Arbeit: Wie viel die Deutschen wirklich arbeiten – und warum das zu wenig ist
Es gibt in diesem chronisch aufgewühlten und streitlustigen Land ein Thema, bei dem erstaunliche Einigkeit herrscht. Eine große Koalition der ökonomischen Vernunft, wenn man so will. Und das ist die Frage: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
Da schlagen vom Arbeitgeberpräsidenten („Deutschland diskutiert zu wenig über den Wert von Arbeit“) über den CDU-Chef („Deutschland braucht Lust auf mehr Leistung“), seinen sächsischen Ministerpräsidenten („40-Stunden-Woche für alle“) bis zum grünen Vizekanzler (Es müssen „mehr Menschen freiwillig mehr und länger arbeiten“) alle einen ähnlichen Ton an.
Und doch polarisiert diese Frage stärker, als dieser Konsens es nahelegt. Denn der großen Koalition der Leistungswilligen gegenüber steht ein Mann, der für dieses Thema nicht ganz unwichtig ist: Olaf Scholz. Der Bundeskanzler warnte kürzlich zum Tag der Arbeit am 1. Mai davor, die Arbeitszeitdebatte weiterzuverfolgen: „Es ärgert mich, wenn manche abschätzig vom Freizeitpark Deutschland reden.“
Nun mag der Kanzler angesichts der Phalanx aus Ökonomen, Unternehmerinnen, Managern und Politikern relativ alleine dastehen. Doch so ist es nicht. Scholz, und das macht das Thema so polarisierend, weiß eine Mehrheit der Deutschen hinter sich.