Nvidia: Chipkonzern steigert Umsatz um 265 Prozent
San Francisco. Der Erfolg des Chipkonzerns Nvidia scheint keine Grenzen zu kennen. CEO Jensen Huang präsentierte am Mittwoch die jüngsten Quartalszahlen und konnte einen Umsatzsprung um 265 Prozent im Jahresvergleich auf 22,1 Milliarden Dollar bekannt geben. „Wir stehen am Anfang einer Revolution“, sagte Huang. Nvidia spüre erst den Beginn eines fundamentalen Wandels der Wirtschaft, die verstärkt Künstliche Intelligenz einsetzt.
Vom Textroboter ChatGPT über den KI-Bildgenerator Firefly oder per Künstlicher Intelligenz erstellte Videos von Runway: All diese Anwendungen würden von Chips von Nvidia angetrieben. „Wir haben all diese Anwendungen erst möglich gemacht“, sagte Huang.
„Wir kommen mit der Produktion gar nicht hinterher“, erklärte Huang weiter. Die Nachfrage nach leistungsfähigen KI-Chips sei kaum zu erfüllen. „Unsere Chips werden nicht umsonst KI-Supercomputer genannt.“
Nvidia baue zwar das Angebot aus, dennoch übersteige die Nachfrage weiter stark die Zahl an Chips, die das Unternehmen produzieren lassen könne. Das zeigt sich auch in den Quartalszahlen.
Der Konzern meldete für das Quartal einen Nettogewinn von 12,3 Milliarden Dollar oder 4,93 Dollar pro Aktie, ein Plus von 769 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 1,41 Milliarden Dollar oder 57 Cent pro Aktie.
Nvidia-Aktie legt zum Handelsstart stark zu
Die Aktie legte nachbörslich stark zu und sorgte am Donnerstag für neue Rekordstände bei Nikkei und Dax. Zum Handelsstart in den USA stiegen die Titel um rund 12 Prozent auf knapp 760 Dollar. Damit ist Nvidia der viertwertvollste Konzern der Welt und hat den weltgrößten Onlinehändler Amazon gemessen an der Marktkapitalisierung erneut überholt.
Die Aktien von Nvidia hatten seit Jahresanfang rund 60 Prozent an Wert zugelegt und die Marktkapitalisierung auf rund 1,9 Billionen Dollar steigen lassen. Vergangene Woche war Nvidia bereits kurzzeitig mehr wert als Alphabet und Amazon.
Die Quartalszahlen haben weltweit die Börsenkurse steigen lassen: Der japanische Nikkei-225 erreichte ein neues Allzeithoch, vorbörslich deutet sich auch für den deutschen Leitindex Dax ein neuer Rekord an.
Besonders stark legte für Nvidia das Geschäft mit Rechenzentren zu. Die Firma liefert mit dem H100 den begehrtesten Chip für anspruchsvolle KI-Anwendungen. Der Umsatz in diesem Segment stieg um 409 Prozent auf rund 18 Milliarden US-Dollar.
Meta-CEO Mark Zuckerberg sagte im Januar, dass die Computerinfrastruktur seines Konzerns bis Ende dieses Jahres 350.000 H100-Grafikkarten umfassen wird. Das würde bedeuten, dass Meta allein mehrere Milliarden Dollar für Nvidia-Chips ausgeben wird.
Nvidia-Superchip B100 angekündigt
Noch in diesem Jahr will Nvidia außerdem einen verbesserten Chip vorstellen, der die Leistung des H100 übertreffen soll. Der B100 genannte Halbleiter soll noch besser auf anspruchsvolle KI-Anwendungen ausgelegt sein.
Vorher soll zunächst eine verbesserte Version des H100, genannt H200, auf den Markt kommen. Finanzchefin Colette Kress kündigte an: „Wir sind auf Kurs, sodass die ersten Auslieferungen im zweiten Quartal starten können.“ Schon jetzt sei die Nachfrage nach den verbesserten Chips sehr hoch.
Etliche Wettbewerber versuchen, die Dominanz von Nvidia bei KI-Chips zu brechen. Der Rivale AMD stellte im Dezember einen neuen Halbleiter vor, der laut Darstellung von Firmenchefin Lisa Su besser als der H100 sein soll.
Jensen Huang gab sich dennoch entspannt. Seine Firma sei hervorragend aufgestellt. Das übersetzt er auch in konkrete Zahlen: Für das laufende Quartal gab er eine Umsatzprognose von rund 24 Milliarden Dollar aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wäre das ein Umsatzanstieg um 233 Prozent – ein Zeichen, dass Nvidia keine Herausforderung in seinen Wettbewerbern sieht.
Der Konzern habe die Konkurrenz deklassiert, sagte Alan Priestley, Chipexperte des Marktforschers Gartner. „Noch ist die größte Herausforderung, die Nachfrage zu befriedigen.“
Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage nach Hochleistungschips besonders hoch gewesen, weil etwa die KI-Modelle hinter Anwendungen wie ChatGPT aufwendig trainiert werden mussten. Im Betrieb der KI-Modelle, dem sogenannten Inferencing, seien jedoch nicht immer Spitzenchips nötig. Hier könnten auch die Halbleiter anderer Unternehmen zum Einsatz kommen, prognostizierte Priestley.
CEO Huang hielt die Sorge um die wachsende Macht von Rivalen für überzogen. Um sein Argument zu unterstreichen, legte er eine wichtige Zahl für sein Unternehmen offen: „Schon jetzt macht Inferencing rund 40 Prozent von unserem Umsatz aus“, sagte Huang. Damit unterstrich er, Nvidia sei nicht nur die entscheidende Firma für das aufwendige Training von KI-Modellen, sondern auch bedeutend für den täglichen Betrieb der Modelle.
Nvidia-Umsätze mit Autobauern rückläufig
Dennoch gab es trotz aller Erfolge auch Rückschläge. Der Chipkonzern ist ein wichtiger Partner der Autobauer. In Deutschland kooperiert die Firma sehr eng mit Mercedes. Die Chips aus Santa Clara sollen zunehmend autonomes Fahren möglich machen.
Heute verbauen Autofirmen in ihren Fahrzeugen meist viele einzelne Steuerelemente. Diese sollen künftig in Zentralrechner zusammengefasst werden. Nvidia will dafür der wichtigste Lieferant werden und ist dazu viele Partnerschaften eingegangen. Diese schlagen sich bislang jedoch kaum in der Bilanz nieder. Im jüngsten Quartal ging der Umsatz im Autosegment im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 281 Millionen Dollar zurück.
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Ein weiteres Problem ist China. Die US-Regierung hat die Ausfuhr von Hochleistungschips an die Volksrepublik beschränkt. Washington sieht Peking als Rivalen im Wettrennen um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz. Die Exportkontrollen sollen den Wettbewerber bremsen.
Für Nvidia bedeutet das den Verlust von einem lukrativen Geschäft. „Wir haben sofort alle Vorgaben der Regierung umgesetzt“, sagte Huang. Die Auslieferung von bestimmten Chips in die Volksrepublik sei gestoppt worden. Derzeit warte Nvidia auf die Freigabe aus Washington, eine in der Leistungsfähigkeit beschränkte Version seiner Chips weiterhin an chinesische Unternehmen liefern zu können.
Nvidia schlüsselt das Geschäft mit Kunden in China nicht separat in der Bilanz auf. Wie stark die Auswirkungen der Sanktionen sind, ließ sich daher nicht konkret beziffern. Finanzchefin Kress sprach jedoch davon, der Umsatz sei „stark“ zurückgegangen.
Erstpublikation: 21.02.2024, 22:39 Uhr