Dax: Absicherungen der Anleger gegen Kursrisken nehmen zu
Düsseldorf. Am deutschen Aktienmarkt fehlen dem Leitindex Dax nur wenige Punkte bis zu einem Rekord. Trotzdem hat sich die Stimmung an der Börse verschlechtert, wie das Ergebnis der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment zeigt. Stephan Heibel vom Analysehaus AnimusX kommentiert: „Ich habe den Eindruck, Anleger trauen der Rally der vergangenen Woche nicht so recht über den Weg.“
Für das Dax-Sentiment befragt das Handelsblatt jeden Freitag mehr als 8000 Privatanlegerinnen und -anleger nach ihrer aktuellen Markteinschätzung. Die jüngste Dax-Umfrage wurde also zeitlich vor dem Attentat auf den US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump erhoben. Die Umfrageergebnisse wertet Heibel aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren.
In der vergangenen Woche ist der Dax um 1,5 Prozent gestiegen. Am Freitag stieg er auf bis zu 18.779 Punkte – das ist der höchste Stand seit fünf Wochen. Von hier fehlte nur noch ein Anstieg um weitere 0,6 Prozent bis zum Rekordhoch von 18.893 Punkten aus dem Mai.
Dabei profitierte der Index von der Hoffnung auf eine baldige Leitzinssenkung in den USA durch die US-Notenbank Fed. Dadurch sanken die Anleiherenditen von knapp 4,3 auf unter 4,2 Prozent. Der Höchststand in diesem Jahr liegt bei 4,74 Prozent.
Diese Entwicklung schob den Dax an, erklärt Heibel. Der Leitindex setze sich insbesondere aus Industrieaktien, Automobilaktien und Finanztiteln zusammen. „Gerade diese drei Gruppen profitierten vergangene Woche von den sinkenden Marktzinsen“, so Heibel.
Es wollen nur noch wenige Anleger kaufen
Anleger, die sich über Monate auf andere Aktien konzentriert haben, profitierten von dem Anstieg aber nicht, erinnert Heibel. Das zeigt sich im Umfrageergebnis: Demnach ist die Anlegerstimmung (Sentiment) im Vergleich zur Vorwoche von 1,6 auf 1,2 Punkte gefallen.
Auch die Selbstzufriedenheit stagniert, sie liegt unverändert bei moderaten 0,8 Punkten. Sie zeigt an, ob Anleger glauben, dass sie sich richtig positioniert haben.
Die Investitionsbereitschaft geht ebenfalls zurück auf 0,1 Punkte. Es gibt also aktuell kaum noch Kaufinteresse. „Wer jetzt noch nicht investiert ist, für den ist der Zug wohl in den Augen der Anleger abgefahren“, sagt Heibel.
Immerhin: Die Zukunftserwartung bleibt mit einem Wert von 2,5 Punkten positiv. Das ist das höchste Niveau seit dem vergangenen November, als die Kurse steil stiegen.
Das war in der Vergangenheit nicht immer so, erinnert Heibel: „Häufig genug ist es so, dass ein Kurssprung im Dax mit einer abnehmenden Zukunftserwartung beantwortet wird.“ Die Zukunftserwartung zeigt an, welche Kursentwicklung die Anleger in den nächsten drei Monaten antizipieren.
Für Heibel spricht das Umfrageergebnis dafür, dass sich Anleger auf einen ruhigeren Börsensommer einstellen: „Die Temperaturen steigen, in den Portfolios der Fondsmanager schlummern schon ordentliche Buchgewinne für das laufende Jahr, und nach den turbulenten Vorjahren möchten viele Anleger nun mal wieder einen unbeschwerten Sommer verleben.“
Anleger erhöhen Absicherungen gegen Kursverluste
Das spiegelt sich auch am Terminmarkt wider, wo Anleger auf steigende Kurse wetten können oder sich gegen das Risiko fallender Kurse absichern. Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist auf minus drei Punkte gefallen. Das bedeutet, dass sie aktuell deutlich mehr Put-Optionen kaufen, die bei fallenden Kursen im Wert steigen, als Call-Optionen, mit denen sie von steigenden Kursen profitieren können.
Ähnlich ist die Entwicklung an der europäischen Terminbörse Eurex für Profianleger. „Am Put-Call-Verhältnis der Eurex von 1,9 Punkten ist abzulesen, dass sich institutionelle Anleger derzeit gegen fallende Kurse absichern“, sagt Heibel.
Damit steigt das Interesse an Absicherungen, obwohl es keinen akuten Grund zur Angst oder Panik gibt. Heibel leitet daraus aber nicht ab, dass Anleger Angst vor einer negativen Entwicklung haben: „Sie wollen einfach in den kommenden Sommerwochen ihre Ruhe haben.“
Das bedeutet aber nicht, dass die Aktienmärkte im Sommer sicher zum Erliegen kommen und sich nur noch seitwärts bewegen, sagt der Sentiment-Experte: „Vielmehr führt das zu erwartende dünne Handelsvolumen dazu, dass die Kurse einzelner Aktien stark ausschlagen können. Überraschungen bei Unternehmensmeldungen können zu Käufen oder Verkäufen der Privatanleger führen, die trotz ihrer vergleichsweise geringen Anlegersummen dann den Kurs deutlich bewegen.“
Doch daraus ergibt sich kein Handlungsdruck, erklärt Heibel, der einen Börsenbrief unter dem Namen „Heibel-Ticker“ herausgibt: „Übertriebene Kursbewegungen werden dann Ende August oder Anfang September wieder korrigiert.“
Das verschaffe den Anlegern in der angelaufenen Berichtssaison zum zweiten Quartal Luft, meint Heibel: „Als Privatanleger können Sie sich also die Zeit für eine Analyse nehmen, ohne gegen die technologisch hochgerüsteten institutionellen Anleger unter Zeitdruck zu geraten.“
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