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MSCI ACWIWelcher ist der beste ACWI-ETF?

Mit einem ETF auf den MSCI ACWI können Sie in Tausende Aktien investieren. Zwei Experten erklären, ob sich der Weltindex für ein Ein-ETF-Portfolio eignet und wie Sie den passenden Fonds finden.Kai Thomas 29.07.2024 - 16:07 Uhr Artikel anhören
Gerade beim Thema ETF-Auswahl tun sich viele Anleger schwer. Foto: E+/Getty Images

Düsseldorf. Weltmarkt-ETFs sind Bestseller: Mit ihrer Hilfe können Anlegerinnen und Anleger mit geringen Kosten rund um den Globus in Aktien investieren. Vor allem Fonds auf die Indizes MSCI World und den FTSE All-World sind gefragt, wie zuletzt eine Handelsblatt-Befragung bei Online-Brokern zeigte.

Eine weniger bekannte Alternative zu den beiden Weltindizes: der MSCI ACWI. Das Kürzel steht für All Country World Index. Auch ihn können Privatinvestoren über börsengehandelte Indexfonds (ETFs) besparen.

Welche Vorteile bietet der ACWI-Index? Für welche Anleger ist er besonders interessant? Das Handelsblatt hat mit den Experten Gerd Kommer und Jannes Lorenzen gesprochen, wie sich der Weltindex im Detail von den anderen unterscheidet, ob er sich für eine Ein-ETF-Portfoliostrategie eignet, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten und welche Indexfonds infrage kommen.

Was ist der MSCI ACWI?

Der MSCI ACWI ist ein Aktienindex, der die Wertentwicklung von Unternehmen weltweit abbildet. Direkt in den MSCI ACWI investieren können Anlegerinnen und Anleger nicht, aber in Indexfonds, die ihn in ihrer Zusammensetzung abbilden.

MSCI ist der Name des US-Finanzdienstleisters (ehemals Morgan Stanley Capital International), der den Index betreibt. ACWI steht für All Country World Index.

Der MSCI ACWI kombiniert den MSCI World mit dem MSCI Emerging Markets (MSCI EM). Er umfasst 23 Industrieländer und 24 Schwellenländer. Zu Letzteren zählen China, Indien, Brasilien und Peru.

Für wen eignet sich ein MSCI-ACWI-ETF?

Gerd Kommer ist Autor zahlreicher Bestseller zum Thema Geldanlage mit ETFs. Foto: Gerd Kommer Invest

ETFs auf den MSCI ACWI gelten als einfacher Weg, in die Weltwirtschaft zu investieren. Vermögensverwalter Gerd Kommer empfiehlt sie allen, „die erkannt haben, dass Aktien die langfristig ertragreichste aller Anlageklassen sind“.

Jannes Lorenzen, Geschäftsführer der Vergleichsplattform JustETF, findet, dass sich ETFs auf den MSCI ACWI für all jene eignen, die „möglichst schnell, möglichst einfach Zugang zum weltweiten Aktienmarkt haben möchten“. Auch Einsteiger erzielen ihm zufolge über nur einen einzelnen ACWI-ETF nahezu die breitestmögliche Risikostreuung.

ETF-Sparplan auf den MSCI ACWI: Das empfiehlt Gerd Kommer Einsteigern

„Im Kern reicht ein Sparplan auf einen ACWI-ETF im Grunde schon aus“, sagt Lorenzen. Viele Anleger würden gerne weitere ETFs ins Depot dazunehmen, dabei investierten sie über einen einzelnen ACWI-ETF schon ausreichend in die Weltwirtschaft.

Für junge Menschen, die beginnen, Vermögen aufzubauen, genügt Gerd Kommer zufolge bereits ein einziger ACWI-ETF. „Im Falle eines Sparplans ist das Risiko eines ACWI-ETFs allein deswegen gering, weil die absolute Summe gering ist, die in den ersten Jahren investiert wird“, erklärt der Investmentbanker. Anleger sollten dabei aber jedes Jahr nur Geld investieren, das sie nicht in den fünf folgenden Jahren für Konsum oder andere Zwecke benötigen.

Kommer empfiehlt Einsteigern außerdem, eine Reserve von drei bis zwölf monatlichen Haushaltsausgaben auf einem Tagesgeldkonto aufzubauen – und erst danach langfristig in ETFs zu investieren.

Was bildet der MSCI ACWI ab?

Der MSCI ACWI umfasst 2.837 Aktien großer und mittelgroßer Unternehmen aus 23 Industrieländern und 24 Schwellenländern (Stand: Juni 2024). Der Index deckt nach MSCI-Angaben etwa 85 Prozent des weltweiten investierbaren Aktienangebots ab. MSCI legt jedes Jahr neu fest, wie sich der Index zusammensetzt, welches Land als Industrie- und welches als Schwellenland gilt. Auf dem ACWI beruhende ETFs bilden auch diese Änderungen ab.

Mit 63,8 Prozent stammen mehr als die Hälfte der Aktien im ACWI aus den USA. Zweitgrößte Nation im Index ist Japan (5,3 Prozent), gefolgt von Großbritannien (3,6 Prozent), Frankreich (2,8 Prozent) und Kanada (2,7 Prozent). Aus weiteren Ländern, darunter auch Deutschland und den Schwellenländern, stammen 21,8 Prozent der vertretenen Unternehmen.

Am stärksten vertreten sind Firmen aus dem Bereich Informationstechnologie mit rund 24 Prozent. Unternehmen aus dem Bereich Finanzen stellen 16 Prozent der Aktien. Aus dem Bereich Gesundheit stammen elf Prozent, aus dem Sektor Nicht-Basiskonsumgüter zehn Prozent und aus der Industrie elf Prozent (Stand: Juni 2024).

Welche Aktien sind im MSCI ACWI?

Die Aktien im MSCI ACWI haben eine Marktkapitalisierung von insgesamt rund 72,3 Billionen Dollar. Im Durchschnitt beträgt sie pro Unternehmen 25,5 Milliarden Dollar, im Median 6,3 Milliarden Dollar. Die zehn Aktien mit dem größten Anteil sind (Stand: Juni 2024):

  1. Microsoft mit 4,05 Prozent
  2. Apple mit 3,90 Prozent
  3. Nvidia mit 3,74 Prozent
  4. Amazon mit 2,27 Prozent
  5. Meta Platforms mit 1,43 Prozent
  6. Alphabet A mit 1,24 Prozent
  7. Alphabet C mit 1,24 Prozent
  8. Eli Lilly mit 0,91 Prozent
  9. TSMC mit 0,86 Prozent
  10. Broadcom mit 0,82 Prozent

Wie unterscheiden sich MSCI ACWI und MSCI ACWI IMI?

Das Kürzel IMI steht für Investable Market Index. Neben großen und mittelgroßen Firmen (Large und Mid Caps) aus Industrie- und Schwellenländern wie im klassischen ACWI umfasst der ACWI IMI zusätzlich auch Aktien mit geringer Marktkapitalisierung (Small Caps).

„Der Einschluss von Small Caps bedeutet eine verbesserte Diversifikation“, erklärt Gerd Kommer. Ein ETF auf den ACWI IMI oder auch FTSE All-World bilde ein „Welt-AG-Investment“ daher idealer als der klassische ACWI ab. Small Caps hatten ihm zufolge zudem global und auf sehr lange Sicht etwas höhere Renditen als Large Caps.

Der ACWI IMI umfasst nach MSCI-Angaben mehr als 9.000 Unternehmen aus 47 Ländern und deckt nahezu 100 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ab. Beim klassischen ACWI sind es mit 2837 Firmen bereits 85 Prozent (Stand: Juni 2024).

Wie viel Emerging Markets steckt im ACWI?

Der klassische ACWI deckt laut MSCI derzeit rund 10,3 Prozent Unternehmen aus den sogenannten Emerging Markets ab (Stand: Mai 2024). Am stärksten sind Aktien aus den Schwellenländern China mit 2,8 Prozent, Indien und Taiwan mit jeweils 1,8 Prozent, Südkorea mit 1,3 Prozent und Brasilien mit 0,5 Prozent vertreten.

Der ACWI IMI erfasst etwas weniger Emerging Markets. In ihm sind nur 9,1 Prozent der Unternehmen aus Schwellenländern (Stand: September 2023). Der Anteil an Aktien aus China macht hier 2,4 Prozent aus, der aus Indien zwei Prozent, der aus Südkorea 1,3 Prozent und der aus Taiwan 1,9 Prozent.

Wann schüttet der MSCI ACWI aus?

Derzeit können Anleger in Deutschland nur MSCI-ACWI-ETFs kaufen, die keine Dividende ausschütten. Diese sogenannten thesaurierenden ETFs reinvestieren die erzielte Rendite wieder automatisch.

„Thesaurierend ist besser, wenn man loslegt, Vermögen aufbauen will und das Geld nicht braucht, sondern wirklich netto sparen möchte“, sagt Jannes Lorenzen von JustETF. In der Praxis sei dies für viele Anleger die vorteilhaftere Variante. Ausschüttende ETFs seien objektiv nicht schlechter, aber zeitaufwendiger, weil man die Dividende selbst wieder reinvestieren müsse. Zudem fallen bei ihnen zusätzliche Ordergebühren an.

Was unterscheidet den MSCI ACWI vom MSCI World und FTSE All-World?

Die Weltindizes unterscheiden sich leicht in der Streuung, historischen Rendite und dem Gewicht von US-Aktien.

Risikostreuung
Die Streuung von allen Weltindizes ist sehr hoch. Der ACWI IMI deckt nach MSCI-Angaben nahezu 100 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ab. Beim klassischen ACWI sind es 85, beim FTSE All-World 90 Prozent (Stand: Juni 2024).
Der MSCI World besitzt die geringste Streuung, denn er umfasst nur Aktien aus 23 Industrieländern und keine Schwellenländer (Stand: Juni 2024).

„Grundsätzlich gilt: Je breiter diversifiziert, desto besser“, erklärt Gerd Kommer. Der Unterschied zwischen ACWI, ACWI IMI und FTSE All World sei dabei aber relativ gering. „Die Auswahl anhand der Streuung ist Finetuning“, meint auch Lorenzen. Denn die Performance der Weltindizes sei fast gleich.

Rendite
Die durchschnittliche Rendite pro Jahr ist bei beiden ACWI-Varianten rückblickend etwas niedriger als beim MSCI World, aber vergleichbar mit der des FTSE All World. Sie betrug beim MSCI ACWI in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt 12,21 Prozent. Beim ACWI IMI lag sie im selben Zeitraum bei 11,86 Prozent, beim FTSE-All-World bei 12,2 Prozent. Die jährliche Rendite des MSCI World betrug laut MSCI im selben Zeitraum 13,31 Prozent (Stand: Juni 2024).

Wegen seiner höheren Rendite ist der MSCI World aber nicht den ACWI-Indizes vorzuziehen. „Im Vergleich besonders gute Performance in der Vergangenheit ist eher ein Grund, diese Anlageklasse vorwärtsgerichtet unterzugewichten“, erklärt Gerd Kommer. Dies sei der Grundgedanke des antizyklischen Investierens.

„Bei der Auswahl des Weltindex sollte es keine Rolle spielen, welche Rendite in den vergangenen ein, zwei oder fünf Jahren erzielt wurde“, ergänzt Lorenzen. Es sei finanzwissenschaftlich gut belegt, dass kurzfristig hohe Renditen der Vergangenheit nichts über die Renditen der Zukunft aussagen. Die Unterschiede der Indizes könnten sich, abhängig von der Performance des US-Anteils, jederzeit drehen.

US-Fokus

In beiden MSCI-ACWI-Indizes sind Aktien aus den USA stark vertreten. Im Vergleich mit dem MSCI World fällt der US-Anteil aber etwas geringer aus. So stammen im klassischen ACWI rund 64, im ACWI IMI und im FTSE All-World 62 Prozent aus den USA. Im MSCI World sind es 71 Prozent (Stand: Juni 2024).

„Alle großen Weltindizes haben das Problem des US-Klumpenrisikos“, sagt Jannes Lorenzen. Grund sei ihre Ausrichtung nach der Marktkapitalisierung. Anleger könnten das US-Gewicht zwar durch weitere ETFs auf andere einzelne Regionen im Depot drücken. Nötig sei dies aber nicht, denn die Ländergewichtung sei dynamisch und verändere sich über längere Zeiträume. „Wenn die Marktkapitalisierung der US-Aktien abnimmt, sinkt auch der US-Anteil im Index“, erklärt der Experte. 

Welcher ACWI-ETF ist der beste?

In Deutschland sind insgesamt fünf ETFs auf den ACWI und ACWI IMI von verschiedenen Anbietern handelbar. Alle sind thesaurierend und erwerben zudem jeweils nicht alle Aktien aus dem ACWI oder ACWI IMI, sondern bilden die Wertentwicklung nur annähernd ab. Daher unterscheidet sich auch leicht die Zahl der enthaltenen Aktien.

Unter den fünf ACWI-ETFs sind vier in Irland beheimatet, nur der Amundi-Indexfonds sitzt in Luxemburg. Der „iShares MSCI ACWI UCITS ETF USD (Acc)“ (ISIN: IE00B6R52259) verfügt unter den fünf ACWI-ETFs mit rund 13 Milliarden Euro derzeit über das höchste Fondsvolumen. Zudem ist er mit 0,2 Prozent Gesamtkostenquote (TER) der zweitgünstigste.

Noch günstiger ist der einzige in Deutschland handelbare ETF auf den ACWI IMI: Der „SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF“ (ISIN: IE00B3YLTY66) hat laufende Kosten von 0,17 Prozent im Jahr. In ihn haben Anleger inzwischen rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Drei Kriterien helfen, den besten ACWI-ETF für sich zu identifizieren. „Der wichtigste Punkt ist die jährliche Gesamtkostenquote, die TER“, sagt Lorenzen von JustETF. Weil sich derzeit verschiedene Anbieter Konkurrenz machen, seien diese laufenden Kosten bei allen ACWI-ETF vergleichsweise günstig.

Zudem ist die Fondsgröße bei der ETF-Wahl hilfreich. „Je größer, desto besser, denn das erhöht die Beständigkeit“, empfiehlt der Fachmann. Es bestehe dann keine Gefahr, dass der ETF kurzfristig geschlossen wird, weil er nicht profitabel ist. Ein hohes Fondsvolumen zeige auch, dass der ETF das Geld vieler institutioneller Anleger anziehe.

Außerdem spielt es eine Rolle, in welchem Land die Fondsgesellschaft ihren Sitz hat. „Fondsdomizile außerhalb von Irland haben einen Quellensteuernachteil, sofern es sich um einen physisch replizierenden ETF handelt“, erklärt Kommer.

Fazit: Ist ein ACWI-ETF eine gute Investition?

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Ein ACWI-ETF eignet sich aus Sicht von Gerd Kommer gut für die langfristige Geldanlage: „Für die allermeisten Menschen in der Vermögensaufbauphase ist es sinnvoll, einen nennenswerten Teil ihres Vermögens in einem diversifizierten Aktienportfolio anzusparen.“ Ein ACWI-ETF beseitige dabei das Einzelwertrisiko von Aktien vollständig. Zudem mache solch ein Welt-ETF nicht viel Arbeit, man könne ihn schon ab zehn Euro im Monat besparen. „Es gibt kein anderes Investment, das diese Vorteile in ähnlicher Weise bietet“, sagt Kommer.

„ACWI-ETFs ermöglichen Anlegern die direkteste und einfachste Beteiligung an der Weltwirtschaft“, meint auch Jannes Lorenzen. Anleger profitieren mit ihnen ihm zufolge nicht nur vom langfristigen globalen Wachstum, sondern sichern ihr Vermögen auch gegen die Inflation ab.

Dieser Artikel erschien bereits am 07.06.2024. Der Artikel wurde am 29.07.2024 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

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