Wettbewerbsfähigkeit: Draghi fordert massive Investitionen – und neue EU-Schulden
Brüssel. Geringe Produktivität, mangelhafte Digitalisierung, zu wenig Investitionen: Laut einem Bericht des ehemaligen italienischen Regierungschefs und EZB-Präsidenten Mario Draghi fällt die europäische Wirtschaft immer stärker hinter die USA und China zurück.
Demnach fehlten der EU jährliche Investitionen von bis zu 800 Milliarden Euro, um nicht den Anschluss zu verlieren. Den Bericht hatte die EU-Kommission bei Draghi in Auftrag gegeben.
Europa stecke in einer statischen Industriestruktur fest, heißt es darin. Es tauchten nur wenige neue Unternehmen auf, die die bestehenden Industrien veränderten oder neue Wachstumsmotoren entwickelten. Draghi führt das vor allem auf den Technologiesektor zurück: „Europa hat die durch das Internet ausgelöste digitale Revolution und die damit verbundenen Produktivitätsgewinne weitgehend verpasst.“
Die nun geforderten zusätzlichen Investitionen entsprechen knapp fünf Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Der Marshall-Plan, mit dem Europa nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde, umfasste Investitionen in Höhe von ein bis zwei Prozent. Dafür hält Draghi auch neue EU-Gemeinschaftsschulden für nötig, die bislang im Rat der Mitgliedsstaaten als hoch umstritten gelten.