ETF: Welcher FTSE All World ist der beste?
München. Bei börsengehandelten Index-Fonds (ETFs) sind Angebote auf den MSCI-World der Klassiker. Suchanfragen von Besuchern von Bank- und Fachwebsites wie Just-ETF legen nahe, dass diese sogenannten Welt-ETFs bei deutschen Anlegern am gefragtesten sind. Doch inzwischen ebenfalls weit vorn: ETFs auf den FTSE All World.
„Es gibt Anleger, die befürchten, dass sie sich mit einem ETF auf den MSCI World ein Klumpenrisiko ins Depot holen“, sagt Susanne Höb, ETF-Expertin vom Portal Just ETF. Je wertvoller Unternehmen wie Apple, Microsoft und weitere amerikanische Tech-Größen wurden, desto höher wurde das Gewicht der USA im MSCI World.
Inzwischen machen Aktien aus dem größten Kapitalmarkt der Welt fast 70 Prozent im MSCI-World aus. Deutsche Aktien kommen im Index gerade einmal auf zwei Prozent.
Der FTSE All World ist, nach Worten von Susanne Höb, zwar auch vergleichsweise US-lastig, aber der Anteil amerikanischer Papiere liegt mit 60 Prozent etwas niedriger. Denn auch der FTSE gewichtet die einzelnen Länder nach der Summe des Börsenwerts ihrer Aktien, also der Marktkapitalisierung.
Doch das ist nicht der einzige Unterschied. Was bei den ETFs auf den FTSE anders ist und mit welchen anderen ETFs Anleger in Tausende Aktien rund um den Globus investieren können – die wichtigsten Fakten.
Was ist der FTSE All World?
Der FTSE All World ist ein Index des Anbieters FTSE, neben MSCI einem der weltweit größten Anbieter von Aktienindizes. Hinter dem Kürzel FTSE verbirgt sich Financial Times Stock Exchange. Die FTSE Group, so der Name des Unternehmens, entstand 1995 als ein Gemeinschaftsprojekt der Londoner Börse LSE und der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“.
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FTSE bietet weit mehr als 100.000 verschiedene Indizes an, der bekannteste ist der britische Leitindex FTSE 100, den Fachleute auch „Footsie“ nennen – quasi das durchgesprochene Buchstabenkürzel.
Der FTSE All World ist wie der bekanntere MSCI World ein Aktienindex, der Unternehmen aus der gesamten Welt abbildet. Insgesamt enthält er mehr als 4200 Aktien. Anders als der MSCI World sind im FTSE All World auch die Aktien von Schwellenländern enthalten.
Was spricht für den FTSE All World?
„Mit ETFs auf den FTSE All World investiert man sehr breit gestreut in Unternehmen auf der ganzen Welt“, sagt Expertin Höb. Denn der Index repräsentiert 95 Prozent der Marktkapitalisierung von 52 Industrie- und Schwellenländern. Der MSCI World bildet 85 Prozent der Marktkapitalisierung von 23 Industrieländern ab.
Ist der FTSE All World besser als andere Weltindizes?
Aus Renditesicht ist der MSCI World dem FTSE All World etwas voraus. Was laut Susanne Höb vor allem daran liegt, dass US-Aktien im MSCI eine größere Rolle spielen. Die haben sich vor allem in den vergangenen zehn Jahren blendend entwickelt, wohingegen Aktien aus Schwellenländern weniger stark gestiegen sind.
Es gab aber in der Vergangenheit auch Zeiten, in denen sich Anteilscheine von Unternehmen aus Schwellenländern besser entwickelt haben als die von Industriestaaten. Daher ist es aus Sicht von Höb schwer, eine klare Empfehlung für oder gegen ETFs auf einen der beiden Indizes abzugeben.
Wer vor zehn Jahren in einen ETF auf einen der beiden investiert hat, konnte mit dem MSCI World pro Jahr eine durchschnittliche Rendite von 11,9 Prozent erzielen, beim FTSE All World waren es gut 11,1 Prozent.
Welcher ist der beste FTSE All World-ETF?
Das Angebot an ETFs auf den FTSE All World ist begrenzt. Momentan gibt es nur vier börsengehandelte Indexfonds. Zwei kommen vom Investmenthaus Vanguard, zwei von der Fondsgesellschaft Invesco.
Jedes Unternehmen hat einen ETF, der die erhaltenen Dividenden regelmäßig ausschüttet und einen, dessen Dividenden wieder angelegt, also thesauriert werden. Lange Zeit hatte Vanguard allein das Recht, ETFs auf den FTSE All World aufzulegen (WKN: A1JX52 und A2PKXG). Seit knapp einem Jahr können andere Anbieter nachziehen.
Daher sind die beiden Invesco-ETFs noch recht klein. Mit der thesaurierenden Variante (WKN A3D7QX) haben die US-Amerikaner bislang rund 180 Millionen Euro eingesammelt, mit der ausschüttenden gut 80 Millionen (A3D7QY). In den beiden Vanguard ETFs stecken zusammen rund 25 Milliarden Euro. Der ältere von ihnen wurde bereits vor zwölf Jahren aufgelegt.
Auf Sicht von sechs Monaten – längerfristig lassen sich die ETFs noch nicht vergleichen – liegen die Angebote von Invesco vorn. Wobei der minimale Vorsprung laut Höb auch ein Resultat der etwas geringeren laufenden Kosten sein kann. Die beiden Vanguard-Fonds kosten 0,22 Prozent des verwalteten Vermögens, Invesco verlangt 0,15 Prozent Verwaltungsgebühr.
Wie unterscheiden sich ETFs auf den FTSE All World?
Vanguard als auch Invesco bilden den Index physisch ab, das heißt, die Fondshäuser kaufen Aktien und bilden sie nicht über Derivate nach. Allerdings „samplen“ beide die Aktien: Vanguard investiert in lediglich gut 3600 der rund 4200 im Index gelisteten Papiere, Invesco kommt derzeit sogar nur mit etwas mehr als 2200 Anteilscheinen aus. „Es gibt Aktien, deren Gewicht im Gesamtindex so winzig ist, dass es für die Rendite fast keine Rolle spielt“, erklärt Susanne Höb.
Gibt es Alternativen zum FTSE All World?
Neben dem World bietet MSCI noch zwei weitere Indizes, die sowohl die Märkte von Industrieländern als auch von Schwellenländern abbilden: der MSCI All Country World (ACWI) und der MSCI All Country World Investable Market (ACWI IMI). Beide repräsentieren die Aktienmärkte von 23 Industrie- und 24 Schwellenländern weltweit. Der ACWI IMI bildet tatsächlich alle investierbaren großen und mittelgroßen Aktien der 47 Länder ab. Das sind etwas mehr als 9000 Einzelwerte. Der ACWI kommt auf 2840 Unternehmen.
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Mit dem Solactive GBS Global Markets Large&Mid Cap gibt es noch einen Index eines deutschen Anbieters am Markt. Er steht für rund 3500 mittlere und große Unternehmen aus der ganzen Welt.
Auch wenn sich die Zahl der Aktien im Index stark unterscheidet, sollten sich Anleger, so Höb, keine Gedanken machen, wenn ein Index „nur“ für etwas mehr als 2000 Aktien steht. „Auch mit 2000 Aktien ist das Risiko für Anleger ausreichend gestreut.“
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Alle genannten Indizes sind mindestens über einen ETF investierbar. Auch wenn die Zahl der Aktien sich stark unterscheidet, geht es um die Rendite, liegen die Indizes, respektive die ETFs, die auf sie angeboten werden, vergleichsweise nah beieinander. Denn das „Innenleben“ der Indizes ist, so Susanne Höb, sehr ähnlich. Der Anteil von Aktien aus den Vereinigten Staaten schwankt zwischen 58 und 63 Prozent, an zweiter Stelle kommen Werte aus Japan mit etwa sechs Prozent. Deutsche Aktien machen in der Regel nur etwa zwei Prozent am Gesamtindex aus.
Wie wird das ETF-Portfolio weniger USA-lastig?
Für alle, die weniger US-Aktien in ihrem Portfolio möchten, bleibt nur der Weg, einem der Welt-ETFs einen oder mehrere reine Schwellenländerindizes beizumischen.
Indizes werden traditionell nach der Marktkapitalisierung aufgebaut. Das sei, laut der Expertin, für die Anbieter einfach und günstig. „Einen Index beispielsweise nach dem Bruttoinlandsprodukt zu gewichten wäre deutlich aufwendiger“, sagt Höb.
Und auch hier läge der Anteil US-amerikanischer Aktien bei 25 Prozent und der Anteil deutscher Aktien bei vier Prozent.
Dieser Artikel erschien bereits am 08.05.2024. Der Artikel wurde am 06.08.2024 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.