Welthandel: Südostasien wehrt sich gegen Chinas Exportschwemme
Bangkok. Die Länder Südostasiens haben sich einst vom Handel mit China wachsenden Wohlstand erhofft – doch nun fürchten sie massive wirtschaftliche Schäden. Payong Srivanich, Vorsitzender der thailändischen Wirtschaftsvereinigung JSCCIB, wendet sich mit einer deutlichen Warnung an die Öffentlichkeit: „Wenn die Regierung keine neuen Maßnahmen ergreift, um Thailand besser vor chinesischen Produkten zu schützen, werden wahrscheinlich noch mehr Unternehmen schließen müssen“, sagte er Anfang des Monats auf einer Pressekonferenz in Bangkok.
Die Sorgen des Wirtschaftsvertreters beruhen auf einer gravierenden Verschiebung der globalen Handelsströme. Während die USA und Europa versuchen, ihre Heimatmärkte mithilfe von Strafzöllen vor den Überkapazitäten der chinesischen Industrie abzuschirmen, lenken Chinas Exporteure ihre Produkte in die unmittelbare Nachbarschaft der Volksrepublik um – nach Südostasien. Dort drängen sie lokale Hersteller zunehmend ins Aus und befeuern den Ruf nach Gegenmaßnahmen.
In Indonesien kündigte Handelsminister Zulkifli Hasan vor wenigen Wochen mit Blick auf die Flut an chinesischen Waren an, neue Importzölle von bis zu 200 Prozent unter anderem auf Textilien, Schuhe und Elektronik zu prüfen. Wenn die USA solche Zölle erheben könnten, „können wir das auch tun, um sicherzustellen, dass unsere mittelständischen Unternehmen und unsere Industrie überleben“, sagte er. Thailand setzte im Juli eine Sieben-Prozent-Steuer auf Importe mit einem Wert von umgerechnet unter 40 Euro in Kraft. Ziel ist es, die auf E-Commerce-Plattformen wie Temu gehandelten Billigprodukte aus China für Käufer weniger attraktiv zu machen. Auch Malaysia entschied sich bereits für einen ähnlichen Schritt.