Europäische Zentralbank: „EZB hat es nicht eilig“ – Die Zinswende dürfte sich ziehen
Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinswende in der Euro-Zone eingeleitet. EZB-Chefin Christine Lagarde bezeichnete es als „sehr wahrscheinlich“, dass die Zinsen sogar noch weiter sinken. Vieles deutet aber darauf hin, dass sich dieser Prozess hinzieht.
Die Währungshüter senkten die Leitzinsen am Donnerstag um einen Viertelprozentpunkt. Zugleich hoben die Volkswirte der Notenbank ihre Inflationsprognosen an. Somit erscheint es nun unwahrscheinlicher, dass die EZB die Leitzinsen im Juli erneut senken wird. Lagarde schloss das jedoch nicht aus.
Die EZB habe es „nicht eilig, ihre Politik zu lockern“, sagte Mark Wall, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, bezeichnete die Zinssenkung als verfrüht.
Konkret verringerte die EZB den Einlagesatz, den Geschäftsbanken für ihre Einlagen bei der Notenbank erhalten, von 4,0 auf 3,75 Prozent. Das ist eine Zäsur. Nachdem die Notenbank den Einlagesatz im September 2019 auf das Rekordtief von minus 0,5 Prozent gedrückt hatte, hob sie die Leitzinsen von Mitte 2022 bis September 2023 zehnmal nacheinander an.