Auktionsvorbericht: Koller in Zürich: Offerte mit Messer und Gabel
Zürich. Vergnügliche Zeit erlebt, wer vor einer Auktion das Angebot digital durchscrollt. Seltenes, Hochbewertetes steht neben überraschend günstigen Losen. Ein Fundstück nach dem anderen entfaltet sich auf dem Bildschirm: skurrile Objekte, die man sich selber schenken kann oder jemandem, den man liebt.
Mehr oder weniger aufwendig inszenierte Goldemaildosen sind schon für wenig Geld zu haben. Für einen ähnlich kleinen Singvogelautomaten mit Walzenspielwerk - ein früher Automat - hingegen erwartet Cyril Koller in der Züricher Auktionsserie vom 21./22. März ein Gebot zwischen 60.000 und 100.000 Schweizer Franken.
Das Überraschendste an der Koller-Offerte ist indes ein Dachbodenfund aus Süddeutschland. Der Einlieferer öffnete zwei alte Kisten und stand ahnungslos vor je 250 Messern und Gabeln, die um 1900 zusammengetragen wurden: Ihr Reiz liegt in kunstvoll geschnitzten Griffen aus Elfenbein, Email oder Bernstein. Die Griff-Figuren erzählen von Mythologie und Krieg, von höfischem Benehmen und dem Bedürfnis zu repräsentieren. Die Vorbesichtigung des Besteck-Katalogs findet übrigens ausschließlich in München statt.
Nicht minder kurios ist eine vollplastische Taube aus Silber und Email mit beweglichen Flügeln. Sie hatte im Hochmittelalter bei der Hostienweihe eine Funktion. Für die skulpturale Darstellung des Heiligen Geistes aus dem französischen Limoges werden als Richtpreis 120.000 bis 180.000 Franken angesetzt.
Weit ist auch die Spanne bei den Alten Meistern. Für ein Gebot um 10.000 Franken wechseln Eisläufer, gemalt von Abel Grimmer, die Eigentümer. Eine wiederentdeckte Waldlandschaft von Hercules Seghers mit nobler Provenienz wird mit einer Schätzung von 350.000 bis 500.000 Franken aufgerufen.
Die höchste Erwartung gilt dem Sonnenaufgang im Hafen von Reval, geschildert von Ivan Konstantinovich Aivazovsky. Hier rechnet Koller mit Geboten um und über 1 Million Franken. Das ist realistisch, hat der Maler doch eine treue Fangemeinde. Scrollen lohnt sich – für den Käufer und bei dem unentschlossenen Interessenten für die Marktkenntnis. Doch Achtung: In der Kunst tauchen Unikate nur einmal auf.