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FinanzinvestorKKR kauft für 775 Millionen Dollar Mehrheit an Beratung FGS Global

Vom Kunden zum Hauptanteilseigner: Der US-Finanzinvestor übernimmt nun die Mehrheit an der Kommunikationsberatung FGS Global. Das hat vor allem einen Grund.Michael Scheppe 07.08.2024 - 08:10 Uhr
FGS-Chef Alexander Geiser: „KKR unterstützt uns dabei, unser Wachstum zu beschleunigen.“ Foto: Hering Schuppener

Düsseldorf. Der amerikanische Finanzinvestor KKR will die Mehrheit an der Kommunikationsberatung FGS Global (früher Hering Schuppener) übernehmen. KKR wird künftig rund 74 Prozent der Anteile halten. Gleichzeitig will die britische Werbegruppe WPP, der bislang gut 50 Prozent gehörten, komplett aus der Beratungsfirma aussteigen. Das teilten die Unternehmen am Mittwochmorgen mit. Die Transaktion soll bis Jahresende abgeschlossen sein.

Damit wird das Kommunikationsgeschäft von FGS nun mit rund 1,7 Milliarden US-Dollar (1,6 Milliarden Euro) bewertet. Der Werbekonzern WPP hat seinen Anteil für rund 775 Millionen Dollar verkauft. KKR war bereits im Sommer 2023 bei FGS eingestiegen. Bisher hielt der US-Investor, der auch etwa beim Medienkonzern Axel Springer investiert ist, gut 29 Prozent der FGS-Anteile.

FGS ist nach eigenen Angaben die führende Beratung für strategische Unternehmenskommunikation. Diese war 2022 aus der Fusion der vier Beratungsfirmen Finsbury aus London, Hering Schuppener aus Frankfurt sowie Glover Park und Sard Verbinnen, die beide aus den USA kommen, hervorgegangen. Der Umsatz der Gruppe liegt bei rund 450 Millionen Dollar (412 Millionen Euro), der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen beläuft sich auf etwa 95 Millionen Dollar (87 Millionen Euro).

Die Beratung unterhält rund 30 Büros weltweit, ist mit Berlin, Frankfurt, München und Düsseldorf auch viermal in Deutschland vertreten. Die rund 1400 Beschäftigten, rund 260 davon hierzulande, betreuen mehr als 1600 Kunden. Das Unternehmen gilt als wichtigster Berater deutscher Vorstandschef in Krisenzeiten.

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Geführt wird FGS von dem Deutsch-Kanadier Alexander Geiser. Er bewertete den Schritt im Gespräch mit dem Handelsblatt als Meilenstein. Das Beratungsgeschäft habe sich grundlegend verändert. Hinzu kämen disruptive Technologien wie Künstliche Intelligenz, die das Geschäftsfeld grundlegend verändern.

„Das erfordert mutige Investitionsentscheidungen. KKR unterstützt uns dabei, unser Wachstum zu beschleunigen, neue Talente anzuziehen und zu fördern und für unsere Kundinnen und Kunden auf der ganzen Welt Lösungen zu entwickeln“, so Geiser.

FGS will von KKR profitieren

FGS profitiert dabei vom Know-how, von den Kontakten und dem Geld von KKR. Zugleich steigt damit ein großer Kunde als Investor ein. KKR lässt sich bereit seit fast 20 Jahren in vielen Fragen der strategischen Kommunikation von FGS beraten.

Philipp Freise, Partner bei KKR, zeigte sich mit der bisherigen Partnerschaft seit der Minderheitsbeteiligung im Sommer 2023 sehr zufrieden. „Wir freuen uns darauf, FGS Global dabei zu unterstützen, seine Vision als globaler Branchenführer zu verwirklichen.“

In Unternehmenskreisen von FGS verlautete, dass es durch den Investor nun zu einem Liquiditätsschub und zu einer schnelleren Transformation kommen dürfte. Tatsächlich sind zuletzt mehrere Private-Equity-Firmen bei Kommunikationsagenturen eingestiegen, etwa der luxemburgische Investor CVC bei der Beratung Teneo, einem der wichtigsten Rivalen von FGS.

KKR-Partner Philipp Freise: „Wir freuen uns darauf, FGS Global dabei zu unterstützen, seine Vision als globaler Branchenführer zu verwirklichen.“ Foto: Handelsblatt

Die Finanzkommunikationsbranche durchläuft dabei eine Konsolidierungswelle. Die ehemals auf ihren heimischen Markt fokussierten kleinen Beratungshäuser versuchen, durch Fusionen zu global vertretenen Anbietern zu werden. Dadurch können sie ihre Dienstleistungen weltweit bündeln und durch mehr Umsatz auch mehr Sichtbarkeit erlangen.

Diese Entwicklung erklärt sich auch dadurch, dass Unternehmen immer stärker dazu tendieren, mit einem Beratungshaus auf globaler Ebene zusammenzuarbeiten, um in verschiedenen Ländern mit einer Stimme sprechen zu können.

Kommunikationsberatungen wie FGS begleiten ihre Mandanten bei Zukäufen, Fusionen oder Restrukturierungen. Daneben beraten sie ihre Kunden in Krisen, bei Reputationsfragen oder in der politischen Kommunikation. Heutzutage müssen neben den Aktionären auch die Beschäftigten, Führungskräfte, Analysten, Politiker und NGOs von der eigenen Strategie überzeugt werden. Deshalb gilt das Geschäft als konjunkturunabhängig.

Bisheriger Anteilseigner WPP steht unter Druck

In Unternehmenskreisen von FGS heißt es, dass viele Partner WPP nicht hinterhertrauern würden. So berichten Insider, dass FGS zunehmend als Teil betrachtet werde, der nicht mehr zum Kerngeschäft von WPP gehört.

WPP ist die weltweit größte Werbeholding, steht aber unter Druck. 2023 stagnierte der Umsatz des Unternehmens, zu dem zig Werbedienstleister und Medienunternehmen gehören, bei rund 11,8 Milliarden britischen Pfund (13,7 Milliarden Euro). Wettbewerber wie Publicis entwickelten sich schneller und wirtschaften deutlich profitabler.

WPP-Logo: Die weltgrößte Werbeholding steht unter Druck. Foto: REUTERS

WPP will mit einer Vereinfachung seiner Strukturen und Prozesse gegensteuern. Die Verkaufserlöse der Anteile an FGS sollen die Finanzlage von WPP stärken. Das Unternehmen will seine Kunden künftig verstärkt mit datengestützten Dienstleistungen und Künstlicher Intelligenz dabei helfen, Kampagnen schneller und effektiv zu gestalten.

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Die restlichen rund 26 Prozent der Anteile von FGS gehören den rund 500 Senior-Partnern der Beratungsfirma. Deren Anteile wurden sogar aufgestockt, sie lagen bislang bei rund 20 Prozent. Die Partner sollen weiter einen Teil des Eigenkapitals besitzen, um enger an die Firma gebunden zu werden. Dass derart viele Beschäftigte an einer Kommunikationsberatung beteiligt sind, gilt in der Branche als einzigartig.

Seit dem Einstieg bei KKR gibt es Spekulationen, dass FGS mittelfristig an die Börse gehen könnte. Angesichts des schwachen Marktumfelds ist das laut Insidern derzeit aber keine Option. Auf Dauer sei dies allerdings denkbar.

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