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HalbjahreszahlenVersicherer Getsafe erreicht erstmals die Gewinnzone

Die verbesserte Geschäftslage führt das Heidelberger Versicherungs-Start-up auf die hohe Automatisierungsquote im Kundenservice und in der Schadensregulierung zurück.Susanne Schier 08.08.2024 - 06:53 Uhr
Getsafe-Gründer Christian Wiens: Der Fokus liegt auf dem Kernmarkt Deutschland. Foto: Getsafe

Frankfurt. Das Heidelberger Versicherungs-Start-up Getsafe hat auf dem Weg zur Profitabilität einen Schritt nach vorn gemacht. Im ersten Halbjahr 2024 habe der Versicherer der Unternehmensgruppe erstmals ein positives Nettoergebnis erzielt, sagte Firmenchef und Mitgründer Christian Wiens im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auch die Getsafe-Gruppe nähere sich der Gewinnschwelle: „Wir erwarten, diese im Jahr 2025 zu erreichen.“

Nach mittleren achtstelligen Verlusten im Jahr 2022 plant das Unternehmen 2024 nun mit einem niedrigen siebenstelligen Verlust. Die Verbesserungen seien auf die hohe Automatisierungsquote im Kundenservice und in der Schadensregulierung zurückzuführen.

Die Getsafe Insurance hat dem Firmenchef zufolge bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres unter dem Strich einen Gewinn im mittleren sechsstelligen Bereich erzielt, getrieben von einem soliden Ergebnis im Versicherungsgeschäft. In diesem hatte Getsafe im Jahr 2023 noch einen Verlust von 1,4 Millionen Euro eingefahren.

Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich nun auf 98 Prozent. Bei einem Wert von über 100 Prozent müssen Versicherer mehr für Schäden und Verwaltung ausgeben, als sie über die Prämien einnehmen.

Wichtig ist das Erreichen der Gewinnzone nicht nur, weil Investoren inzwischen stärker auf Profitabilität schauen als auf Wachstum. Auch die Finanzaufsicht Bafin nimmt bei den jungen Digitalversicherern in der Aufbauphase genau unter die Lupe, ob genügend Eigenmittel vorhanden sind, um die prognostizierten Verluste von der Gründung bis zur erstmaligen Profitabilität zu decken.

Anders als sonstige Start-ups im Versicherungsbereich, die meist auf den Vertrieb über Makler setzen, positioniert sich Getsafe als Direktversicherer. Mit dem Vergleichsportal Check24 arbeitet das Unternehmen daher nicht mehr zusammen. Stattdessen will Getsafe neue Kundinnen und Kunden vor allem über Weiterempfehlungen sowie Marketing auf Google und Social-Media-Plattformen gewinnen. Zielgruppe sind 20- bis 40-jährige Menschen.

Auslandsexpansion verlief schwierig

Branchenbeobachter bewerten diese Strategie zwiespältig. Zwar sehen sie die Fokussierung auf eine spezielle Nische positiv, halten aber die Kosten, die das Insurtech für die Kundengewinnung aufwenden muss, für zu hoch. Auch Wiens räumt ein, dass die Akquise über Makler kurzfristig günstiger sei. Er setzt aber darauf, dass Getsafe als Direktversicherer langfristig bessere Chancen habe, den Kunden weitere Produkte zu verkaufen.

Unter dem Strich haben wir in Großbritannien kein Geld verloren, aber auch nichts gewonnen.
Christian Wiens
Firmenchef und Mitgründer

Dass sich das einst hoch bewertete Start-up Wefox, das hauptsächlich als Maklervertrieb agiert, nach finanziellen Schwierigkeiten aus Deutschland zurückzieht, will Wiens nicht näher kommentieren. Es sei zwar schade, wenn Wettbewerber aus dem Markt aussteigen, meint er. Getsafe orientiere sich aber mehr an der Entwicklung von Neobanken und Neobrokern als von Insurtechs und Maklervertrieben.

Doch auch bei Getsafe lief zuletzt nicht alles nach Plan. Vor allem die Auslandsexpansion gestaltete sich schwieriger als gedacht. In Großbritannien führten die regulatorischen Anforderungen zu einer immer höheren Komplexität und Doppelstrukturen, sodass sich Getsafe letztendlich für einen Verkauf an den Konkurrenten Urban Jungle entschied.

„Unter dem Strich haben wir in Großbritannien kein Geld verloren, aber auch nichts gewonnen“, resümiert Wiens. In Frankreich und Österreich laufe das Geschäft dagegen stabil, betont er.

50
Millionen Euro
betragen mittlerweile die laufenden Beitragseinnahmen von Getsafe.

Der Fokus liegt aber auf dem Kernmarkt Deutschland. Im Winter 2023 übernahm das Unternehmen Deine Studienfinanzierung, einen Anbieter für digitale Studienkredite, und hofft, hierüber neue Kundengruppen zu erschließen. Zuvor hatte Getsafe den deutschen Kundenstamm der Luko Insurance gekauft.

Insgesamt hat Getsafe seine laufenden Beitragseinnahmen laut eigenen Angaben auf rund 50 Millionen Euro gesteigert, wovon 25 Millionen Euro auf den eigenen Versicherer entfallen. Die andere Hälfte stammt aus dem Vermittlungs- und Assekuradeurgeschäft.

Ein Assekuradeur entwickelt und vertreibt Versicherungspolicen, bei denen ein anderer Versicherer Risikoträger ist. Auf diese Weise arbeitet Getsafe unter anderem im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft.

Wann eine neue Finanzierungsrunde ansteht, lässt der Firmengründer offen. Das letzte Mal hat Getsafe im Herbst 2021, also noch vor dem Zinsanstieg an den Märkten, Kapital von Investoren erhalten. Wiens zufolge muss das Unternehmen aktuell kein frisches Geld einsammeln, um weiter zu wachsen und komplett profitabel zu werden. Grundsätzlich plane man aber, in Zukunft weitere Wachstumsfinanzierungen abzuschließen.

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