Einhorn: Commercetools-Mitgründer gibt Führungsposten ab
Berlin. Die Münchener Softwarefirma Commercetools bekommt einen neuen Chef. Mitgründer Dirk Hoerig zieht sich nach 18 Jahren von der Firmenspitze zurück, wie Commercetools am Mittwoch bekannt gab. Der US-Amerikaner Andrew Burton übernimmt den Posten.
Burton bringt viel Erfahrung mit. Zuletzt hat er das operative Geschäft beim börsennotierten US-Softwarekonzern Rapid7 geleitet. „Ich werde Commercetools in die nächste Wachstumsphase führen“, kündigte Burton an. Um das zu erreichen, werde er eng mit dem Firmenmitgründer zusammenarbeiten.
Hoerig sagte dem Handelsblatt, man habe jemanden an Bord holen wollen, der es in der Vergangenheit bereits geschafft habe, Firmen mit mehr als einer halben Milliarde Umsatz zu führen.
Commercetools bietet ein Betriebssystem für den digitalen Handel an, wichtiger Konkurrent ist Shopify aus Kanada. Zu den Kunden von Commercetools zählen Volkswagen, AT&T, Danone, Sephora und Lululemon.
Inzwischen kommt das Unternehmen auf jährlich wiederkehrende Einnahmen von rund 150 Millionen Dollar. Laut Hoerig wird nun die Marke von 200 Millionen Dollar angepeilt.
Mitgründer Dirk Hoerig wird Innovationschef
Hoerig selbst verlässt Commercetools nicht, sondern bleibt im Vorstand und verantwortet dort künftig alle Innovationsthemen. „Ich ziehe mich definitiv nicht zurück“, sagte der Manager, der Commercetools 2006 zusammen mit seinem Freund und Sportpartner Denis Werner gegründet hat.
„Ich werde mich auf wichtige Kunden und Partner fokussieren sowie auf unsere Produkte“, so Hoerig. Er werde auch medial stärker auftreten. Es sei hilfreich, wenn er nicht mehr 18-mal im Jahr in die USA fliegen müsse, sondern nur noch achtmal.
Inzwischen erwirtschaftet Commercetools mehr als die Hälfte seiner Erlöse in den USA. Der neue Chef Burton plant deswegen nach eigenen Angaben keinen Umzug nach Deutschland, sondern wird die Geschäfte aus den USA führen.
Bei Investoren wie Insight Partners und Accel und beim Handelskonzern Rewe hat die Firma seit der Gründung mehr als 300 Millionen Dollar eingesammelt. Bei der letzten Finanzierungsrunde wurde sie mit etwa 1,9 Milliarden Dollar bewertet und gehört damit zu den deutschen Einhörnern, also zu den Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.
Hoerig gibt seinen Posten vor dem anvisierten Börsengang ab. Er hatte immer wieder gesagt, dass ein Börsengang langfristig eine Option sei. Nun erklärte er, dass es dafür möglicherweise auch eine neue Führung benötige. Der neue Firmenchef Burton sagte diesbezüglich lediglich: „Wir sind gut positioniert und finanziert und halten uns, wie die meisten Unternehmen in diesem Stadium, alle Möglichkeiten offen.“
Bereits im vergangenen Sommer holte das Unternehmen mit Dan Murphy erstmals einen eigenen Finanzchef an Bord, um die Strukturen zu professionalisieren.