Betrugsskandal: Schweizer Gericht verurteilt zwei Personen in 1MDB-Betrugsfall
Bellinzona. Ein Schweizer Gericht hat zwei Manager einer Ölexplorationsfirma wegen Veruntreuung von mehr 1,8 Milliarden Dollar des malaysischen Staatsfonds 1MDB schuldig gesprochen. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona verurteilte einen schweizerisch-saudischen Doppelstaatsbürger am Mittwoch zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren, einen schweizerisch-britischen Doppelstaatsbürger zu sechs Jahren. „Das Gericht berücksichtigte die sehr hohen Beträge, die Intensität der kriminellen Handlungen und das egoistische Motiv,“ hieß es zur Begründung.
Das Bundesstrafgericht ordnete zudem an, dass die beiden Manager mehr als 1,75 Milliarden Dollar an den Fonds zurückzahlen müssen. Die Differenz zwischen den beiden Beträgen geht auf Zinszahlungen zurück, die die Männer während des Betrugs an 1MDB entrichteten.
Der Anwalt des schweizerisch-saudischen Doppelstaatsbürgers erklärte, sein Mandant habe Berufung gegen das Urteil eingelegt. „Die Argumentation des Gerichts hat sehr viele faktische und rechtliche Aspekte, die wir vorgebracht hatten, nicht berücksichtigt“, so der Anwalt. Der Anwalt des zweiten Angeklagten reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die beiden Männer hatten jegliches Fehlverhalten bestritten.
Die beiden Manager der Firma PetroSaudi arbeiteten den Staatsanwälten zufolge dabei mit dem inzwischen untergetauchten malaysischen Financier Jho Low zusammen. Low war Berater des ehemaligen malaysischen Premierministers Najib Razak, der wegen seiner Rolle in dem Skandal – einem der größten Betrugsfälle der vergangenen Jahrzehnte – bereits im Gefängnis sitzt.
Malaysische und US-Ermittler gehen davon aus, dass seit der Gründung des Staatsfonds im Jahr 2009 insgesamt 4,5 Milliarden Dollar von 1MDB abgezweigt wurden. Neben Razak und hochrangigen Beamten seien dabei auch Banker von Goldman Sachs involviert gewesen.
Die Schweizer Bundesanwaltschaft warf den beiden Managern vor, zwischen 2009 und mindestens 2015 unter anderem Betrug und Geldwäsche begangen zu haben. So hätten sie dem Staatsfonds etwa versprochen, ihre Gelder in Ölförderprojekte in Turkmenistan zu investieren. Einen großen Teil der Mittel hätten sie aber in die eigenen Taschen gesteckt. Mit den auf Bankkonten in der Schweiz und im Ausland gewaschenen Geldern hätten die beiden Immobilien in der Schweiz und in London, Schmuck sowie Firmenbeteiligungen erworben und einen aufwendigen Lebensstil unterhalten.
Der Vorstand von 1MDB begrüßte das Verdikt. „Wir werden weiterhin die Verantwortlichen für die Plünderung von 1MDB verfolgen und das rechtmäßige Vermögen unserer Nation zurückholen, wo immer es auch sein mag.“ Die beiden Männer müssten mit einer weiteren zivil- und strafrechtlichen Verfolgung rechnen.