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ChipindustrieGewerkschaft warnt vor längerem Ausstand bei Samsung

Der weltgrößte Speicherchiphersteller hat wirtschaftlich schon Probleme. Nun fordert eine Gewerkschaft die Firmenführung noch mit einem Kurzstreik heraus. Wie hoch ist das Risiko einer Eskalation?Martin Kölling 07.06.2024 - 14:12 Uhr
Samsungs größte Betriebsgewerkschaft NSEU hat für diesen Freitag zum ersten Streik der Unternehmensgeschichte aufgerufen. Foto: Bloomberg

Tokio. Für Samsung-Chef Lee Jae Yong ist es eine neue Erfahrung: Erstmals seit sein Großvater 1969 den heute größten Speicherchiphersteller der Welt gegründet hat, muss er sich mit einem Streik eines Teils der Belegschaft auseinandersetzen. Ausgerechnet Samsungs größte betriebliche Arbeitnehmervertretung, die Nationale Samsung-Electronics-Gewerkschaft (NSEU), hatte für diesen Freitag im Streit um Gehaltserhöhungen zum ersten Streik in der Unternehmensgeschichte aufgerufen.

Die Ankündigung des ersten Streiks der Firmengeschichte überraschte vor einer Woche die Anleger. Der Aktienkurs von Südkoreas größtem Konzern gab prompt um drei Prozent nach, da die Investoren härtere Arbeitskämpfe fürchteten. Denn die Gewerkschaft repräsentiert mit rund 28.000 Mitgliedern immerhin 22 Prozent der Beschäftigten in Südkorea.

Seit Samsungs Führung 2020 das Versprechen gegeben hat, Gewerkschaftsmitgliedschaften nicht mehr zu diskriminieren, wächst die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer. Eine wirkliche Radikalisierung könnte das Unternehmen schwer treffen, besonders wenn sich die Mitarbeiter langfristig an historischen Vorbildern orientieren sollten. Beim Autohersteller Hyundai Motor etwa legten die Mitarbeiter im vorigen Jahrzehnt wiederholt für Wochen die Arbeit nieder.

Kurzfristig gibt es für diese Sorge keinen Anlass. Der „Streiktag“ wurde auf diesen Freitag gelegt, einen regelmäßigen Brückentag zwischen einem Feiertag und dem Wochenende, an dem sich ohnehin viele Koreaner freinehmen. Die Gewerkschaft wollte eigenen Angaben zufolge vorerst nicht die Produktion schwächen, sondern einen Warnschuss ans Management abgeben. Die streikenden Mitarbeiter haben für den Tag einen bezahlten Urlaubstag beantragt. 

„Der koordinierte Einsatz von Urlaub ist unser erster Schritt auf dem Weg zu unserem endgültigen Ziel eines groß angelegten Streiks“, sagte ein Gewerkschaftsvertreter laut der Tageszeitung „Korea Herald“. Dabei geht es der Organisation nicht allein darum, dass Samsung seine bisher angebotene Gehaltserhöhung von 5,1 Prozent aufstockt. Die Arbeitnehmervertreter verlangen auch einen Tag mehr Urlaub und vor allem ein faireres und transparenteres Gehaltssystem.

Auswirkungen auf den gesamten Chipmarkt sieht der taiwanische Marktforscher Trendforce daher nicht voraus. Der Streik werde „keine wesentlichen Auswirkungen auf das künftige Speicherangebot haben“, so die Analysten. Für Samsung indes könnte der Warnstreik durchaus mittel- und langfristige Folgen haben.

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Denn der gewählte Zeitpunkt ist durchaus brisant. Die Chipsparte, die seit Jahren die meisten Gewinne des Mischkonzerns erwirtschaftet, arbeitet sich gerade erst aus einem Jahr der Verluste heraus. Dabei kämpft sie mit einigen Problemen.

Bei der neuen Speicherchipgeneration für Anwendungen Künstlicher Intelligenz, den High Bandwidth Memory (HBM), liegt Samsung inzwischen hinter seinem Lokalrivalen SK Hynix zurück. Die Auftragsfertigung hinkt immer weiter dem Marktführer TSMC aus Taiwan hinterher. Um der Sparte mehr Schwung zu geben, tauschte Samsung vorigen Monat sogar ihren Chef aus.

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Die gute Nachricht für Samsungs Management ist, dass sich andere Betriebsgewerkschaften bisher nicht an dem Streik beteiligt haben. Einige ihrer Vertreter vermuten sogar, dass es der NSEU weniger um den Lohnkampf als um Mitgliederwerbung geht. Gleichzeitig hält sich die Vermutung, dass die NSEU einen Wechsel vom älteren und zurückhaltenderen Gewerkschaftsverband, der Föderation der koreanischen Gewerkschaften, zum jüngeren und streikbereiteren Koreanischen Gewerkschaftsbund vorbereitet.

Ob die für koreanische Verhältnisse hochentlohnten Mitarbeiter einen derartigen Schwenk mitmachen würden, ist aber nicht sicher. Die Gewerkschaft machte keine Angabe zu möglichen Teilnehmern. Das Unternehmen erklärte sogar, an dem heutigen Brückentag hätten sich weniger Mitarbeiter einen Tag Urlaub genommen als im vorigen Jahr.

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