Start-ups: Kreditplattform Gilion sammelt Millionen in Finanzierungsrunde ein
Frankfurt. Geldgeber stellen Start-ups bisher vor allem Eigenkapital bereit. Doch neben Beteiligungen über Wagniskapitalfonds (VC-Fonds) werden Kreditfinanzierungen immer wichtiger. Ein Beispiel ist Gilion: Die Plattform für Wachstumsfinanzierung hat in einer neuen Finanzierungsrunde nun Kapital in Höhe von zehn Millionen Euro eingesammelt.
Insgesamt hat Gilion bislang 40 Millionen Euro für den Aufbau seiner Plattform erhalten. Darüber vermittelt Gilion Darlehen an Start-ups. Deutschland-Chefin Mariam Koorang erklärt: „Wir bedienen auch Jungunternehmen, die oft nicht bankfähig sind, weil noch keine Gewinne erzielt werden.“ Dafür zahlen die Kreditnehmer derzeit etwa neun bis zwölf Prozent Zinsen, sagt die Managerin.
Gilion wird von Business-Angels und renommierten Top-Finanzmanagern wie der schwedischen Bankerin Annika Falkengren (ehemals CEO der schwedischen Bank SEB), dem ehemaligen Blackstone-Co-Chef John McCormick und dem deutschen Banker Frank Strauß unterstützt. Strauß ist ehemaliger Chef der Postbank und Konzernvorstand bei der Deutschen Bank.
Quelle: Unternehmensangaben
„Das Thema Fremdkapital steckt im Zusammenhang mit Start-ups noch in den Kinderschuhen. Das Start-up-Ökosystem ist zu stark auf Eigenkapital konzentriert“, erklärt Strauß im Gespräch mit dem Handelsblatt sein Engagement. Auf den deutschen Markt entfielen nur rund zehn Prozent des Kreditvolumens in Europa. Bislang waren die Kreditplattformen in Deutschland auf etablierte Mittelständler konzentriert. Zu den Anbietern zählen Fincompare, Teylor und Iwoca.
Laut Mariam Koorang hat die Plattform noch keine Forderungsausfälle zu verzeichnen. Verfügbar seien momentan rund 400 Millionen Euro, die überwiegend von schwedischen Banken stammten. Die traditionellen Kreditinstitute überlassen Gilion die Prüfung des Geschäftsmodells.
Finanziert werden auch Übernahmen
Die Nachfrage übersteigt bereits das Kapital: „Bislang haben wir Anfragen über rund 700 Millionen Euro allein aus Deutschland erhalten“, so Koorang. Wie viel bisher bewilligt und zugeteilt wurde, verraten die Gilion-Manager nicht.
Ein bekannter Kunde ist Beat 81(Fitness-Apps/Studios), hier soll ein einstelliger Millionenbetrag geflossen sein. Finanziert werden auch M&A-Transaktionen in der Konsolidierung der Start-ups, also Fusionen und Übernahmen.
Gilion ist seit März 2023 in Deutschland aktiv und bietet Technologieunternehmen Zugang zu Darlehen von 0,5 bis zu zehn Millionen Euro. Bis zu zwei Jahre sind tilgungsfrei, die Rückzahlungszeit beträgt bis zu sechs Jahren.
Positiv für eine Darlehensbewilligung durch Gilion an Start-ups und Wachstumsfirmen sind wiederkehrende Umsätze, etwa bei Software-Modellen. Die Firma sollte schon zwei Jahre existieren und mindestens eine Million Euro Umsatz erwirtschaften.
Einsatz von Künstlicher Intelligenz
Die wachsende Bedeutung von Krediten für Start-ups hängt auch mit dem schwieriger werdenden Umfeld für die Venture-Capital-Fonds zusammen, die Eigenkapital bereitstellen. Neue Fonds aufzulegen bereitet Probleme, wenn die Rückflüsse an die institutionellen Geldgeber für die Fonds ausbleiben.
Das Geschäftsklima auf dem deutschen VC-Markt konnte sich zuletzt nicht merklich erholen, die Investorenstimmung blieb zum Jahresende 2023 unterkühlt, konstatierte die Förderbank KfW.
Neben Kreditplattformen können junge Technologiefirmen als Alternative zum Eigenkapital auch auf Fremdkapitalfinanzierungen sogenannter Venture-Debt-Fonds zurückgreifen. Laut der Förderbank KfW wurden hier 2023 insgesamt 38 Finanzierungen mit einem Volumen von knapp einer Milliarde Euro in Deutschland bekannt.
Laut Gilion kommt im Geschäftsmodell bereits Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Mit der KI-basierten Plattform verbinde man Zahlungs-, Buchhaltungs- und Marketingsoftware von Gründern. Dadurch erhält Gilion einen Echtzeit-Zugang, der es ermöglicht, ein Cash-Prognosemodell für bis zu fünf Jahre zu erstellen.