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KommentarDie Dax-Aufsichtsräte sind zu alt und zu männlich

Ü60, Österreicher oder Deutscher und aus der Autoindustrie: Mit diesem Führungspersonal riskiert die deutsche Wirtschaft ihre Zukunftsfähigkeit.Tanja Kewes 11.07.2024 - 08:55 Uhr
Deutschlands mächtigste Aufsichtsräte: Hans Dieter Pötsch (Mitte), Wolfgang Porsche (unten links), Hans Michel Piëch (unten rechts), Ferdinand Oliver Porsche (oben links) und Siegfried Wolf stammen allesamt aus der Autoindustrie. Foto: Picture Alliance (3), Dpa, Reuters

In den USA möchten sich ein 78-Jähriger und ein 81-Jähriger zum Präsidenten wählen lassen. Donald Trump traut sich diesen einflussreichen Posten ebenso zu wie Joe Biden.

In Deutschland zählen zwei ähnlich alte Veteranen zu den mächtigsten Aufsichtsräten des Dax. Wolfgang Porsche ist 81 Jahre alt, Hans Michel Piëch 82.

Das eine Gespann spricht nicht für die politische Kultur in den USA, das andere nicht für die ökonomische Zukunftsfähigkeit Deutschlands.

Es wird schließlich deutlich, dass die deutsche Wirtschaft immer noch sehr auf die Autoindustrie und ihre Zulieferer konzentriert ist und deren Eigentümer(repräsentanten) in einflussreichen Ämtern sind. Zum anderen offenbart sich, dass die in den vergangenen Jahren durch gesellschaftlichen Druck und Gesetze wie die Frauenquote in Gang gekommene Professionalisierung der Dax-Aufsichtsräte ins Stocken geraten ist. Das ist fatal.

Das zeigt eine breit angelegte Analyse der Dax-Kontrollgremien von Handelsblatt und der Universität Göttingen. Der Autor der Studie, Wirtschaftswissenschaftler Michael Wolff, attestiert „ein unternehmerisches Nachwuchsproblem“, für Anlegerschützer Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und seit vielen Jahren Mitglied der Deutschen-Corporate-Governance-Kommission, wirkt die Konstellation wie „ein Relikt aus alter Zeit“.

Die Vielfalt fehlt in deutschen Aufsichtsräten – und zwar in vielerlei Hinsicht. Unter den zehn einflussreichsten Aufsichtsräten gibt es genau eine Frau. Das ist die Multiaufsichtsrätin Margret Suckale. Sie kontrolliert die Dax-Konzerne Deutsche Telekom, Heidelberg Materials, Infineon und DWS.

Zudem sind die zehn einflussreichten Kontrolleure der deutschen Wirtschaft allesamt Deutsche oder Österreicher. Die Internationalität der deutschen Wirtschaft spiegelt sich nicht im Führungspersonal wider. In den Top Ten der Aufseher findet sich kein einziger Amerikaner oder Asiate.

Es fehlt die Internationalität

Die Aufsichtsräte sind außerdem (zu) alt. So ist keiner der zehn einflussreichsten Kontrolleure jünger als 60 Jahre. Georg Schaeffler von der gleichnamigen Industriegruppe ist noch 59, feiert dieses Jahr aber auch noch seinen runden Geburtstag. In diesem Alter ist bei vielen Firmen international Schluss – bei der weltweit führenden Strategieberatung McKinsey etwa oder bei Europas bedeutendster  Personalberatung Egon Zehnder.

Natürlich lässt sich einwenden, dass die älteren Herren für ein Aushängeschild der deutschen Wirtschaft, die Autoindustrie, und die gute alte Tradition der erfolgreichen Familienunternehmen stehen. Das ist auch richtig und wichtig.

Doch reicht das? Brauchen wir nicht mehr Zukunftsorientierung als Vergangenheitsarien, um internationale Investoren zu begeistern?

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Und brauchen wir nicht gelistete Konzerne, die den diversen und demokratischen Anlegerregeln folgen? Riskiert sonst die deutsche Wirtschaft nicht, so tragisch tradiert wahrgenommen zu werden wie die amerikanische Politik? Auf all diese Fragen braucht es Antworten aus der Wirtschaft.

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