludwigshafen wieder in eine gute Zukunft führen können“. Horvat fordert außerdem von der Politik, bessere Rahmenbedingungen für die Industrie zu schaffen.

BASF will parallel versuchen, die Auslastung der wettbewerbsfähigen Anlagen in Ludwigshafen zu erhöhen. Einige der Anlagen würden derzeit „deutlich unter Normalniveau“ arbeiten, heißt es von BASF. Um solide Beträge zu erwirtschaften, brauche es Deckungsbeträge aus einer Anlagenauslastung auf Normalniveau. 

Was die Entwicklungen bei BASF insgesamt für den Standort Deutschland bedeuten, wird sich spätestens in der zweiten Jahreshälfte zeigen. Dann will der Vorstand ein aktualisiertes Zielbild für die längerfristige Positionierung des Standorts vorlegen. Ludwigshafen werde jedoch auch zum Ende des Jahrzehnts der größte Standort von BASF bleiben, erklärte Brudermüller

„Das Vorstandsteam wird sich weiterhin stark für den Standort Ludwigshafen engagieren“, betonte Brudermüller. Doch die regulatorischen Rahmenbedingungen und die veränderten Marktrealitäten in Europa müssten berücksichtigt werden. Ludwigshafen solle zum „führenden CO2-armen Chemiestandort mit hoher Profitabilität und Nachhaltigkeit“ entwickelt werden.

BASF will vor allem in China wachsen

Für 2024 erwartet BASF ein leichtes Wachstum – auch wenn sich die weltwirtschaftliche Schwäche erst einmal fortsetzen werde. In Europa würden allerdings weiterhin die vergleichsweise hohen Energiepreise und ungünstige Rahmenbedingungen die wirtschaftliche Entwicklung bremsen. In China hingegen dürfte laut BASF die Chemieindustrie wachsen.

Für den neuen Verbundstandort in Zhanjiang wird 2024 der höchste Mittelabfluss fällig – insgesamt 6,5 Milliarden Euro werden für immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen abfließen, der Großteil davon für das Werk in China. Insgesamt soll der Verbundstandort BASF bis zu zehn Milliarden Euro kosten – die größte Investition, die ein deutsches Unternehmen je in China getätigt hat.

„Zhanjiang läuft fantastisch von der Investition her, was den Zeitplan angeht, was den Ramp-up angeht und was die Sicherheit angeht“, sagte der scheidende Konzernchef Brudermüller. Das Unternehmen will auch weiterhin stark in China bleiben: Dort liege in Zukunft das Wachstum der Chemieindustrie, ohne dieses Geschäft sei die Umstrukturierung hierzulande nicht möglich, so Brudermüller. „Man kann doch nicht an 50 Prozent des globalen Weltmarkts vorbeilaufen und 80 Prozent des Marktwachstums ignorieren.“

BASF-Chef Martin Brudermüller setzt weiter stark auf das Geschäft in China. Foto: Uwe Anspach/dpa

Markus Kamieth, der im April den CEO-Posten von Brudermüller übernehmen wird, hat die gleiche Haltung gegenüber China wie Brudermüller. Der bisherige Asienvorstand des Unternehmens weist Kritik, dass sich BASF mit Blick auf die wachsenden geopolitischen Unsicherheiten zu abhängig von China mache, mit denselben Argumenten wie Brudermüller zurück. „Unser eigentliches Klumpenrisiko sind nicht die Investitionen in China, sondern der hohe Umsatzanteil in Europa“, sagte er vor einem Jahr auf einer Handelsblatt-Veranstaltung.

Doch zuletzt wurde BASF wegen des China-Engagements massiv kritisiert: Medien berichteten zuletzt immer wieder über die Nähe eines Joint-Venture-Partners von BASF in der Uiguren-Provinz Xinjiang zu Zwangsarbeit. BASF reagierte und gab vor Kurzem bekannt, sich von seinen umstrittenen Joint-Venture-Werken in Xinjiang trennen zu wollen. Bereits im vierten Quartal 2023 habe das Unternehmen den Verkaufsprozess seiner Anteile dort eingeleitet. An der Chinastrategie und der sonstigen Präsenz der BASF im Land ändere sich dadurch aber nichts. 

Erstpublikation: 23.02.2024, 07:23 Uhr.

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