Immobilienkredite: Wende in der Baufinanzierung: Neugeschäft legt deutlich zu
Frankfurt. Das Geschäft mit der Baufinanzierung hat sich im April deutlich belebt. Die deutschen Banken haben private Immobilienkredite in Höhe von 16,8 Milliarden Euro vergeben. Das ermittelte das Analysehaus Barkow Consulting auf Grundlage von Daten der Europäischen Zentralbank. Gegenüber dem Vormonat sei das ein Zuwachs von neun Prozent, im Vergleich zum April 2023 sogar von 29 Prozent.
Das jüngste Kreditvolumen ist der höchste Wert seit dem Einbruch des Geschäfts durch die Zinswende im Sommer 2022. Damals waren die lange Zeit sehr niedrigen Zinsen für Immobilienkredite nach oben geschnellt.
Das Neugeschäft mit Immobiliendarlehen hatte sich zwar schon im vergangenen Jahr etwas erholt. Allerdings gab es immer wieder Schwankungen. Ein Aufschwung oder sogar ein neuer Boom in der Baufinanzierung war nicht zu erkennen. So lag das Neugeschäft im März 2024 mit 15,4 Milliarden Euro nur minimal über dem Niveau des Vorjahresmonats. Der März gilt als einer der stärksten Monate bei Baukrediten.
Bis vor zwei Jahren hatte das Geschäft mit Baufinanzierungen geboomt. Damals betrug das Neugeschäft im Rekordmonat März rund 32 Milliarden Euro. Nach der ersten Zinsanhebung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli brach es jedoch ein. Im August desselben Jahres betrug es noch 18,5 Milliarden Euro, im September 16,1 Milliarden Euro. Der schwächste Monat war der Februar des vergangenen Jahres mit 12,1 Milliarden Euro.
Die Entwicklung bei frischen Baukrediten wird genau verfolgt, da das Geschäft für die deutschen Banken von Bedeutung ist. So entfällt auf die privaten Immobiliendarlehen mit aktuell 43 Prozent ein großer Anteil im Kreditbuch der Banken. Die Baufinanzierung gilt als wenig riskant, wirft dafür aber auch nur relativ geringe Margen ab.
Wohnimmobilien sind bei Profianlegern wieder mehr gefragt
In diesem Frühjahr hatte es bereits Hoffnungen auf einen Aufschwung bei Immobiliendarlehen gegeben. Eine Bundesbank-Umfrage unter Geldhäusern deutete schon vor zwei Monaten auf eine Erholung hin. Laut dem „Bank Lending Survey“ gaben die 33 befragten Geldhäuser für Januar bis März eine deutliche Belebung der Nachfrage nach Baukrediten an. Auch für April bis Juni zeigten sie sich optimistisch. Es ist wahrscheinlich, dass sich die erhöhte Nachfrage durch Kundinnen und Kunden im April vermehrt in abgeschlossenen Krediten gezeigt hat.
Auch bei professionellen Anlegern dreht sich die Stimmung langsam. Fachleute beobachten, dass beispielsweise Family-Offices, in denen vermögende Familien ihre Geldanlagen bündeln und Private Equity (Beteiligungskapital von Finanzinvestoren) wieder verstärkt nach möglichen Wohnimmobilieninvestments in Deutschland suchen.
Die Bauzinsen für Kredite mit zehnjähriger Zinsbindung betragen derzeit laut FMH-Finanzberatung im Mittel 3,67 Prozent. Sie haben sich in diesem Jahr leicht erhöht. Allerdings war der Durchschnittszins seit dem Sommer 2022 mehrfach schon auf knapp oder sogar gut vier Prozent gestiegen.
Zwar sind die Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland 2023 nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 8,4 Prozent gefallen – der stärkste Rückgang im Jahresvergleich seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000. Doch angesichts der deutlich teureren Kredite können sich dennoch weniger Menschen als zuvor den Immobilienkauf leisten.