Kommentar: Am Chipkonzern Nvidia kommt niemand vorbei

Die Erwartungen an Nvidia sind gigantisch. Jensen Huang konnte die hochgesteckten Ziele nicht nur erreichen, sondern sogar noch übertreffen. Der Gründer hat seinen Chipkonzern zum zentralen Spieler im Wettrennen um die besten Lösungen bei Künstlicher Intelligenz gemacht. An Nvidia kommt niemand vorbei.
Diese Quartalssaison war ein Realitätscheck für die größten Technologiefirmen der Welt. Die Hoffnung auf KI hatte die Bewertungen während der vergangenen Monate in die Höhe getrieben. Microsoft und der Google-Konzern Alphabet wurden bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen noch abgestraft, obwohl sie solide Geschäftszahlen vorlegen konnten.
Jensen Huang spielt in einer anderen Liga. Egal ob Microsoft, Google oder Meta, kein Unternehmen kommt ohne die Chips von Nvidia aus. Die Softwareplattform Cuda von Nvidia ist der Standard für KI-Projekte geworden. Nvidias Chiprivalen Intel und AMD könnten bei der Innovationsgeschwindigkeit der Firma aus Santa Clara nicht mithalten.
Nvidia ist die Währung für die Zukunftsfähigkeit von Tech-Konzernen geworden. Als Meta-CEO Mark Zuckerberg öffentlich zeigen wollte, wie gut seine Firma im KI-Wettrennen aufgestellt ist, nutzte er dafür eine Zahl: die Summe der H100-KI-Chips, die Meta zusammenkauft. Bis Jahresende will Zuckerberg 350.000 gekauft haben.
Bei den marktüblichen Preisen dürften die Chips rund zehn Milliarden Dollar kosten. Das heißt: noch mehr Umsatz und Gewinn für Jensen Huang.
Seine Firma ist an der Börse mittlerweile etwa so viel wert wie Alphabet oder wie der weltgrößte Onlinehändler Amazon. Analysten erwarten bereits, dass Nvidia bald die Marke von zwei Billionen Dollar Marktkapitalisierung knacken könnte.
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Für Deutschland sollte das Inspiration und Warnung zugleich sein. Inspiration, weil Jensen Huang von Anfang an mit einem Fokus auf die Ingenieurskunst einen Weltkonzern geformt hat. Deutschland hat die Chance, sich von der Strategie inspirieren zu lassen.
Die heimlichen Weltmarktführer in der Bundesrepublik machen vor, wie mitreißende Gründerinnen und Gründer Weltkonzerne formen können. Im Maschinenbau und in der Autoindustrie hat Deutschland Weltmaßstäbe gesetzt. Es wird Zeit, diesen Erfolg bei digitalen Geschäftsmodellen zu wiederholen.
Der Erfolg von Nvidia sollte aber auch Warnung sein. Die Chipentwicklung ist ein wichtiger Zukunftsbereich. Das gilt vor allem für KI-Chips. Nvidia dominiert den Markt. Das kann eine Gefahr für den Wettbewerb werden. Wer sich für Nvidia entscheidet, dem sollte bewusst sein, dass er sich damit auf viele Jahre von einem Unternehmen abhängig machen könnte. Die Wahrheit ist aber auch: Derzeit gibt es keine wirkliche Alternative zu Nvidia.