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Morning BriefingDer Wunsch nach dem starken Mann – und das Problem daran

Trotz historischer Vorbelastung scheinen sich in Deutschland immer mehr Menschen nach einer starken Leitfigur zu sehnen. Dabei gibt es gleich mehrere Schwierigkeiten.Teresa Stiens 28.03.2024 - 06:20 Uhr
Handelsblatt Morning Briefing

Autorität im Trend: Wieso starke Führer gefragt sind

28.03.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

das große Titelthema für das Osterwochenende hat in mir ein mulmiges Gefühl ausgelöst. Darin analysiert Hans-Jürgen Jakobs, den viele von Ihnen noch als Autor dieses Briefings kennen dürften, die neue Lust auf starke Führung. Zugegeben, bei dem Wunsch nach einem „starken Führer“ dreht sich vielen in Deutschland aus historischen Gründen der Magen um. Und doch scheint es da diesen Wunsch zu geben, dass ein starker Mann (aus irgendeinem Grund geht es selten um starke Frauen) die Geschicke des Landes oder des Unternehmens in die richtige Richtung lenken möge. Hans-Jürgen Jakobs analysiert: „In einer beunruhigend größer werdenden Zahl an Fällen suchen Menschen Anlehnung und Stabilität bei Menschen, die sehr einfache Antworten geben.“

Das verleitet sogar Politiker wie Emmanuel Macron und Olaf Scholz, die eher nicht zur Kategorie Alphamänner zählen, dazu, sich als starke Führer mit harter Hand zu inszenieren. Woher kommt dieser intrinsische Wunsch nach einer Leitfigur, der man die Verantwortung für die Zukunft in die starken Hände legen möchte? Und was ist eigentlich gute Führung? Diesen Fragen nähert sich Hans-Jürgen Jakobs mit seiner gewohnten sprachlichen Finesse an.

Das Börsendebüt von Donald Trumps Social-Media-Plattform war ein Erfolg. Foto: Bloomberg

Es lässt sich nicht leugnen: Donald Trump ist ein Phänomen. Als Polit-Neuling kaperte er trotz menschenfeindlicher Aussagen und zahlreicher Skandale die Republikanische Partei, um sich dann auch für ihn selbst überraschend zum Präsidenten wählen zu lassen. Sein Aufstieg gelang ihm deshalb, weil Menschen an das glaubten, was er versprach – ohne dass in den allermeisten Fällen tatsächlich Substanz hinter seinen Versprechen gesteckt hätte.

Nun hat er es geschafft, seinen Populismus in eine Aktie zu gießen. Und da sich aufgeblasene Versprechen an der Börse oft gut verkaufen, wurde der Börsengang seiner Social-Media-Plattform Truth Social ein voller Erfolg. Die Aktie beendete ihren ersten Handelstag an der Wall Street mit einem Plus von 16 Prozent bei 57,99 Dollar.

Analysten sind überzeugt, dass die Aktie der Trump Media & Technology Group extrem überbewertet ist. Trumps Unternehmen, das unter dem Kürzel DJT an der Börse gehandelt wird, ist nun mehr als acht Milliarden Dollar wert. Das übertrifft selbst Reddit, das vergangene Woche den Börsengang wagte. Allerdings handelt es sich bei Reddit um die nach Google und Youtube meistbesuchte Website in den USA. Woher kommt der Hype um die Trump-Anleihen? Viele der Käufer sind kleine Investoren, die entweder versuchen, den Ex-Präsidenten zu unterstützen oder von dem Kult um dessen Person zu profitieren.

Nach den Anschlägen von Moskau stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das Attentat auf das Regime Putins haben wird. Machen die Russinnen und Russen den Präsidenten dafür verantwortlich, sie nicht geschützt zu haben? Oder gelingt es Putin mit seiner Propaganda, das Volk noch mehr hinter sich zu versammeln? Momentan scheint Zweites wahrscheinlicher.

Die Journalistin Catherine Belton kennt das Netz der Superreichen rund um Putin hervorragend. Im Handelsblatt-Interview ist sie sich sicher, dass der russische Präsident das Versagen seiner Sicherheitsdienste beiseitewischen und stattdessen weiter auf die Ukraine und den Westen zeigen wird. Belton fürchtet, dass die Bevölkerung dieser Erzählung Glauben schenken wird.

Im vergangenen Sommer hätte es ein Momentum gegeben, um einen Reformprozess wie einst Glasnost und Perestroika anzustoßen. Zu dieser Zeit hatte Putin Cherson und Charkiw verloren, Söldnerführer Jewgeni Prigoschin beschwerte sich über die militärische Führung. Doch das alles habe sich geändert, sagt Bolten. Ihre Analyse der aktuellen Situation: „Der Westen liegt zappelnd auf dem Rücken, und der Ukraine geht die Munition aus. Putin hat einen Höhenflug, er hat es im Alleingang mit dem Westen aufgenommen.“ Lesen Sie hier das vollständige Interview.

Vielleicht haben Sie auch schon bemerkt, dass sich an Ihrem Lieblingsprodukt im Supermarkt etwas geändert hat? Frosta bietet Tiefkühlgerichte verstärkt in Beuteln aus Papier an. Flaschen der Persil-Flüssigwaschmittel wirken gräulicher, weil Henkel mehr recyceltes Plastik einsetzt. Längst ist der Trend zur wiederverwertbaren Hülle zur Pflicht geworden. Eine EU-Verordnung erhöht den Druck auf Konzerne, ihre Verpackungen nachhaltiger zu gestalten.

Doch eine Handelsblatt-Analyse der aktuellen Nachhaltigkeitsberichte zeigt, dass einige Hersteller noch weit von ihren Zielen entfernt sind. Die Umstellung auf wiederverwertbare Verpackung ist kompliziert und langwierig, weil Maschinen angepasst werden müssen und Rezyklat andere Eigenschaften als Neuplastik hat. Ein Grund für niedrige Quoten bei der Wiederverwertung liegt auch darin, dass Produkte oft nicht recycelbar gestaltet werden.

Denn oft werden etwa Deckel, Sprühköpfe oder Flaschenkörper wegen unterschiedlicher Anforderungen aus verschiedenen Plastikarten produziert. Doch auch bei vermeintlichen Rezyklaten ist Vorsicht geboten: Wird recyceltes Material aus China importiert, könnten Fälschungen mit Neuplastik darunter sein.

Wenn Sie für die Ostertage noch auf der Suche nach einem Thema sind, über das Sie intensiv nachdenken können, wenn alle Eier gefunden und alle Schokohasen verspeist sind, empfehle ich Ihnen die Kommentare meiner Kollegen Thomas Sigmund und Henrike Adamsen. Sie setzen sich in einem Pro und Contra mit der Frage auseinander, wie wichtig eigentlich immer mehr Wachstum ist – und ob die Politik es sich zum Ziel setzen sollte. Dabei geht es auch um die Frage, ob sich Klima- und Umweltschutz mit dem Wunsch nach mehr Wirtschaftswachstum vereinbaren lassen. Mein Vorschlag: Bilden Sie sich selbst eine Meinung.

Markus Söder herzt einen Plüsch-Panda. Foto: dpa

Zum Abschluss kehren wir noch mal zum Anfangsthema dieses Briefings zurück: starke Männer oder solche, die sich dafür halten. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist gerade auf einer kleinen Weltreise unterwegs. Er war in Jerusalem und Stockholm, aber besonders beeindruckt hat ihn wohl seine Reise nach China. Dort durfte er einen Pandabären aus Stoff küssen, Straßen wurden für seine Fahrzeugkolonne gesperrt. „Wir werden da quasi fast behandelt wie ein eigenständiger Staat“, schwärmte Söder.

Das sollte uns aufhorchen lassen. Wir dürfen gespannt sein, welche neuen Kooperationen Bayern mit den Chinesen in nächster Zeit in die Wege leitet. Denn das Problem mit starken Männern ist oft, dass sie manipulierbar werden, wenn man ihr Ego nur richtig umschmeichelt.

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Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes Osterfest. Ich melde mich am Osterdienstag wie gewohnt wieder bei Ihnen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre
Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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