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GoldWelche Faktoren hinter der verblüffenden Rally stecken

Der Branchenverband World Gold Council (WGC) hat Nachfragedaten für das erste Quartal veröffentlicht. Nicht nur Zentralbanken und chinesische Anleger haben die Rekordjagd ausgelöst.Judith Henke 30.04.2024 - 08:09 Uhr
Die Goldkäufe der Zentralbanken waren im ersten Quartal so hoch wie noch nie zuvor in einem ersten Quartal. Foto: picture alliance / Zoonar

Frankfurt. Es ist eine Zahl, die Marktbeobachter überraschen dürfte: Die globale Goldnachfrage ist im ersten Quartal um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, wie Zahlen des Branchenverbands World Gold Council (WGC) zeigen. Und das, obwohl das Edelmetall im März zu einer beispiellosen Rekordjagd ansetzte und gleich sechsmal innerhalb eines Monats ein neues Allzeithoch markierte.

Doch das WGC liefert noch eine weitere Zahl, die zumindest einen Teil der Rally erklären könnte.

Denn rechnet man die sogenannte Over-the-Counter (OTC)-Nachfrage dazu, ist die Goldnachfrage weltweit sogar um drei Prozent gestiegen, auf 1238 Tonnen. Somit waren die ersten drei Monate dieses Jahres das stärkste erste Quartal seit 2016.

Mit der OTC-Nachfrage sind Goldgeschäfte gemeint, die vermögende Einzelinvestoren und Family-Offices bilateral mit den Banken abwickeln. Diese Transaktionen, bei denen es oft um sehr große, 12,5 Kilogramm schwere Goldbarren geht, sind für die Statistiker des WGC unsichtbar. Sie können ihr Volumen nur anhand bestimmter Parameter, etwa Long-Positionen an den Terminmärkten, abschätzen.

Der größte Teil dieser OTC-Nachfrage stammt aus Südostasien und der Türkei, so WGC-Chefmarktstratege John Reade. Aber ein Teil der Transaktionen komme auch von westlichen vermögenden Einzelpersonen und Family-Offices.

Diese würden Gold nicht kaufen, um kurz- oder mittelfristig Gewinne zu machen, sondern, um ihr Vermögen abzusichern. „Diese Käufer sorgen sich um die Stabilität von Währungen wie dem US-Dollar sowie um die steigenden Haushaltsdefizite von Staaten wie den USA“, sagt er. 

Die im Vergleich zum ersten Quartal 2023 um 220 Prozent gestiegene OTC-Nachfrage erklärt allerdings nur einen Teil der Rekordjagd. Reade zufolge seien die Preissteigerungen im März vor allem von spekulativen, kurzfristig orientierten Investoren ausgelöst worden, die an der New Yorker Terminbörse Comex mit Gold-Futures auf das Edelmetall gewettet haben.

Spekulanten treiben Goldpreis

Kurz bevor Gold am 5. März seine Rekordjagd begann und zum ersten Mal ein neues Allzeithoch markierte, stieg laut Daten der Comex-Muttergesellschaft CME das Volumen der Long-Positionen, die Vermögensverwalter in der Hoffnung auf steigende Preise eingingen, um rund 40 Prozent. Eine Woche später nahmen sie noch mal um rund 20 Prozent zu.

Futures sind Termingeschäfte: Der Verkäufer verpflichtet sich vertraglich dazu, eine bestimmte Menge des Rohstoffs zu einem vorab vereinbarten Termin und Preis an die Käuferin zu liefern. Und die Käuferin verpflichtet sich ihrerseits, die Ware abzunehmen.

Die chinesische Zentralbank hat allein im ersten Quartal 27 Tonnen Gold erworben.  Foto: dpa

Die Stärke von Gold, die die kurzfristigen Investoren auf den Plan gerufen habe, sei die Folge einer tatsächlich bestehenden starken Nachfrage nach Gold, betont Reade.

Erneut bricht Zentralbanknachfrage nach Gold Rekorde

Er verweist auf die Goldkäufe der Zentralbanken. Diese lagen im ersten Quartal bei fast 290 Tonnen und somit rund ein Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, was bemerkenswert ist, da 2022 und 2023 Rekordjahre für Zentralbankkäufe waren. Seit Beginn der Aufzeichnungen des WGC gab es kein erstes Quartal, in dem die Notenbanken mehr Gold nachgefragt haben.

Die People's Bank of China hat in den ersten drei Monaten des Jahres ihren Reserven insgesamt 27 Tonnen Gold hinzugefügt, die türkische Zentralbank kaufte sogar 30 Tonnen. Indiens Notenbank fragte im ersten Quartal 19 Tonnen Gold nach, drei Tonnen mehr als im gesamten Vorjahr.

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Mit den Goldkäufen wollen sich die Zentralbanken der Schwellenländer auch gegen Sanktionen absichern. Denn über Gold können sie selbst im Fall von Sanktionen weiter frei verfügen. Reade sieht aber auch die verstärkte Inflation nach der Pandemie als einen Grund für die Rekordnachfrage.

Auch Anleger wollen sich mit Gold unter anderem gegen die Inflation absichern. Allerdings gibt es bei der Nachfrage nach Barren und Münzen große Unterschiede zwischen Asien und dem Westen.

Während die Nachfrage der chinesischen Anleger um 68 Prozent auf 110 Tonnen nach oben sprang (der höchste Quartalswert seit mehr als sieben Jahren), sah die Situation in den USA und Europa anders aus.

Deutsche kaufen 48 Prozent weniger Gold

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Viele Anleger verkauften Barren und Münzen und nahmen so Gewinne mit. In Deutschland sank die Nachfrage im ersten Quartal unterm Strich um rund 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

„In den letzten zwei Jahren ist die Nachfrage aus Schwellenländern wichtiger und die westliche Nachfrage weniger wichtig für den Goldpreis geworden“, betont Reade. Das mache sich auch daran bemerkbar, dass der Goldpreis gestiegen sei, obwohl mit Gold gedeckte ETFs im ersten Quartal Abflüsse von fast 114 Tonnen verzeichnet haben. Westliche Investoren dürften erst wieder auf den Goldmarkt zurückkehren, wenn die Zinsen sinken, schätzt Reade.

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