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Morning BriefingDie Schrecken des Ukraine-Kriegs – Wenn 31.000 Tote eine gute Nachricht sind

Wolodimir Selenski nennt erstmals eine Gefallenenzahl für seine Truppen – und die fällt überraschend niedrig aus. Der ukrainische Präsident rechnet bald mit einer russischen Offensive.Christian Rickens 26.02.2024 - 06:35 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Die Schrecken des Ukraine-Kriegs: Wenn 31.000 Tote eine gute Nachricht sind

26.02.2024
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Liebe Leserinnen und Leser,

„Neuer Ärger erschüttert den VW-Konzern – diesmal bei der Premiumtochter Audi“. Ganz ehrlich: Als ich diesen Satz unserer Auto-Kollegen las, musste ich erst einmal nachschauen, ob ich nicht versehentlich in eine alte Meldung geklickt hatte.

Doch tatsächlich geht es schon wieder um frische Kalamitäten bei Volkswagens Premiumtochter. Zur Erinnerung: Deren einstiger „Vorsprung durch Technik“ (Audi-Werbeslogan) hat sich längst in einen Rückstand aus demselben Grund verwandelt. Audi will bis 2026 komplett aus der Entwicklung von Verbrennungsmotoren und ab 2033 auch aus deren Verkauf aussteigen. Doch bisher hat Audi keine Elektro-Modellreihe auf den Markt gebracht, die als wettbewerbsfähig gilt. Die Gewinne stammen ausschließlich aus dem Verkauf von Verbrennermodellen. Audi droht nun, was Konkurrent Mercedes bereits am Donnerstag verkünden musste: Der Abschied von den ehrgeizigen Elektro-Ansagen.

Der neue Vorstandschef Gernot Döllner soll dafür sorgen, dass Audi seine Ziele doch noch erreicht. Dabei sorgt der 55-Jährige jedoch mit ruppigem Führungsstil und Kontakt zu umstrittenen Ratgebern wie Ex-Konzernchef Martin Winterkorn für Ärger. Das erfuhr das Handelsblatt von mehreren Konzerninsidern.

Mitte Februar hat Döllner den langjährigen Chefdesigner Marc Lichte abgesetzt, nun will er Audi-Entwicklungschef Oliver Hoffmann von seinen Aufgaben entbinden. Döllner agiere zu sehr im Stile früherer Konzernchefs wie Winterkorn und Herbert Diess, heißt es bei Volkswagen. Diese autoritäre Kultur wolle man hinter sich lassen.

Ja, Führen durch Angst sollte passé sein. Aber nur durch Gesundstreicheln lässt sich ein Unternehmen, in dem der Schlendrian eingerissen ist, eben auch nicht kurieren. Meine Prognose: In den kommenden Jahren werden wieder vermehrt Managerinnen und Manager gefragt sein, die keine Scheu haben, sich unbeliebt zu machen um ein Ziel zu erreichen – nicht nur bei Audi.

Döllner hat im September den abgesetzten Audi-Chef Markus Duesmann ersetzt. Foto: Audi AG

Optimismus scheint die einzige strategische Ressource zu sein, die dem ukrainischen Präsidenten niemals ausgeht. Im Moment sind seine Truppen auf dem Rückzug, und für Frühjahr oder Sommer rechnet Wolodimir Selenski mit einer neuen russischen Offensive. Aber er hat nach eigener Aussage vom Sonntag auch ein Konzept für eine Gegenoffensive:

Es gibt einen Plan, der Plan ist klar, aber ich kann Ihnen keine Details nennen.
Wolodimir Selenski
ukrainischer Präsident

Im vergangenen Jahr seien die Pläne für eine Gegenoffensive durchgesickert und „auf einem Schreibtisch im Kreml“ gelandet, bevor die Operation überhaupt begonnen habe. Wie es zu diesem Leck kam, ließ Selenski offen.

Erstmals seit Kriegsbeginn machte Selenski eine Angabe zur Zahl der gefallenen ukrainischen Soldaten, 31.000 seien es bisher. Die Zahl der Verwundeten könne er nicht angeben, das würde den Planungen des russischen Militärs helfen. Die von amerikanischer beziehungsweise russischer Seite genannte Zahl von 100.000 bis 300.000 getöteten ukrainischen Soldaten wies Selenski als „Unsinn“ zurück.

Die Lage an der Front in der Ostukraine ist derzeit weniger eindeutig als es den Anschein hat, so die Analyse meines Kollegen Martin Murphy: Während im Nordteil die russischen Truppen auf dem Vormarsch sind, erzielen die ukrainischen Soldaten an der Schwarzmeer-Küste durchaus Erfolge gegen die russische Luftwaffe und Marine – unter anderem weil die Ukrainer eine Taktik der deutschen U-Boote im Zweiten Weltkrieg adaptiert haben.

Mit Haubitzen greifen die Ukrainer Positionen der russischen Besatzer an. Foto: Reuters

Auch das ist eine Facette des Ukrainekriegs: Laut einer Polizeisprecherin haben sich in Polen unbekannte Täter Zugang zu acht Waggons eines Güterzugs verschafft und den darin transportierten Mais ausgeschüttet. Hintergrund dürften die Proteste polnischer Bauern gegen ukrainische Agrarimporte sein. Sie wollen verhindern, dass billigeres ukrainisches Getreide auf den heimischen Markt gelangt. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine vor zwei Jahren hatte Brüssel alle Importzölle und -quoten für landwirtschaftliche Produkte aus der Ukraine ausgesetzt, um dem Land wirtschaftlich zu helfen.

Auf seinem schwierigen Weg in die Nato dürfte Schweden am Montag die letzte und entscheidende Hürde nehmen. Das ungarische Parlament will über den schwedischen Beitrittsantrag abstimmen. Da die regierende Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orban nach langer Ablehnung jüngst ihre Unterstützung für die Ratifizierung des Antrags signalisiert hat, darf man von einer Zustimmung des Parlaments ausgehen. Damit wäre der Weg für Schweden in das westliche Verteidigungsbündnis 21 Monate nach dem Beitrittsantrag frei.

Klare Worte nach einem Abend der Mehrdeutigkeiten: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat die Berlinale-Gala vom Samstag kritisiert. „Das, was gestern auf der Berlinale vorgefallen ist, war eine untragbare Relativierung. In Berlin hat Antisemitismus keinen Platz, und das gilt auch für die Kunstszene“, schrieb Wegner gestern auf der Plattform X.

Während der Preisverleihung am Samstagabend hatten mehrere Filmschaffende wegen des Gaza-Kriegs Vorwürfe gegen Israel geäußert, ohne das Massaker und die Geiseln der Hamas zu erwähnen. Der palästinensische Filmemacher Basel Adra etwa forderte Deutschland auf, keine Waffen mehr an Israel zu liefern. Adra hatte mit drei anderen Filmemachern die Dokumentation „No Other Land“ gedreht und dafür den Dokumentarfilmpreis gewonnen. Der Film dreht sich um die Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern im Westjordanland.

Der Filmemacher Ben Russell sprach auf der Berlinale-Bühne von einem „Genozid“ durch Israel im Gaza-Streifen. Diese Äußerung kritisierte – ebenfalls auf X – auch der Grünen-Politiker Konstantin von Notz:

Es ist schlicht ekelhaft und eine perfide Täter-Opfer-Umkehr. Solche Auftritte sind unerträglich.
Konstantin von Notz
Grüne

Mit Streiks von Busfahrern in Schleswig-Holstein, im Saarland und in der Region Trier beginnt am Montag die Warnstreikwoche der Gewerkschaft Verdi im öffentlichen Nahverkehr. Zahlreiche Busverbindungen dürften ausfallen. In Berlin erwarten die Verkehrsbetriebe am Montag bis zum Nachmittag ebenfalls Einschränkungen bei Bussen, Trams und U-Bahnen. Grund ist hier ein Warnstreik von drei anderen Gewerkschaften.

Verdi hat in ganz Deutschland von Montag bis Samstag Arbeitskämpfe im Nahverkehr geplant, regional an unterschiedlichen Tagen. Hauptstreiktag ist Freitag. Bayern ist als einziges Bundesland nicht betroffen. In den regional geführten Tarifrunden geht es um die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten bei regionalen Bussen und Bahnen.

Der Mond-Lander „Nova-C“ der US-Firma Intuitive Machines. Foto: dpa
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Die erste kommerzielle Mondlandung ist geglückt, doch beim Aufsetzen ist das unbemannte Gefährt anscheinend umgekippt und liegt auf der Seite. Das sagte der Chef des verantwortlichen US-Unternehmens Intuitive Machines, Stephen Altemus am Wochenende. Er zeigte sich dennoch optimistisch für die weitere Mission: Die Batterien würden durch Solarpanele geladen und die meisten Geräte befänden sich auf der bodenabgewandten Seite der Raumfähre. Lediglich eine Nutzlast mit einem Kunstobjekt sei Richtung Boden angebracht, sagte Altemus: Der US-Künstler Jeff Koons hatte 125 Miniaturskulpturen aus rostfreiem Stahl – „Moon Phases“ genannt – mit zum Mond geschickt. 

Wenn schon Kunst auf dem Mond, dann wäre die passendere Fracht in diesem Fall wohl jene Sammlung mit Gedichten von Joachim Ringelnatz gewesen, die den Titel trägt: „Ich bin etwas schief ins Leben gebaut.“ Ich wünsche Ihnen einen geradlinigen Wochenauftakt.

Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens 

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