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AktienSo profitieren Anleger vom Boom der indischen Börse

Das Wachstums-Wunderland in Asien überrascht mit extrem hohen Aktienrenditen. Experten glauben an weiter steigende Kurse. Das Handelsblatt stellt erfolgreiche Fondsstrategien vor.Ingo Narat 25.03.2024 - 16:47 Uhr
In diesem Jahrtausend haben sich die indischen Kurse mehr als verdreizehnfacht. Foto: Bloomberg

Frankfurt. Seit Beginn des Jahrtausends hat die indische Aktienbörse weit höhere Kursgewinne geliefert als alle anderen größeren Märkte. Und Experten zufolge ist kein Ende in Sicht. Erfolgreiche Investoren verweisen auf eine anhaltend spektakulär laufende Konjunktur, steigende Unternehmensgewinne und eine wirtschaftsfreundliche Regierung. Sie vertrauen vor allem auf Aktien aus den Branchen Konsum, Finanzen und Infrastruktur. Allerdings stören sich manche Analysten an den hohen Bewertungen der Aktien.

In den Blick rückt der Markt jetzt aus mehreren Gründen. Die indische Wirtschaft wuchs im vierten Quartal 2023 um 8,6 Prozent. „Das zementiert Indiens Position als die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft“, urteilt Udith Sikand, Analyst bei Gavekal Research in Hongkong. Seine Prognose: „Das Land bleibt auf Kurs, wird Japan und Deutschland überrunden, bis 2027 die weltweit drittgrößte Wirtschaft sein.“

Bei den im April und Mai anstehenden Wahlen rechnen Experten mit einer Wiederwahl des wirtschaftsfreundlichen Premiers Narendra Modi, der in den vergangenen Jahren viel Geld in Infrastruktur investierte. Vor einem Jahr überholte Indien mit 1,4 Milliarden Einwohnern China als bevölkerungsreichstes Land der Erde. Einen Vorteil sehen Fachleute auch im hohen Anteil junger Leute im Land.

Indien: Boom der Börse durch Wachstum und politische Stabilität

Es sind das starke Wachstum und die politische Stabilität, die laut Fachleuten den Unterscheid zu anderen Schwellenländern ausmachen. Damit erklärt sich auch der vielleicht heimlichste und massivste Börsenboom der Welt: In diesem Jahrtausend haben sich die indischen Kurse mehr als verdreizehnfacht, selbst die im Mittelpunkt stehende Wall Street mit ihrer Tech-Euphorie schaffte nur eine Verdreifachung, und der Kurs-Dax als Messlatte für Deutschland notiert nicht einmal ein Drittel höher als zu Beginn des Jahrtausends.

In Indien werden über 5000 Aktien gehandelt. Das entspricht einem gesamten Marktwert von über vier Billionen Dollar. Der gern als Messlatte verwendete Index MSCI India berücksichtigt 131 große Unternehmen, die laut Indexrechner MSCI etwa 85 Prozent des Börsenwertes aller indischen Firmen abdecken. In der Messlatte entfällt rund die Hälfte des Kapitals auf Unternehmen aus den Branchen Finanzen, Konsum und Technologie.

Experten blicken meist optimistisch auf die Zukunft Indiens. „Die Wirtschaft dürfte in der absehbaren Zukunft jährlich um die zehn Prozent wachsen“, sagt Abhay Laijawala, Berater der Fondsgesellschaft Robeco. Kein größeres Land kann bessere Zahlen vorweisen. „Und das wird sich in weiter steigenden Unternehmensgewinnen widerspiegeln“, ergänzt der Mann aus Mumbai.

Auch die Investoren dürften den Einschätzungen zufolge stärker zugreifen. „Die inländischen Anleger werden wohlhabender und investieren stärker in die eigenen Aktien“, sagt Jason Pidcock, Asienexperte bei Jupiter Asset Management in London. Außerdem lockten die guten Aussichten auch immer mehr ausländische Investoren.

Bei den im April und Mai anstehenden Wahlen rechnen Experten mit einer Wiederwahl des wirtschaftsfreundlichen Premiers Narendra Modi. Foto: AP

Wenn sich Analysten der breiten Zuversicht für indische Aktien nicht anschließen wollen, dann meist wegen der vergleichsweise hohen Bewertungen. Schwellenländer kommen im Schnitt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von niedrigen 15. Der S&P 500 als Messlatte für die Wall Street erreicht 23. Doch die indischen Aktien sind gemessen am MSCI India mit 28 noch weit teurer.

Kritiker stoßen sich an hoher Bewertung indischer Aktien

An der hohen Bewertung stört sich beispielsweise Sikand von Gavekal Research: „Ein Börsenrückschlag ist überfällig.“ Er sieht sich auch von den gesunkenen Anlagen ausländischer Investoren in diesem Jahr bestätigt.

Pidcock von Jupiter argumentiert dagegen: „Die Aktien sehen nicht billig aus, eine Prämie ist aber wegen des hohen Wachstums gerechtfertigt.“

Ausländische Privatanleger haben keinen direkten Zugang zur indischen Börse. Sie können aber über indische Aktienfonds einsteigen. Die Researchfirma Scope Fund Analysis zählt dafür 50 Angebote mit einem Gesamtkapital von 31 Milliarden Euro. Darunter sind auch börsengehandelte Produkte etwa von Blackrock, Amundi, Franklin Templeton und der DWS, die sich auf Indizes wie den MSCI India beziehen.

Das Handelsblatt stellt drei erfolgreiche Strategien vor, die von Scope Fund Analysis ein gutes Rating erhalten haben. Diese Produkte haben  im Fünfjahres-Rückblick überdurchschnittliche Renditen geliefert.

Robeco Indian Equities

  • Rendite 12 Monate: 27,0%, Rendite 5 Jahre p.a.: 17,2%

Konsum und Finanzen sind für Abhay Laijawala zwei Kernthemen für die Aktienauswahl. Den Fondsberater der niederländischen Anlagefirma Robeco zieht vor allem eine rasant wachsende Zahl von Indern mit mehr Geld an: „Die Zahl der Haushalte mit einem Jahreseinkommen über 35.000 Dollar dürfte sich in der Dekade verfünffachen.“ So ist etwa die Aktie der Supermarktkette Avenue Supermarts im Fonds.

Außerdem setzt Laijawala auf Finanzwerte: „Die Inder haben in den vergangenen Jahren aggressiv in Aktien investiert; das wird anhalten, auch weil die Regierung das Ansparen fürs Alter fördert.“ Bisher seien nur sechs Prozent der privaten Gelder in Aktien investiert – doch die Tendenz ist steigend. Von diesem Trend wie auch dem wachsenden Kreditgeschäft profitierten die Banken.

So finden sich im Fonds die großen Adressen HDFC Bank und ICICI Bank. Beträchtliche Positionen gibt es auch im IT-Unternehmen Infosys und dem Telekom-Konzern Bharti Airtel, dessen Aktie sich innerhalb von fünf Jahren vervierfachte.

Jupiter India Select

  • Rendite 12 Monate: 64,0%, 5 Jahre p.a.: 17,1%

Fondsmanager Avinash Vazirani sieht viele Vorteile bei indischen Aktien. Die Kurse seien breit über viele Branchen hinweg gestiegen. „Das ist der Unterschied etwa zu den USA, wo die großen Tech-Werte zuletzt für den Löwenanteil der Gewinne verantwortlich waren“, urteilt der Fondsmanager von Jupiter Asset Management in London. Er finde viele gute Aktien bei Banken, Versicherungen, im Bereich Gesundheit und Pharma, ebenso bei Infrastrukturwerten wie Häfen und Flughäfen.

In Indien werden über 5000 Aktien gehandelt. Foto: Hindustan Times/Getty Images

Im Fonds hält er im Gesundheitsbereich größere Anteile am Krankenhaus-Betreiber Fortis Healthcare und am Pharma-Unternehmen Sun Pharmaceutical Industries. Die größte Position ist Godfrey Phillips India, ein Hersteller von Zigaretten und Zigarren.

Ein Schwerpunkt liegt außerdem bei Ölfirmen wie Bharat Petroleum, Indian Oil und Hindustan Petroleum. Hier sieht der Manager allerdings auch ein Risiko. Indien sei stark abhängig von Energieimporten: „Sollte es wegen geopolitischer Unsicherheiten zu steigenden Ölpreisen kommen, könnten die das Wirtschaftswachstum gefährden.“

Franklin India Fund

  • Rendite 12 Monate: 33,6%, 5 Jahre p.a.: 14,4%

Etwa ein Drittel des Kapitals von rund zwei Milliarden Euro stecken in Konsumwerten – es ist der höchste Branchenanteil im Fonds. Murali Yerram, Fondsberater für den US-Asset-Manager Franklin Templeton Investments in der indischen Metropole Chennai, sieht hier große Chancen. Eine zentrale Position ist beispielsweise United Spirits, eine Spirituosen-Tochter der französischen Diageo.

Fast ein Viertel der Mittel entfallen auf die Finanzbranche. Bankdienstleistungen seien immer stärker gefragt, auch wegen vieler neuer Kunden dank des wachsenden Wohlstands, so Yerram: „Wir setzen auf Privatbanken, auch weil die den staatlichen Banken Marktanteile abnehmen werden.“ Große Positionen hat der Fonds in der ICICI Bank und der HDFC Bank.

Ein weiteres wichtiges Thema ist Infrastruktur. „Das wird von der Regierung gefördert, und die Inder bauen weiter Straßen, U-Bahnen, Bahnlinien mit atemberaubender Geschwindigkeit“, so der Berater. So ist beispielsweise der größte Infrastrukturentwickler des Landes Teil des Fonds, das Unternehmen Larsen & Toubro.

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Erstpublikation: 23.03.2024, 14:25 Uhr.

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