Dax-Umfrage: Nur extrem wenige Anleger wollen noch Aktien kaufen
Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt erholt sich: Der Leitindex Dax legte in der abgelaufenen Börsenwoche um 1,3 Prozent zu. Am Montag ging es um weitere 0,5 Prozent aufwärts. Doch Anlegerinnen und Anleger bleiben zurückhaltend, wie das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt.
Dafür befragt das Handelsblatt jeden Freitag mehr als 8000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die Ergebnisse wertet Stephan Heibel aus, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX. Und er ergänzt sie um weitere Indikatoren.
In dieser Woche resümiert Heibel: „Das Dax-Sentiment ist ausgeglichen. Wirklich gute Laune kommt bei Anlegern nicht auf. An eine nachhaltige Fortsetzung der Rally glauben offensichtlich nur wenige.“
Möglicherweise fehle die Bestätigung der guten Aktienmarktlage durch die US-Börse, überlegt der Sentimentexperte. Diese war vergangene Woche anderthalb Tage lang geschlossen. Wegen des Feiertags am 4. Juli wurde am Mittwochnachmittag und am gesamten Donnerstag in den USA nicht gehandelt.
Trotzdem ist die Börsenstimmung in den Vereinigten Staaten weiterhin gut. US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote auf 104 Prozent angehoben, beobachtet Heibel. Sie investieren gehebelt auf weitere Kursanstiege. „Damit positionieren sie sich extrem bullish“, sagt Heibel.
Gleichzeitig ging in den USA die Differenz zwischen Optimisten, im Börsenjargon Bullen genannt, und den pessimistischen Bären auf 16 Prozentpunkte zurück. Die Bullen stellen mit 42 Prozent weiterhin die größte Gruppe unter den US-Anlegern, die Bären kommen auf 26 Prozent. Der technische Angst-und-Gier-Indikator des marktbreiten US-Leitindexes S&P 500 zeigt mit 53 Prozent eine neutrale Verfassung an, also keine gefährliche Schieflage.
Trotzdem kommt in Deutschland kein Optimismus auf. Das spiegelt sich in der Dax-Umfrage auch in der mangelnden Selbstzufriedenheit wider, die anzeigt, ob Anleger glauben, dass sie sich richtig positioniert haben. „Trotz der guten Aktienmarktperformance bleiben Anleger leicht verunsichert“, sagt Heibel.
Investitionsbereitschaft extrem niedrig
Dementsprechend schwach ist die Zukunftserwartung, die abbildet, welches Kurspotenzial Anleger in den kommenden drei Monaten sehen. Die Investitionsbereitschaft ist daher auf einen extrem niedrigen Stand gesunken.
Eine definitive Erklärung dafür hat Heibel nicht: „Vielleicht wollen Anleger erst einmal abwarten, wie sich die US-Börsen zeigen. Vielleicht möchte man aber auch einfach nur einen unbeschwerten Sommer haben und hält sich daher mit neuen Engagements zurück.“
Die Entwicklung stimmt ihn aber nachdenklich: „Während vor einer Woche und zwei Prozent tiefer noch viele Anleger investieren wollten, ist diese Investitionsabsicht nun schon wieder verflogen. Dies deutet darauf hin, dass die Investitionsabsichten vorwiegend spekulativer Natur waren, also Anleger schon gar nicht mehr an eine nachhaltige Fortsetzung der Rally glaubten.“
Heibel, der auch den Börsenbrief „Heibel-Ticker“ herausgibt, hat daher in den Daten von AnimusX nachgeschaut, wie sich der Dax in der Vergangenheit entwickelt hat, wenn die Investitionsbereitschaft ähnlich niedrig war. Das Ergebnis macht Mut.
In den vergangenen 18 Jahren gab es demnach 19 vergleichbare Konstellationen, 16-mal stieg der Dax in den folgenden sechs Monaten. Das entspricht einer Trefferquote von 84 Prozent.
Im Schnitt legte der Dax in diesen Situationen um knapp neun Prozent zu. Das würde zum Ende dieses Jahres Kurse von rund 20.100 Punkten bedeuten. So muss es aber nicht kommen, warnt Heibel: „Dreimal folgten auch niedrigere Kurse.“
Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.
Erstpublikation: 08.07.2024, 14:39 Uhr