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ChemieBASF überprüft milliardenschweren Ausbau der Batteriechemie

Batteriematerial soll zum Zukunftsgeschäft von BASF werden. Doch die Krise in der Elektromobilität bremst den Chemiekonzern. Neue Investitionen kommen auf den Prüfstand.Bert Fröndhoff 12.07.2024 - 14:31 Uhr
Batterieforschung bei BASF: Der Konzern will in dem Bereich vorsichtiger agieren. Foto: obs

Düsseldorf. Die Absatzflaute bei Elektroautos erfasst den weltgrößten Chemiehersteller BASF. Der Konzern überprüfe seine Strategie zum weiteren Ausbau des Engagements bei Batteriematerial, erfuhr das Handelsblatt aus Branchen- und Unternehmenskreisen. Die Batteriechemie ist eines der wichtigsten Zukunftsgeschäfte für BASF, in das der Konzern bis 2030 bis zu 4,5 Milliarden Euro investieren will.

Doch die schleppende Entwicklung in der Elektromobilität macht BASF vorsichtiger. Der Konzern bestätigte gegenüber dem Handelsblatt: „Unsere bestehenden Kapazitäten ermöglichen es uns, auf dem Markt für Batteriematerialien zu wachsen. Zukünftige Investitionen werden im aktuellen Marktumfeld kritischer geprüft und neu bewertet.“

BASF ist einer der führenden Hersteller von Kathodenmaterial. Diese Stoffe sind entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Lithium-Ionen-Batterien für E-Autos. Der Konzern stellt sie in Werken in Japan, China, Deutschland und in einer kleinen Anlage in den USA her. Das Geschäft wurde maßgeblich vom heutigen BASF-Vorstandschef Markus Kamieth aufgebaut, der seit Mai den Konzern führt.

Wichtigste Konkurrenten sind chinesische Anbieter sowie der belgische Materialspezialist Umicore. Die Batteriechemie-Hersteller kämpfen mit schwächerer Nachfrage, weil sich Elektroautos in vielen Regionen schlechter als erwartet verkaufen. Das gilt nicht nur für Deutschland.

In ihrem aktuellen Ausblick prognostizieren die Marktforscher von Bloomberg NEF eine weitere Verlangsamung der E-Auto-Verkäufe. Sie erwarten ein globales Wachstum von durchschnittlich 21 Prozent in den nächsten vier Jahren. Zwischen 2020 und 2023 lag dieser Wert bei 68 Prozent.

Zugleich entstehen weltweit immer mehr Kapazitäten in der Batteriechemie, was die Preise drückt. Die Marktentwicklung hat den BASF-Konkurrenten Umicore bereits erschüttert: Im Mai kassierten die Belgier ihre Jahresprognose. Wenig später musste der CEO gehen. Der neue Chef Bart Sap bezeichnete die kurzfristigen Aussichten für Batteriematerialien als „eindeutig enttäuschend“. Er soll die Investitionspläne überdenken und anpassen.

Bei BASF ist die Situation anders als bei den Belgiern, die sich sehr stark auf den verheißungsvollen Batteriemarkt fokussiert haben. Das Batteriegeschäft ist bisher ein kleiner Teil der BASF-Sparte Surface Technologies, genaue Zahlen nennt der Konzern nicht. Die Baader Bank schätzt den Umsatz auf zuletzt rund eine bis 1,5 Milliarden Euro.

Insgesamt kam BASF 2023 auf einen Umsatz von 69 Milliarden Euro. Die Flaute in der E-Mobilität werde nach Erwartung der Analysten nicht dazu führen, dass der Konzern seine Prognose für 2024 senken muss.

Erste Änderungen vom neuen Chef

Doch die Ambitionen des Chemiekonzerns in der Batteriechemie sind groß. BASF will bis 2030 weltweit führend in dem Geschäft werden und gliedert es dazu in eine eigenständige Einheit aus. Die Sparte soll nach anderen Kriterien als der große Chemieverbund gesteuert werden und schneller auf Marktveränderungen reagieren können.

An den mittelfristigen Zielen in diesem Geschäft halte der Konzern aktuell fest, heißt es in den Kreisen. Bis zum Jahr 2030 will BASF rund sieben Milliarden Umsatz mit Batteriematerial machen und dort auf eine bereinigte Gewinnmarge von 30 Prozent kommen. „Der Trend zu Elektrofahrzeugen wird sich fortsetzen. Batteriematerialien bleiben eine wichtige Wachstumschance für die chemische Industrie“, erklärt BASF.

30
Prozent Gewinnmarge will BASF im Batteriegeschäft erreichen.
Quelle: BASF

Analysten zeigen sich hingegen skeptisch. „Wir erwarten nicht, dass BASF diese Mittelfristziele erreichen kann. Die Margen in dem Geschäft fallen schon jetzt kräftig“, kommentiert die Baader Bank.

Erste Änderungen in der Batteriestrategie hat der neue Vorstandsvorsitzende Kamieth bereits vorgenommen. BASF verwirft den ursprünglichen Plan, selbst in die Produktion von Nickel und Kobalt einzusteigen – beides sind wichtige Metalle für die Kathodenherstellung. Deren Liefermengen wollte sich der Konzern über eigenes Engagement sichern.

Vor wenigen Tagen hat BASF den wichtigsten Vorstoß dafür gestoppt. Der Plan zum Bau einer Produktionsanlage für Nickel-Kobalt in Indonesien wird nicht weiterverfolgt. BASF hatte sich dort mit dem französischen Bergbaukonzern Eramet zusammengetan. Der Bau hätte geschätzt 2,4 Milliarden Euro gekostet.

Markus Kamieth: Der neue BASF-Chef hat das Geschäft mit Batteriematerial maßgeblich mit aufgebaut.. Foto: BASF

Ebenso zog sich BASF von einem Investment ins Minengeschäft mit Lithium zurück. Der Konzern hatte dazu Gespräche mit dem Bergbaukonzern Wealth Minerals geführt, der stark in Chile engagiert ist. Dort gibt es große Vorkommen des für Batterien wichtigen Metalls. Doch die Zusammenarbeit kam nicht zustande.

BASF begründet den Rückzug aus dem indonesischen Nickelprojekt damit, dass es keinen Engpass bei dem Metall gebe. Die Liefermöglichkeiten hätten sich in den vergangenen Jahren verändert und damit auch die Verfügbarkeit von Nickel in Batteriequalität, sagte eine Sprecherin. Man sehe daher keine Notwendigkeit mehr, eine so große Investition selbst zu tätigen.

Chemie

BASF schließt zwei weitere Anlagen in Deutschland

Aktuell prüft der Chemiekonzern das weitere Vorgehen auf dem nordamerikanischen Markt. Vor zwei Jahren hatte sich BASF Rechte an einem Grundstück nahe der kanadischen Stadt Quebec gesichert. Dort sollte eine Kathodenfabrik zur Belieferung des US-Batteriemarkts entstehen. Ob das Investment in Kanada jemals kommt, ist offen. Bisher gab es keinen Spatenstich zum Bau.

Laut BASF werde derzeit weiter nach dem „besten Standort für ein Zentrum für aktive Kathodenmaterialien und Batterierecycling in Nordamerika“ gesucht. Von einem Aus für das Projekt will der Konzern nicht sprechen. Ziel sei es weiterhin, in Asien, Europa und den USA mit Batteriematerial-Hubs vertreten zu sein.

BASF-Werk Schwarzheide: Die Produktion von Kathodenmaterial in Ostdeutschland ist 2023 gestartet. Foto: obs

Dieses Ziel könnte BASF auch über neue Partnerschaften erreichen, die der Konzern mit der Ausgliederung der Batteriechemie anstrebt. In China betreibt BASF bereits ein Joint Venture mit dem Batteriespezialisten Shanshan, in Japan kooperiert der Konzern mit Toda. Mit weiteren Partnerschaften könnte BASF ihr Risiko im schwächelnden Batteriegeschäft senken – vor allem aber Investitionskosten sparen.

Das würde zu den Zwängen passen, mit denen Kamieth bei der Steuerung des Gesamtkonzerns in den kommenden Jahren umgehen muss. Die Batteriechemie gilt als sehr kapitalintensiv. BASF aber hat mit Blick auf die maue Weltwirtschaft ihr Investitionsbudget für die Jahre 2023 bis 2027 um zwölf Prozent auf 24,8 Milliarden Euro gesenkt. Ein großer Teil davon entfällt auf die Fertigstellung des neuen Mega-Standorts im Süden Chinas.

Werk in Finnland steht weiter still

In Schwarzheide nördlich von Dresden hat BASF Mitte 2023 ihre erste große Anlage für Batteriestoffe in Europa eröffnet. Der Konzern betont, dass die dortigen Kapazitäten für Kathodenmaterialien vertraglich gebunden und für die nächsten Jahre ausverkauft seien.

Doch auch im europäischen Markt läuft es nicht rund für BASF. In Finnland hat der Konzern ein Werk für Kathoden-Vorprodukte hochgezogen, das aber seit Monaten nicht in Betrieb genommen werden darf. Umweltorganisation haben mehrfach die behördliche Freigabe mit Klagen verhindert. BASF musste alle Mitarbeiter dort vorerst freistellen.

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Die Finnen sollten eigentlich längst das BASF-Werk in Schwarzheide beliefern. Immerhin: Wegen der Flaute in der E-Mobilität sind reichlich Alternativen auf dem Weltmarkt zu haben, sodass der Konzern dort einkaufen kann.

Erstpublikation: 11.07.2024, 09:35 Uhr.

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