Morning Briefing Plus: Was Nvidia und Taylor Swift gemeinsam haben
Lieber Leserin, lieber Leser,
hätte ich Ihnen vor zehn Jahren erzählt, dass ich zu einem Deutschlandkonzert von Taylor Swift gehe, hätten Sie mich vermutlich irritiert angeschaut. Taylor wer?
Damals machte die Sängerin gerade ihren musikalischen Sprung von Country zu Pop und war mit Titeln wie „We're never getting back together" vor allem für Menschen in schwierigen On-off-Beziehungen interessant – also quasi jede Frau unter 30 in einer deutschen Großstadt. Hätte man Geld darauf setzen müssen, wer in zehn Jahren der erfolgreichste Popstar der Welt sein wird, es wären vermutlich Namen wie Beyoncé oder Lady Gaga gefallen.
Heute ist es Taylor Swift und ihr Erfolg hat sie zur Milliardärin gemacht. In diesen Wochen spielt sie im Rahmen ihrer „Eras"-Tour mehrere Konzerte in Deutschland und wo sie auftritt, boomt die Wirtschaft – wie wir auch beim Handelsblatt berichtet haben. Und da es mittlerweile nicht nur bei Wirtschaftsmedien, sondern auch im Feuilleton akzeptiert ist, kann ich Ihnen gestehen: Auch ich war diese Woche bei Taylor Swift. Vielleicht hatte ich sogar Glitzer im Gesicht.
Ich erzähle Ihnen das nicht, weil ich Sie in diesem Newsletter zu Taylor Swift bekehren möchte (obwohl das Konzert wirklich sehr gut war und so ein bisschen Glitzer im Gesicht überraschend schnell die Stimmung hebt). Sondern weil es Parallelen zwischen Taylor Swift und unserem aktuellen Freitagstitel gibt. Hätten Sie vor zehn Jahren den Namen Jen-Hsun Huang erwähnt, hätte es vermutlich auch nur von Computerspiel-Nerds eine Reaktion gegeben. Die Tech-Megastars, das waren damals bereits Jeff Bezos mit Amazon oder Tim Cook bei Apple.
Heute ist Huangs Unternehmen Nvidia das wichtigste KI-Unternehmen der Welt. Oder, wie die Kollegen Felix Holtermann, Joachim Hofer und Thomas Jahn es auf den Punkt bringen: „Ohne Nvidias Chips und Software gäbe es keinen Textroboter ChatGPT, keine virtuell generierten Bilder und keinen KI-Hype." Der Umsatz könnte nach Analystenschätzung 2025 bei 150 Milliarden Dollar liegen – fast sechsmal so viel wie noch 2023.
Maßgeblich verantwortlich für den Nvidia-Erfolg ist Gründer Huang, der sich mittlerweile mit Vornamen Jensen nennen lässt. So erzählte der Chef von Nvidias Netzwerksparte Keven Deierling unseren Reportern über Huang „2021 sagte er zu allen Mitarbeitern in einem großen Meeting: ‚Wenn ihr euch nicht auf KI konzentriert, schlaft ihr am Steuer‛.“ Das habe ihn aufgeweckt – binnen weniger Tage habe er einen KI-Crashkurs besucht. Die Aussage hat rückblickend etwas Prophetisches, heute ist Huang Milliardär.
Aber eine elektrisierende Persönlichkeit allein reicht natürlich nicht. Lesen Sie hier, was die Erfolgsformel Nvidia ausmacht – und was sie anders machen als die anderen Big Player im Valley
Und bevor sich jetzt die E-Mails häufen, was das hier für ein schiefer Vergleich sei mit Huang und Taylor Swift – auch Meta-Chef Mark Zuckerberg hat ihn bereits gemacht. Huang selbst hat darauf bereits mit einigen guten Witzen reagiert. Aber die sind dann vielleicht doch eher nur was für echte Swifties.
Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:
1. Natürlich haben wir in der Redaktion diskutiert, ob der Nvidia-Titel ein schlechtes Timing hat. Mussten die großen Tech-Unternehmen, die „Glorreichen Sieben" diese Woche doch massive Einbrüche an der Börse hinnehmen, der Aktienkurs von Nvidia sank zwischenzeitlich um 6,8 Prozent. Hintergrund sind unter anderem wachsende Zweifel, ob sich die milliardenschweren Investitionen für konkrete Anwendungen der neuen Technik jemals auszahlen werden. Ich vertraue an dieser Stelle aber, wie immer, der Analyse unseres Finanzen-Ressortleiters Michael Maisch. Er schreibt: „Einen Crash befürchten die meisten Experten nicht, aber sie sehen trotzdem Handlungsbedarf für die Anleger. Denn die Gewichte an den Börsen verschieben sich."
2. Es war das Megathema dieser Woche: Joe Biden zieht seine Kandidatur für die US-Präsidentschaft zurück und bringt seine bisherige Vize Kamala Harris ins Rennen. Da es bis zur Wahl nur noch rund 100 Tage sind, bringt das zumindest eine gewisse Dynamik in den bisher ja eher deprimierenden Wahlkampf. Was Harris offenbar schnell verstanden hat: Soziale Medien sind wichtig, um jetzt noch junge Wählerinnen und Wähler auf die eigene Seite zu ziehen. Jana Brüntjen und Nell Rubröder haben analysiert, was sie dabei besser macht als Donald Trump. Ein Thema, das übrigens auf unserem Handelsblatt-Instagram-Account für einige interessante Diskussionen gesorgt hat.
Immer aktuell informiert zum US-Wahlkampf werden Sie auf unserem US-Liveblog. Unsere Kolleginnen und Kollegen in den USA, aber auch hier im Düsseldorfer Newsroom, leisten dort rund um die Uhr hervorragende Arbeit.
3. „Voll-Attacke von Lindner auf SPD-Fraktionschef Mützenich" – so berichtete unter anderem die „Bild“-Zeitung diese Woche über das Interview meiner Kollegen Martin Greive und Thomas Sigmund mit FDP-Chef Christian Lindner. Und auch in vielen anderen Medien schlugen Lindners Aussagen Wellen. Was er genau gesagt hat? Können Sie hier lesen.
4. Wenn man mit Menschen darüber spricht, warum Elektroautos sich in Europa weiterhin so schwer verkaufen, fallen meistens ähnliche Begründungen: zu wenig Ladesäulen, zu teuer. Tatsächlich zeigt jetzt aber eine exklusive Handelsblatt-Analyse, dass das Problem auch bei den Herstellern liegt. Unser Autorenteam zeigt auf, wie sogenannte Volumenhersteller wie unter anderem VW, Renault und Fiat auf einen bestimmten Modelltyp setzen, der kaum nachgefragt wird.
5. Zugegeben: Manchmal habe auch ich schwache Momente, in denen ich sinnlose Social-Media-Posts über die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn absetzen möchte. Habe ich glücklicherweise bisher nie. Denn spätestens seit dieser Woche denke ich wieder an das Sprichwort: Man tritt nicht nach, wenn jemand bereits am Boden liegt. Und die Deutsche Bahn liegt am Boden. Im ersten Halbjahr fuhr der Konzern bereits einen Verlust von 677 Millionen Euro ein, nun werden 30.000 Jobs gestrichen, wie der Kollege Christoph Schlautmann berichtet. Passend dazu hat diese Woche besonders viele Leserinnen und Leser ein Stück der Kollegin Clara Thier interessiert. Darin geht es um den Frust beim Pendeln und was er mit uns macht.
6. In Paris wurden am Freitagabend die Olympischen Sommerspiele eröffnet. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage gelten für das Event verschärfte Regeln. In solchen Momenten freue ich mich immer besonders über unser großes Handelsblatt-Korrespondentennetz. So hat unser Frankreich Korrespondent Gregor Waschinski diese Woche beschrieben, in welcher politisch heiklen Situation Präsident Emmanuel Macron die Spiele laufen lassen muss. Mareike Müller lieferte aus Moskau das Bild von der anderen Seite: Sie war bei einem Frauenfußballspiel Russland gegen Nordkorea und beschreibt, welche Alternativen die von den Spielen ausgeschlossenen Länder ihren Athleten zu bieten versuchen.
7. Ein Thema, das bei vielen verheirateten Paaren diese Woche eine panische Google-Suche ausgelöst hat: Das Kabinett hat am Mittwoch das Aus für die Steuerklassen 3 und 5 beschlossen. Das bedeutet, dass jeder Partner ab 2030 so viel Lohnsteuer zahlt, wie sein Anteil am gemeinsamen Haushaltseinkommen tatsächlich ist. Martin Greive hat zusammengefasst, was die Änderungen bedeuten.
8. Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet, Meta, Amazon und Tesla – das sind die bereits erwähnten US „Glorreichen Sieben", mit denen sich in der Vergangenheit große Gewinne einfahren ließen. Tatsächlich gibt es dieses Phänomen auch in Europa, allerdings thematisch sehr viel breiter gestreut. Das bringt einige Vorteile mit sich. Ulf Sommer hat für uns Europas Big Seven analysiert.
9. Sollten Sie dieses Jahr noch Urlaub planen – fühlen Sie sich dort willkommen? In immer mehr Städten und beliebten Reisezielen wehren sich Anwohner gegen die Touristenmassen. Die gute Nachricht: In einigen Gegenden arbeitet man an anderen Lösungen, die das Reisen nicht unterbinden, aber besser steuern. Unsere Korrespondenten aus aller Welt haben sich umgehört, welche Ideen es wo gibt – und wo zukünftig die Einreise vielleicht schwieriger wird.
Ich selbst verabschiede mich an dieser Stelle auch in den Urlaub. Zwar nach Italien, aber immerhin in eine Region, in der (noch) kein Eintritt verlangt wird. Wobei – mehr als Taylor-Swift-Karten wird es schon nicht kosten.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Herzlich
Ihre
Charlotte Haunhorst
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