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Hochwasser in SüddeutschlandICE entgleist bei Schwäbisch Gmünd

Der Sonntag bringt die Gefahr von weiteren Überflutungen, mit der Welle verlagert sich der Schwerpunkt. In vielen Kommunen Bayerns gilt der Katastrophenfall. Der Bahnverkehr ist eingeschränkt. 02.06.2024 - 09:55 Uhr
Zwei Waggons eines ICE mit 185 Passagieren an Bord sind nach einem Erdrutsch entgleist. Die Passagiere blieben laut einem Bahnsprecher unverletzt. Foto: Fabian Koss/dpa

München, Stuttgart. Nach tagelangem Dauerregen haben in Bayern mittlerweile zehn Kommunen den Katastrophenfall ausgerufen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt auch am Sonntag noch keine Entwarnung. Am Nachmittag gibt es im Süden Deutschlands noch einmal die Gefahr von Unwettern und lokalen Überflutungen. 

Besonders gefährdet seien die Schwäbische Alb sowie Bereiche etwas nördlich davon und die Region um Augsburg, Nürnberg, Bamberg und Regensburg. Es könnten abermals Straßen und Keller überflutet werden. Örtlich seien auch Schäden durch Blitzeinschläge möglich, hieß es. Am Sonntagmorgen galt noch in mehreren Landkreisen der beiden Bundesländer die höchste Unwetterwarnstufe.

ICE-Waggons entgleist

Am späten Samstagabend entgleiste im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd zwei Waggons eines ICE. Die 185 Passagiere blieben laut einem Bahnsprecher bei dem Unglück unverletzt und wurden aus dem Zug evakuiert. Der Zug war wegen des Hochwassers in Süddeutschland auf die Strecke umgeleitet worden, auf der sich das Unglück ereignete.

Die Waggons sollen im Laufe des Sonntagvormittags geborgen werden. Der Regionalverkehr könne die Strecke deshalb nicht passieren, sagte eine Bahnsprecherin der dpa am Sonntagmorgen. Auf dem zweiten Gleis der Strecke befindet sich demnach eine Hilfslok, die die Bergung unterstützen soll. Wie lange die Sperrung andauert, ist unklar. 

Bahnreisende in Süddeutschland müssen wegen des Unwetters ohnehin auch am Sonntag mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Wie eine Bahnsprecherin am Sonntagmorgen sagte, sind mehrere Strecken betroffen. Nach einer Auflistung auf der Internetseite des Unternehmens kommt es zum Beispiel zu Ausfällen auf der Strecke von München über Nürnberg nach Berlin, von Karlsruhe über Stuttgart nach München, von München nach Zürich sowie von Augsburg nach Oberstdorf.

Luftbildaufnahmen zeigen die aus den Ufern getretene Ilm. Foto: Jason Tschepljakow/dpa

In Bayern führte der Dauerregen zu Pegelständen, wie sie statistisch gesehen nur einmal in hundert Jahren erreicht werden. So führten in der Nacht zu Sonntag die Flüsse Günz, Memminger Ach, Kammel, Mindel, Paar und Maisach so viel Wasser wie bei einem Jahrhunderthochwasser. Im nördlichen Teil des oberbayerischen Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm erwarten die örtlichen Behörden ein extremes Hochwasser.

Da der Dauerregen in der Intensität etwas nachgelassen habe, gehe die Hochwasserlage zwar im Oberlauf der am schwersten betroffenen Gewässer derzeit zurück. Da aber das Risiko für Stark- und Dauerregenfälle weiter bestehe, seien die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes zu beachten, um eine kurzfristige Verschärfung der Lage im Blick zu haben.

Hochwasser verlagert sich flussabwärts

Mit der Welle verlagere sich der Schwerpunkt stromabwärts – von Schwaben Richtung Niederbayern und Oberpfalz. Unter anderem in Neuburg, Kelheim, Regensburg, Straubing könnten betroffen sein, die Scheitelwelle wird aber voraussichtlich erst Anfang der Woche durchfließen.

Vor allem flussabwärts bei Mühlried im Landkreis Schrobenhausen und insbesondere Manching sowie Geisenfeld im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm sowie in Abensberg im Landkreis Kelheim wurden am Sonntag steigende Wasserstände erwartet. Auch im Isar-Einzugsgebiet in Oberbayern kletterten teils die Wasserstände.

Bundeswirtschaftsminister Habeck und Bayerns Ministerpräsident Söder haben die Hochwassergebiete besucht. Nach tagelangem Dauerregen waren in vielen süddeutschen Regionen Flüsse über die Ufer getreten. Habeck stellte Bundeshilfen in Aussicht.

Wegen steigender Wasserstände des Flusses Paar wurden in der Nacht 140 Menschen aus zwei Altenheimen in dem oberbayerischen Landkreis evakuiert. Mindestens 100 weitere Menschen seien von Evakuierungen in ufernahen Bereichen betroffen gewesen, wie Landrat Albert Gürtner (Freie Wähler) sagte.

Feuerwehrmann stirbt bei Rettungsaktion

Das Hochwasser hat am Samstagabend einen Feuerwehrmann im Einsatz das Leben gekostet. Bei einer Rettungsaktion in Pfaffenhofen in Oberbayern ist ein Schlauchboot mit insgesamt vier Feuerwehrleuten gekentert. Drei Feuerwehrleute konnten gerettet werden.

Ein 42 Jahre alte Mann konnte am frühen Morgen nur noch tot geborgen werden, teilte ein Sprecher des Landratsamts Pfaffenhofen an der Ilm mit. Die Rettungskräfte waren mit dem Schlauchboot unterwegs, um eine Familie zu retten. Feuerwehren und andere Nothelfer sind seit Tagen im Dauereinsatz.

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Hilfe von Bundeswehr angefordert

Im oberbayerischen Schrobenhausen bereiteten Feuerwehr und Rettungskräfte am späten Samstagabend Feuerwehr und Rettungskräfte die Evakuierung von 670 Menschen vor. Auch diese Kommune hatte zuvor den Katastrophenfall ausgerufen.

Wegen der ununterbrochenen Regenfälle rief etwa auch das Landratsamt Dillingen im bayerischen Teil Schwabens den Katastrophenfall aus. Am Samstagabend spitzte sich die Hochwasserlage an der Zusam zu, einem Zufluss der Donau, wie die Behörde mitteilte. Der örtliche Krisenstab forderte bei der Bundeswehr Hilfe an.

dpa, kwi
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