Private Equity: Privatbank sieht trotz Rückschlags zweistellige Renditen
Frankfurt. Die Private-Equity-Branche, die ihr Geschäft mit außerbörslichen Beteiligungen macht, stellt sich auf schwierigere Zeiten ein. Die Investoren müssten künftig mit niedrigeren Renditen rechnen, erklären die Geldmanager der Privatbank Pictet. Und Thomas Weinmann, der die Branche seit Jahrzehnten kennt und Chef des Anbieters Reia Capital ist, erwartet nach dem Boom der vergangenen Jahre eine Marktbereinigung im Private-Equity-Markt.
„Viele Investments aus der Zeit von 2020 bis Mitte 2022 werden sich nur schwer rechnen, weil die damaligen Kaufpreise und Bewertungen zu hoch waren“, glaubt Weinmann. Das gelte vor allem für die sogenannten Large Buyout Funds, die Konzerne übernahmen und dafür auch relativ viele Kreditfinanzierungen einsetzen. Insgesamt werde die Branche „ehrlicher“ werden, auch bei den Angaben über die Performance.
Private-Equity-Fonds kaufen Konzernteile oder Mittelständler, optimieren sie über mehrere Jahre und verkaufen sie dann in der Regel zu einem höheren Preis weiter oder bringen sie an die Börse.
Fonds ohne klare Positionierung beziehungsweise Branchenfokus mit mittelmäßiger Performance erhalten laut Weinmann im aktuellen Marktumfeld von institutionellen Investoren wenige oder keine neuen Gelder. Dies hänge damit zusammen, dass Pensionskassen und Versicherer aktuell aufgrund niedriger Rückflüsse aus den Bestandsinvestments nur noch sehr selektiv investieren könnten.
Diese Art von Marktbereinigung sehe man insbesondere im Segment der „Mid Cap Fonds“ ab einer Milliarde Fondsvolumen. Man sehe andererseits vor allem bei den Fonds, die sich an kleinen und mittelgroßen Firmen beteiligen, sehr gute Renditechancen. In diesem Segment investiert auch Reia. Das Ziel für den neuen Dachfonds sind 100 Millionen Euro bis Mitte 2025.
Die Reia-Fonds investieren in einzelne europäische Private-Equity-Fonds mit einem Volumen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Euro. Am Ende soll der erste Dachfonds in rund zehn Zielfonds beziehungsweise etwa 100 Unternehmen investiert sein.
Private Equity: Stimmung in der Branche bessert sich langsam
Auch die Geldmanager der Privatbank Pictet gehen davon aus, dass für die erfolgsverwöhnten Anbieter und Anleger von Private Equity eine neue Ära beginnt. Die Kredite für Übernahmen hätten sich nämlich verteuert, und die Fusionen und Übernahmen würden nach dem Einbruch voraussichtlich 2024 wieder zunehmen.
„Vor diesem Hintergrund erwarten wir zukünftig geringere Renditen für Private Equity“, sagte David Maréchal, Experte für alternative Anlagen bei Pictet, in Frankfurt. Von 2009 bis 2018 hätten die Private-Equity-Manager im Schnitt eine Rendite von 21 Prozent erzielt, das werde nicht mehr erreichbar sein. Eher könne man sich am Zeitraum von 2001 bis 2008 orientieren, als die Rendite im Durchschnitt bei 16 Prozent gelegen hatte.
Weil die Anlagen lange gebunden sind, sollte die Prämie für diese Illiquidität auch zukünftig bei drei bis fünf Prozentpunkten über der Aktienrendite liegen, meint Maréchal. Pictet bietet Private-Equity-Produkte für reiche Privatanleger an, die mindestens 250.000 Euro investieren müssen. Der Anteil an der gesamten Vermögensaufteilung liegt im Mittel bei 20 bis 30 Prozent.
KfW-Index steigt, liegt aber noch im negativen Bereich
Die Stimmung der Private-Equity-Investoren hat sich im bisherigen Jahresverlauf weiter gebessert. Das zeigt der Geschäftsklimaindex der Förderbank KfW und des Branchenverbands BVK. Der entsprechende Indikator stieg im ersten Quartal um mehrere Punkte, blieb aber noch im negativen Bereich.
Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, gibt eine positive Einschätzung zu den Daten ab. „Das Geschäftsklima auf dem deutschen Private-Equity-Markt bleibt auf Erholungskurs, nach den Zugewinnen der letzten Quartale steht die Klimaampel kurz davor, auf Gelb zu springen.“ Die Klimaampel teilt die Werte in drei Kategorien ein: Werte im schlechtesten Drittel sind „rot“, im mittleren Drittel „gelb“ und im besten Wertedrittel „grün“. Die Investoren sind mit den Einstiegsbewertungen auch im ersten Quartal zufrieden, das Exitklima zieht an.
Investoren blicken positiv auf künftige Deals
Ein merklicher Stimmungsaufschwung bei der Investitionsbereitschaft dagegen bleibt aus. Auch die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage liegt deutlich unter dem Durchschnitt.
Die erwartete Geschäftsentwicklung jedoch ist überdurchschnittlich. Das bedeutet: Die Mehrheit der Investoren blickt positiv auf die Investitionstätigkeit im Laufe des Jahres, obwohl sie mit der aktuellen und erwarteten Deal-Pipeline eher unzufrieden sind.
Ulrike Hinrichs, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BVK, sagt: „Sollte die Zinswende kommen, dürfte dies das entscheidende Signal für eine breite Markterholung bei Private Equity sein. Die Investitionsbereitschaft ist da und die Bewertungen immer noch attraktiv trotz Rekordständen an der Börse.“