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KI-BriefingKein Märchen aus 1001 Nacht – China und die KI von Abu Dhabi

Microsoft steigt bei einem mysteriösen Emirati ein, ein neues KI-Phone floppt im Test und eine Tiktok-Schwesterfirma löst die Matheaufgaben Ihrer Kinder. Die wichtigsten KI-News der Woche.Larissa Holzki 19.04.2024 - 15:51 Uhr
Roboter-Scheich: Die Emiratis entwickeln eigene KI – künftig in der Cloud von Microsoft. Foto: Michel Becker / Dall-E

Wenn Sie nur wenig Zeit haben, liebe Leserinnen und Leser,

dann rauf auf den fliegenden Teppich und hinein in die Cloud. Für die wichtigste KI-Nachricht der Woche unternehmen wir einen Kurztrip in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Dort hat Microsoft diese Woche einen großen Deal gelandet. Mit 1,5 Milliarden US-Dollar beteiligt sich der Technologiekonzern an G42, einem KI-Start-up mit Sitz in der Hauptstadt Abu Dhabi.

Warum das wichtig ist: Der Einstieg bei der emiratischen Firma ist mehr als ein gewöhnliches Start-up-Investment. Microsoft-Präsident Brad Smith sagte in einem Statement, sein Konzern sei „von der US-Regierung ermutigt worden, diesen Prozess voranzutreiben.“

Hintergrund sind offenbar geopolitische Interessen. Washington geht es darum, den eigenen Einfluss in der Region zu erhöhen – und zugleich Peking zurückzudrängen. Auf brisante Art und Weise steht G42 damit im Mittelpunkt eines Wettstreits der Technologieweltmächte.

Finanziert vom Staatsfonds Mubadala, entwickelt G42 praktisch alles rund um KI: vom Cloud-Computing über fahrerlose Autos bis zum Supercomputer. Fans von Douglas Adams und seinem Science-Fiction-Werk „Per Anhalter durch die Galaxis“ wird das nicht überraschen. In dem Buch ist „42“ die Antwort auf „die ultimative Frage des Lebens“.

International bekannt geworden ist G42 durch diverse internationale Partnerschaften, vor allem mit OpenAI. Firmenchef Peng Xiao und sein Team nutzen die Basistechnologie des ChatGPT-Entwicklers, um branchenspezifische KI-Anwendungen zu entwickeln, etwa für den Finanzsektor.

Doch Medienberichten zufolge sehen US-Geheimdienste eine Gefahr in solchen Kooperationen. Denn G42 setzt auch Komponenten von chinesischen Anbietern wie dem Telekomkonzern Huawei ein.

Könnten über diese Verbindungen US-amerikanisches Know-how und Daten abfließen? Fest steht in der geopolitischen Gemengelage: Wenn G42 gemeinsame Sache mit den Amerikanern machen will, müssen die Chinesen raus. Das sollen die US-Behörden in die Microsoft-Verträge diktiert haben.

Ebenfalls sicher ist, dass die USA strategische Pläne in den Emiraten haben, die weit über G42 hinausgehen. Laut Microsoft-Präsident Smith könnte Microsoft künftig eigene Anwendungen in Rechenzentren von G42 hosten. Dadurch werden für den US-Konzern manche Kunden in Afrika und Zentralasien überhaupt erst erreichbar.

Peng Xiao: der Chef von G42 Foto: ©Taidgh Barron/ZUMA Press Wire

Aufmerksame Leserinnen und Leser des KI-Briefings werden sich erinnern, dass auch OpenAI-Chef Sam Altman Interessen in den Vereinigten Arabischen Emiraten verfolgt. Dabei geht es um potenzielle Geldgeber für eine milliardenschwere Chipproduktion (Wir berichteten).

Wie es mit den KI-Eroberungsplänen der USA in den Emiraten weitergeht und welche Pläne die Scheichs dort selbst verfolgen, wird uns daher auch in den kommenden Wochen und Monaten beschäftigen.

Worüber die Szene spricht

Zukunft der Arbeit: Führt KI das Prinzip Stundenlohn ad absurdum? Foto: Max Brunnert, Getty Images

Ich denke, ich muss hier eines klarstellen: Mir ist egal, wie viele Stunden Sie Ihren Kunden in Rechnung stellen. Wenn Sie mit KI in fünf Minuten schaffen, wofür Sie bisher fünf Stunden brauchten und Sie dennoch Arbeit in gleichem Umfang abrechnen können – schön für Sie.

Es war reine Neugier, die mich vergangene Woche zu der Frage führte, ob Sie die gleiche Zahl an Stunden abrechnen, auch wenn ChatGPT jetzt die Arbeit macht. Bei dem einen oder anderen kam das offenbar anders an.

„Dass mir das Handelsblatt jetzt als Dienstleister erklären will, dass ich meine mit KI-Unterstützung erbrachte Leistung billiger verkaufen soll, empfinde ich als gewissen Treppenwitz“, schrieb mir ein angefasster Nutzer bei LinkedIn. Wenn bei Ihnen ein ähnlicher Eindruck entstanden ist: Verzeihung!

Die Debatte mit Ihnen hat mich seither jedenfalls deutlich weitergebracht. Zumindest unter den Leserinnen und Lesern dieses Newsletters und in meiner LinkedIn-Blase halten einige das Konzept des Stundenlohns so oder so für völlig überholt. Hier können Sie es nachlesen.

Trotzdem sind Menschenarbeitsstunden vielleicht sogar eine kluge Maßeinheit, um die Leistung von Bots zu vergleichen. Was mich zu dieser Überlegung führt, lesen Sie in einer neuen Folge meiner Holz-mit-KI-Kolumne.

Was Sie sonst noch wissen sollten

Sam Altman (links) und Satya Nadella gemeinsam auf der Bühne auf einer Entwicklerkonferenz. Foto: AP

1. OpenAI bietet KI-Experten bis zu zehn Millionen US-Dollar Jahresgehalt. Wie massiv der ChatGPT-Entwickler derzeit Fachkräfte umwirbt, bekommt unter anderem Elon Musk zu spüren. Der Tesla-Chef hat jüngst mehrere wichtige Mitarbeiter an OpenAI verloren und nun verkündet, die Gehälter seiner KI-Ingenieure anzuheben. Doch es ist nicht die Firma von CEO Sam Altman allein, die das Gehaltsniveau nach oben treibt. Luisa Bomke und Felix Holtermann berichten über einen Krieg um Talente, der bizarre Ausmaße annimmt.

2. Meta hat die mit Spannung erwartete neue Version von Llama veröffentlicht. Anzeichen von Bewusstsein oder völlig neue Fähigkeiten zeigt die neue Generation des Sprachmodells zwar nicht. Das kann aber auch nur diejenigen enttäuschen, die jüngste Andeutungen aus dem Facebookkonzern in diese Richtung überbewertet hatten. Anleger an der Börse jedenfalls reagierten positiv. Luisa Bomke und Felix Holtermann berichten, was Llama 3 kann und was nicht.

Humanes AI Pin: Seine Entwickler wollen das Smartphone ablösen. Foto: Humane

3. Wenn das die Zukunft des Smartphones sein soll, ist sie schlecht. Dank neuer KI-Technologien könnten winzig kleine Geräte bald unsere Smartphones ablösen. Viele Experten sind schon überzeugt: Eine Welt ohne Bildschirm, Touchscreen und sogar Apps ist möglich. Aber ist das auch sinnvoll? Ein prominenter Tester zweifelt. Der neue AI Pin von Humane sei das schlechteste Produkt, das er je getestet habe.

Fiktive Frau mit echten Fans: Clara Color Foto: Clara Color

4. Die Schöpfer der Fake-Frauen proben den Aufstand. Erst kürzlich haben wir hier über den Trend der KI-Models berichtet. Dabei geht es um Influencerinnen (es sind fast nur Frauen), die es eigentlich gar nicht gibt. Ihre Erschaffer (fast nur Männer) erzeugen die Charaktere mit Bildprogrammen wie Midjourney, um damit in sozialen Netzwerken wie ihre echten Vorbilder Geld zu verdienen. Doch jetzt plant der Instagram-Konzern Meta ein Wasserzeichen für KI-generierte Bilder – und gefährdet damit ein gerade erst entstehendes Geschäftsmodell, berichtet Sebastian Dalkowski. Ist das schon das Ende der schönen Illusion?

Grafik der Woche

Als Google 2017 mit dem ersten Transformer quasi das Ur-Modell aller KI-Sprachmodelle entwickelte, kostete das Training nur 930 Dollar. Heutige Modelle werden mit viel mehr Daten trainiert und brauchen daher ungeheuer viel Rechenleistung. Für das Training seines aktuellen Modells Gemini Ultra dürfte Google fast 200 Millionen US-Dollar ausgegeben haben.

Die Zahl geht aus dem neuen Stanford AI Index hervor, den das Institut für Human-Centered Artificial Intelligence (HAI) der Stanford University einmal im Jahr herausgibt.

Ausgeblendet haben wir hier übrigens, dass es auch einen gegenläufigen Trend gibt. Zunehmend setzen KI-Unternehmen auf sehr kleine Modelle, die besonders datensparsam und kosteneffizient sind. Weitere Zahlen und Statistiken, die uns besonders interessant erschienen, finden Sie hier.

Was wir lesen

Der KI-Boom bedroht die Energieversorgung. Gibt es genug Energie auf der Welt, um die neue Technologie auch anzuwenden? (Financial Times)

Google verschlankt seine Struktur, um bei KI-Entwicklung schneller zu werden. Deepmind-Gründer Demis Hassabis führt künftig alle  Entwickler von KI-Modellen. (Financial Times)

Adobe hat sein KI-Bildprogramm Firefly mit Bildern des Konkurrenten Midjourney trainiert. Das ist umso absurder, weil die Firma damit wirbt, keine Urheberrechte zu verletzen. (Bloomberg)

Wer Menschen ungefragt zum Pornostar macht, muss ins Gefängnis. Ein neues Gesetz in Großbritannien soll sexualisierte Deepfakes unter Strafe stellen. (BBC)

Humane AI sammelte 230 Millionen US-Dollar ein, bevor es das erste Produkt verkaufte. Die Kollegen von Techcrunch haben sich die Firma hinter dem AI Pin nochmal genauer angeschaut. (Techcrunch)

Die Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz dürfte bald eine Reihe von KI-Investments tätigen. Der renommierte US-Risikokapitalgeber hat einen neuen Milliarden-Fonds aufgelegt. (Financial Times)

Eine kleine Karibikinsel ist mit dem Hype um KI reich geworden. Dahinter steckt verdammt viel Glück mit einem Kürzel. (NTV)

Handelsblatt KI-Community

KI-Experte Hamidreza Hosseini Foto: Marc Hergenröder

Wie lässt sich der Arbeitsalltag mit KI-Assistenten wie Copilot und Co. effektiv nutzen? Darum geht es am kommenden Dienstag, 23. April, in einem zweistündigen Intensivseminar, das das Handelsblatt in Kooperation mit der Beratung Ecodynamics ausrichtet.

Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der generativen KI zeigt Seminarleiter Hamidreza Hosseini, welche Funktionen der KI-Assistent von Microsoft bietet und wie sie ihn richtig einsetzen.

Im Anschluss an das Onlinetraining erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Abschluss-Zertifikat. Weitere Informationen und wie Sie sich anmelden können, erfahren Sie hier.

Kennen Sie schon...?

Langdock-Gründer (v.l.): Lennard Schmidt, Jonas Beisswenger und Tobias Kemkes Foto: Langdock

Wer sind die Gründer von Langdock? Lennard Schmidt, Jonas Beisswenger und Tobias Kemkes. Sie haben eine Plattform entwickelt, auf der Kunden zwischen KI-Modellen verschiedener Anbieter wählen und diese datensicher in ihren Unternehmen implementieren können.

Wo kommen sie her? Aus der renommierten Start-up-Schmiede Y-Combinator in Kalifornien, die zeitweise von einem gewissen Sam Altman geleitet wurde. Firmensitz von Langdock ist aber Berlin.

Was haben sie vor? Mit Firmen wie dem Pharmakonzern Merck und der Reiseplattform Getyourguide sind erste Kunden gefunden. Jetzt muss Langdock Personal aufbauen. Dafür haben die Gründer drei Millionen US-Dollar eingesammelt, wie das Handelsblatt zuerst erfuhr. An der Finanzierungsrunde beteiligen sich neben Y-Combinator unter anderem die Wagniskapitalgeber General Catalyst und La Famiglia.

Das sollten Sie ausprobieren

Gauth: Die Schwester-Firma von Tiktok hilft bei Matheaufgaben. Foto: Montage: HB/Gauth

Solche Apps hätten sich viele meiner Kolleginnen schon zu ihrer Schulzeit gewünscht. Das jedenfalls habe ich diese Woche mehrfach gehört, als ich in der Redaktion von einem neuen Trend berichtete: KI-Bots für Mathe. In der Annahme, dass es Ihnen und Ihren Kindern auch so geht, hat Lisa Oder deshalb das Programm Gauth getestet.

Mit der App können Schülerinnen und Schüler etwa Mathe- oder Chemieaufgaben fotografieren und mittels KI schrittweise lösen lassen. Das könnte auch Ihre Nerven schonen, wenn Sie als Hausaufgabenhilfe spätestens bei Schulmathematik in Klassenstufe sieben raus sind.

Interessanterweise steckt hinter der App die chinesische Firma Bytedance, deren Social-Media-App Tiktok sich wahrscheinlich bereits auf den Schüler-Smartphones befindet. Sobald Sie auch Gauth aus dem App Store von Apple oder dem Google Play Store heruntergeladen haben, können Sie loslegen.

Auf dem Startbildschirm wählen Sie zwischen Fächern wie Mathe, Physik, Chemie, Literatur und Geschichte. Lisa wollte wissen, ob Gauth eine Hilfe bei Formeln der Analysis ist und hat dazu ihre Cousine gebeten, Beispielaufgaben aus der zehnten Klasse rauszusuchen. Was für die einen nur ein Abschnitt im Mathebuch ist, bezeichnen die anderen lieber als dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit.

In der App können Sie entweder direkt ein Foto der zu lösenden Aufgabe aufnehmen oder ein Foto aus der Galerie auf ihrem Gerät auswählen. Anschließend rät die App dazu, das Bild auf eine einzelne Aufgabe zuzuschneiden. Das lässt sich nicht immer umsetzen, denn die meisten Schulbücher haben mehrere Teilaufgaben nebeneinander aufgelistet.

Das stellt für Gauth aber auch kein großes Problem dar. In Lisas Test gelang es der App, gleich drei Funktionen auf einmal korrekt abzuleiten und die jeweiligen Regeln zu erklären. Bei einer anderen Aufgabe liefert die App zwar eine richtige Lösung. Sie wendet dafür allerdings nicht den geforderten Lösungsweg an. Bei den meisten Mathelehrerinnen und Mathelehrern dürften ihre Kinder damit also nicht durchkommen.

Fazit: Wer in Mathe auf dem Schlauch steht, kann sich von der App auf die Sprünge helfen lassen oder seine Ergebnisse vergleichen. Zu hundert Prozent sollten Sie und Ihre Kinder sich allerdings nicht auf die Ergebnisse verlassen.

PS: Wenn Sie für die Hausaufgabenhilfe schon eine andere Lieblings-App haben, teilen Sie gerne Ihre Tipps mit uns!

Wo Sie uns hören

Diese Woche bei Handelsblatt Disrupt: KI-Expertin Doris Weßels Foto: Andreas Diekötter / FH Kiel

Dieser Vertretungsjob ist mir immer wieder eine Freude: Für eine neue Folge von Handelsblatt Disrupt hat mir unser Chefredakteur Sebastian Matthes diese Woche einmal mehr sein Mikro überlassen.

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In dem Podcast spreche ich mit der Wirtschaftsinformatik-Professorin Doris Weßels. Sie ist für mich DIE Expertin für Künstliche Intelligenz beim Lehren und Lernen. Schon lange vor der Veröffentlichung von ChatGPT hat sie erforscht, wie Studierende KI beim akademischen Schreiben einsetzen – und damit ihre Professoren täuschen können.

Warum sie den Einsatz von Künstlicher Intelligenz an der Hochschule heute fördert, wie sie eine familieninterne Forschungsgruppe gegründet hat und welche KI-Tools sie empfiehlt, das alles hören Sie in der neuen Folge unseres Podcasts. Hören Sie gern rein!

Das war das KI-Briefing Nummer 34. Mitarbeit: Luisa Bomke, Lisa Oder, Hendrik Wünsche (Grafik). Dank an dieser Stelle auch an Hannah Ruscheweyh für die Unterstützung bei Disrupt. Wenn Sie auch nächste Woche wieder mitlesen wollen, abonnieren Sie das KI-Briefing am besten direkt als Newsletter.

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