Energie: Chinas Solarfirmen fordern Eingriff der Regierung
Peking. Chinas Solarkonzerne fordern stärkere Eingriffe der Regierung, um den ruinösen Preiswettbewerb in der Industrie zu stoppen. „Wir zerstören uns in einem blutigen Wettbewerb gegenseitig“, warnte Zhu Gongshan, Chef des Polysiliziumherstellers GCL Technology einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge. Er sprach bei der SNEC Photovoltaic Power Conference, der wichtigsten Branchenkonferenz in Shanghai.
Zwar baut kein Land der Welt die Solarkapazitäten aktuell schneller aus als China. Dennoch werden in den Volksrepublik deutlich mehr Anlagen produziert als installiert. Infolge der enormen Überproduktion ist ein harter Preiskampf entstanden, der für viele der Hersteller ruinös enden wird. Immer mehr Firmen müssen Mitarbeiter entlassen oder ihre Fabriken ganz schließen, weil die Marktpreise teilweise niedriger waren als die Produktionskosten. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Preis für Solarmodule chinesischer Hersteller nahezu halbiert.
Da die Unternehmen auf dem Heimatmarkt bei diesem Preisniveau kein Geld mehr verdienen, setzen sie zunehmend auf den Export – und drohen deshalb die Weltmärkte zu überschwemmen. Mit ihren niedrigen Preisen drängen sie andere Hersteller zunehmend aus dem Markt. Dadurch verstärken sie den Handelskonflikt mit dem Westen. Die USA haben jüngst die Strafzölle auf Solarzellen aus China von 25 auf 50 Prozent erhöht.
Doch nicht nur im Westen wächst die Kritik an der chinesischen Überproduktion: Auch in China selbst mehren sich die Rufe nach einem Eingreifen Pekings. GCL-Chef Zhu schlug vor, die Behörden sollten Dumpingpreise bei Auktionen verhindern. Die Branche brauche „einen Konsens über vernünftige Profitmargen“.
Der Chef des Modulherstellers Trina Solar, Gao Jifan, forderte die Lokalregierungen zu mehr Vernunft auf. Denn trotz des zerstörerischen Wettbewerbs fördern viele lokale Behörden nach wie vor die Ansiedlung der von Peking gewünschten Zukunftsindustrie in ihrem Verantwortungsgebiet.
Widersprüchliche Signale aus Peking
Chinas Staatsführung hat die Solarindustrie zu einer der Schlüsselindustrien der Zukunft auserkoren und stark gefördert. Dem Marktforschungsunternehmen Wood Mackenzie zufolge hat Peking allein 2023 über 130 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der heimischen Solarindustrie investiert. Die Fördermillionen haben zahlreiche, auch branchenfremde Unternehmen dazu verlockt, Solaranlagen zu produzieren.
Peking scheint sich der Problematik bewusst. Erst Ende Mai warnte Staatschef Xi Jinping davor, blind in erneuerbare Energien zu investieren. Die Förderung der sogenannten „Drei Neuen“, zu denen E-Autos, Batterien und erneuerbare Energien zählen, müsse an lokale Bedingungen „angepasst“ werden. Er versprach, dass China ein Ort des fairen Wettbewerbs sein werde.
Trina-Solar-Chef Gao hatte bereits Anfang des Jahres gewarnt, dass es „keinen Gewinn in der gesamten Lieferkette“ gebe. Ein anderer Brancheninsider beschrieb das Dilemma der Branche damals mit: „expandieren oder sterben“. Inzwischen sind viele kleinere Anbieter in die Pleite gerutscht.
Chinesische Firmen produzieren im Ausland
Aufgrund des harten Preiswettbewerbs in China und der zunehmenden Handelsbarrieren setzen chinesische Solaranlagenhersteller zunehmend auf die Produktion im Ausland, insbesondere in Südostasien. Dabei erlitten einige Unternehmen jedoch zuletzt Rückschläge:
So stoppte Longi Green Energy, einer der führenden chinesischen Hersteller, die Fertigung in einem Werk in Vietnam und verringerte die Produktion in einer Fabrik in Malaysia. Trina Solar fuhr Fabriken in Thailand und Vietnam teilweise herunter. Offiziell nannte das Unternehmen Wartungsarbeiten als Grund. Ein Sprecher verwies gegenüber Bloomberg jedoch darauf, dass die Nachfrage in den USA „durch das politische Umfeld beeinflusst wird und es einige kurzfristige Schwankungen geben wird“.
Longi hatte Anfang des Jahres bekannt gegeben, zusammen mit dem lokalen Partner Invenergy in den USA zu investieren. Im US-Bundesstaat wollen die Unternehmen eine Produktion aufbauen, die mehr als 1000 Solarmodule pro Stunde herstellen kann. Dieser Trend könnte sich infolge der US-Strafzölle nun weiter verstärken.
Erstpublikation: 11.06.2024, 09:15 Uhr.