Sonderzoll: China kündigt Anti-Dumping-Test für Schweinefleisch aus Europa an
Shanghai. Chinas Staatsführung hat am Montag eine Anti-Dumping-Untersuchung gegen die Hersteller europäischen Schweinefleisches angekündigt. Die Ermittlung richte sich gegen Schweinefleisch und seine Nebenprodukte, teilte das Handelsministerium in Peking mit.
Nach der Ankündigung der Europäischen Union, auf chinesische Elektroautos zusätzliche Sonderzölle zu erheben, wird dieser Schritt als Gegenreaktion Chinas interpretiert.
Schweinefleisch gehört zu den meistverzehrten Fleischarten in China. Als Beispiel nannte das Handelsministerium frisches und gefrorenes Schweinefleisch oder Nebenerzeugnisse wie Schweineohren, die in der Volksrepublik ebenso wie Schweineschnauzen und Innereien auf den Tischen der rund 1,4 Milliarden Chinesinnen und Chinesen landen.
Nach Zollangaben bezog China 2023 Schweinefleisch im Wert von sechs Milliarden Dollar aus dem Ausland, einschließlich Innereien. Mehr als die Hälfte der Waren kam aus der EU.
Größter EU-Lieferant ist den Daten zufolge Spanien, dahinter folgen Frankreich, Niederlande und Dänemark.
Bald Zölle auf EU-Schweinefleisch?
Die EU behält sich rechtliche Schritte vor. Man werde das chinesische Verfahren in Abstimmung mit der Industrie und den Mitgliedstaaten sehr genau verfolgen, sagte ein Sprecher der zuständigen EU-Kommission am Montag in Brüssel. Und bei Bedarf werde man auch intervenieren, um sicherzustellen, dass die Untersuchung allen relevanten Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vollständig entspreche.
Peking hat wegen Schweinepest deutsche Importe bereits gestoppt
Deutschland exportiert seit dem Ausbruch der Schweinepest 2020 kein Schweinefleisch nach China, nachdem die Regierung in Peking die Importe gestoppt hatte. Politische Gespräche über Lockerungen haben bisher kein Ergebnis gebracht. Die 46 Milliarden Euro schwere deutsche Fleischbranche befindet ohnehin in einer schwierigen Phase, weil hierzulande immer weniger Fleisch gegessen wird.
Die Anti-Dumping-Untersuchung ist nicht die erste Chinas gegen europäische Erzeugnisse. Im Januar hatte das Handelsministerium eine Ermittlung gegen Branntwein angekündigt – davon waren vor allem Hersteller aus Frankreich betroffen. Experten hatten schon im Vorfeld damit gerechnet, dass Schweinefleisch in den Fokus rücken könnte, da Chinas Tierwirtschaft die Produkte selbst in großer Menge herstellt.
Nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums könnte die Untersuchung der Schweinefleischimporte ein Jahr bis zum 17. Juni 2025 dauern. Gegebenenfalls könne sie aber um sechs Monate verlängert werden, hieß es am Montag.
In Deutschland befindet sich die 46 Milliarden Euro schwere Fleischbranche ohnehin in einer Umbruchphase, weil hierzulande befindet sich ohnehin mitten in einer historischen Bereinigung. Die Exporte von Produkten nach Asien waren bisher eine wichtige Stütze.
Mit Agenturmaterial