VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden: Aufseher ermitteln gegen Wirtschaftsprüfer der „Effenberg-Bank“
Düsseldorf. Die Wirtschaftsprüfer der Volks- und Raiffeisenbank Bad Salzungen Schmalkalden stehen im Verdacht, ihre Aufgaben nicht erfüllt zu haben. Nach Informationen des Handelsblatts ermittelt die Aufsichtsbehörde Apas im Umfeld des Prüfungsinstituts PDG aus Erfurt. Dies hat Jahresabschlüsse der VR-Bank seit Jahren für einwandfrei befunden.
Die VR-Bank ist unter dem Namen „Effenberg-Bank“ bekannt, weil sie 2018 den ehemaligen Nationalspieler Stefan Effenberg für ihr Geschäft mit Fußballfinanzierungen einstellte. 2023 verdichteten sich die Hinweise auf eine akute Schieflage, vor allem wegen des Immobiliengeschäfts. Im November 2023 traten zwei von drei Vorständen zurück, darunter der Bankchef Stefan Siebert. Auch die Aufsichtsräte legten ihre Mandate nieder. Die Bundesfinanzaufsicht entsandte zwei Sonderbeauftragte in den Vorstand und den Aufsichtsrat, um sich ein Bild der Krise zu verschaffen.
Bei einer außerordentlichen Generalversammlung Ende März meldeten die Krisenmanager ihren Befund. Die Bank habe 280 Millionen Euro Verluste angehäuft und könne nur mithilfe der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Volksbanken und Raiffeisenbanken überleben. Es habe bei der VR-Bank in der Vergangenheit „in erheblichem Ausmaß Scheingewinne, Bilanzkosmetik und hochriskante Geschäfte“ gegeben. Mehrere Jahresabschlüsse seien falsch.
Damit sind nicht nur die Verantwortlichen der Bank in Erklärungsnot, sondern auch die Wirtschaftsprüfer. Für sie ist die Aufsichtsbehörde Apas zuständig – und wird nun tätig. „Die Apas hat ein Berufsaufsichtsverfahren im Zusammenhang mit den Prüfungen der Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2020, 2021 und 2022 der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eingeleitet“, bestätigte ein Sprecher. Zu Details könne er wegen Verschwiegenheitspflichten nichts sagen. Informierte Kreise berichten, dass das Verfahren auch auf Initiative der Bafin eingeleitet wurde.
Der PDG wurde 2006 als Genossenschaftlicher Prüfungsverband e.V. in Erfurt gegründet. Im Vorstand sitzen unter anderem Jörg Dersch und Matthias Veit, die beide selbst an Prüfungen der Jahresabschlüsse der Effenberg-Bank beteiligt waren. Auf Fragen zu dieser Arbeit und zu den Ermittlungen der Aufsichtsbehörde antwortete der dritte Vorstand der PDG, Tobias Kylian, dass er und seine Kollegen „berufsrechtlich der Verschwiegenheit unterliegen und zu internen Angelegenheiten keine Auskünfte erteilen“.
Das passt ins Bild: Als sich auf der Generalversammlung PDG-Prüfer Dersch erklären wollte, war ihm seine Nervosität anzumerken. Er habe die Abschlüsse mit Sorgfalt geprüft, sagte Dersch den versammelten Genossen. Nach Ende seiner Rede stolperte er beinahe von der Bühne.
Bankbilanzen laut PDG in bester Ordnung
Vor zwei Jahren war sich der PDG sicher, dass bei der Effenberg-Bank alles in Ordnung sei. Ihr Jahresabschluss entspreche „in allen wesentlichen Belangen den handelsrechtlichen Vorschriften“, versicherten die PDG-Prüfer mit ihrer Unterschrift am 31. Mai 2022. Die Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung der Bank seien „zutreffend dargestellt“.
Die Sicherheit, so erklärten die Wirtschaftsprüfer, sei das Ergebnis einer genauen Analyse und bestimmter Prinzipien. „Während der Prüfung üben wir pflichtgemäßes Ermessen aus und bewahren eine kritische Grundhaltung“, schrieben sie in ihrem Bericht zur Effenberg-Bank. Zur Überprüfung der Angaben hätten sie „analytische Prüfungshandlungen durchgeführt, um auch Kreditengagements zu identifizieren, bei denen es Anhaltspunkte für ein akutes Ausfallrisiko gibt“.
Nach all der Arbeit stempelten die Wirtschaftsprüfer der PDG den Jahresabschluss der VR-Bank 2021 ab, so wie schon 2020, 2019 und in den Vorjahren. In den Jahresabschlüssen der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden steht, dass PDG-Mitarbeiter neben der Abschlussprüfung verschiedene weitere Dienstleistungen für diesen Kunden erbrachten. In seinen Transparenzberichten der letzten Jahre nennt der PDG nur ein einziges Prüfungsmandat für ein Unternehmen von öffentlichem Interesse: die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden.
Laut Eigenangabe bietet der PDG „qualitativ hochwertige Leistungen zu wettbewerbsfähigen Honoraren“. Dies steht nun infrage. Die Aufsichtsbehörde Apas prüft, ob die PDG-Prüfer gegen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Prüferpflichten verstoßen haben, als sie ihr Testat für die Effenberg-Bank erteilten.
Bis vor wenigen Jahren war die Apas allenfalls Insidern ein Begriff. Das änderte sich mit dem Bilanzskandal beim Zahlungsdienstleister Wirecard. Dort hatte die Prüfungsgesellschaft EY jahrelang die Bilanzen geprüft, ohne zu erkennen, dass angebliche Milliardenguthaben und Geschäfte mit Vermittlern gar nicht existierten.
Nach einer Prüfung verhängte die Apas drastische Strafen gegen EY: eine Geldbuße in Höhe einer halben Million Euro, außerdem durfte EY zwei Jahre keine neuen Prüfungsmandate von börsennotierten Unternehmen annehmen. Auch einzelne Prüfer mussten Strafen zahlen. Manche sahen sich unter dem Druck der Apas gezwungen, ihre Zulassung zurückzugeben.