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AgrarhändlerBaywa steht nach Rettungspaket vor Einschnitten

Der hochverschuldete Agrarkonzern ist dank einer Finanzspritze erst einmal zahlungsfähig. Doch Konzernchef Pöllinger kündigt harte Maßnahmen an – inklusive Stellenabbau.Axel Höpner 15.08.2024 - 15:10 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Baywa war unter anderem durch die steigenden Zinsen und den Finanzbedarf der Erneuerbare-Energien-Tochter in Liquiditätsnöte geraten. Foto: Fabian Sommer/dpa

München. Baywa-Chef Marcus Pöllinger verkündete die vorläufige Rettung von Deutschlands größtem Agrar- und Baustoffkonzern am Donnerstag in einer Videobotschaft an die Mitarbeiter. Das hochverschuldete Unternehmen erhält von Gläubigerbanken und Hauptaktionären eine kurzfristige Finanzspritze von mehr als einer halben Milliarde Euro.

„Wir alle dürfen heute kurz durchatmen“, sagte der Manager nach Informationen des Handelsblatts. Die nächste Ernte sei sicher, man selbst liefer- und zahlungssicher. Und Pöllinger versprach: „Die Baywa wird diese Krise positiv nutzen, um ihre Hausaufgaben zu machen.“

Denn das Unternehmen ist zwar nun erst einmal zahlungsfähig. Doch wird es harte Einschnitte geben, auch für die Belegschaft. „Es kommen größere Restrukturierungsmaßnahmen auf uns zu“, sagte Pöllinger. Dies bedeute auch Stellenabbau. Zudem werde sich Baywa von Unternehmensteilen trennen.

Baywa: Kreditzinsen werden zur großen Belastung

Ein Insider sagte: „Das wird ein harter Sanierungskurs, es geht ans Eingemachte.“ Baywa werde wieder stärker auf das Kerngeschäft reduziert.

Der Konzern war in Niedrigzinszeiten ungestüm in alle Welt expandiert. Das rächte sich, als die Zinsen anzogen und der Schuldenberg von mehr als fünf Milliarden Euro zur Belastung wurde. Allein im ersten Quartal dieses Jahres zahlte Baywa 97 Millionen Euro Kreditzinsen an die Banken.

Baywa-Chef Marcus Pöllinger: „Wir alle dürfen heute kurz durchatmen.“ Foto: Baywa

Am Donnerstag hat das Unternehmen nun verkündet, dass ein Kreis von Kernbanken einen Überbrückungskredit über 272 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Zudem verzichteten die wichtigsten Banken auf die Rückzahlung der bereits vorher vergebenen milliardenschweren Kredite,

Ferner geben die beiden Großaktionäre, die Bayerische Raiffeisen Beteiligungs-AG (BRB) und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest (RAIG), nachrangige Gesellschafterdarlehen über 125 Millionen Euro. Die BRB und die DZ Bank kaufen der Baywa zudem deren 45,3-Prozent-Überkreuz-Beteiligung an der BRB Holding für 120 Millionen Euro ab.

Aktie deutlich im Plus

Insgesamt erhält die Baywa nach eigenen Angaben nun 547 Millionen Euro. Das Geld soll in den nächsten Tagen fließen. Die Kreditvereinbarungen gelten allerdings zunächst nur bis Ende September.

Die Baywa-Aktie reagierte am Donnerstag auf die Nachricht mit einem Kurssprung von bis zu acht Prozent und lag am Nachmittag gut sechs Prozent im Plus. Seit Jahresbeginn haben die Titel allerdings mehr als die Hälfte an Wert verloren.

Nach Einschätzung in Finanzkreisen könnte es weitere personelle Konsequenzen geben. Als Wackelkandidat gilt Finanzvorstand Andreas Helber, der noch im Frühjahr bei Vorlage der Quartalszahlen Optimismus verbreitet hatte. Vorstandschef Pöllinger genießt laut Angaben aus dem Umfeld derzeit weiter das Vertrauen der überwiegend genossenschaftlichen Eigentümer.

Die Banken wollen Baywa nun an der kurzen Leine halten. Im 14-Tage-Rhythmus soll das Management laut Industriekreisen über die Fortschritte bei der Restrukturierung berichten.

Ziel sei es, sagte Pöllinger in seiner Botschaft, Baywa „flexibler, profitabler, innovativer“ zu machen. Man wolle die Kernkompetenz – den Handel – stärken. Und der Konzern werde in Zukunft eine „stärkere Cash-Kultur“ haben.

Baywa ist Deutschlands größter Agrar- und Baustoffhändler mit weltweit rund 24.000 Mitarbeitenden. Der Konzern leidet nach rasanter Expansion unter einem hohen Schuldenberg von etwa 5,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen hatte in Niedrigzinszeiten zum Beispiel ein Apfelgeschäft in Neuseeland gekauft und entwickelte Wind- und Solarparks in aller Welt. Da die Baywa mittlerweile in 50 Ländern aktiv ist, würde ein Zusammenbruch rund um den Globus Unruhe am Agrarmarkt auslösen.

Ex-Chef Lutz hatte Expansion vorangetrieben

Die Baywa machte Mitte Juli auf ihre schwierige Situation aufmerksam, als das Unternehmen mit Verweis auf „eine angespannte Finanzierungslage“ ein Sanierungsgutachten bei Roland Berger in Auftrag gab.

Hauptproblem ist die Lage bei der Erneuerbare-Energien-Tochter Baywa r.e. Diese entwickelt Wind- und Solarparks und betreibt diese teilweise auch selbst. Seit dem Zinsanstieg ist es schwieriger geworden, die Projekte zu verkaufen, die viel Kapital binden.

Die Expansion von Baywa hatte insbesondere Ex-Chef Klaus Josef Lutz vorangetrieben. Er hatte den Vorstandsvorsitz im vergangenen Jahr an Marcus Pöllinger übergeben. Anfang dieses Jahres kam es zum Machtkampf zwischen den beiden. Lutz verlor und räumte seinen Posten.

In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ kritisierte er Ende Juli Pöllinger ungewöhnlich direkt: „Der aktuelle Vorstandschef ist vielleicht nicht der richtige Vorstand für die aktuellen Herausforderungen.“

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Die Gemengelage ist komplex. Der Konzern ist genossenschaftlich geprägt, aber an der Börse notiert. Den Aufsichtsrat führt der ehemalige bayerische Genossenschaftspräsident Gregor Scheller. In dem Kontrollgremium sitzt zum Beispiel auch die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier.

Mit Agenturmaterial

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