Banken: Commerzbank-Chef Manfred Knof hört Ende 2025 auf
Frankfurt. Vorstandschef Manfred Knof verlässt die Commerzbank nach nur fünf Jahren. Der 60-Jährige habe Aufsichtsratschef Jens Weidmann mitgeteilt, dass er seinen bis Ende Dezember 2025 laufenden Vertrag erfüllen werde, der Bank aber darüber hinaus nicht mehr zur Verfügung stehe, teilte das Frankfurter Institut am Dienstagabend mit.
„Auch wenn ich persönlich und der Aufsichtsrat insgesamt seine Entscheidung respektieren, bedauern wir diese und wünschen ihm alles erdenklich Gute“, erklärte Weidmann. Knof gebühre „die höchste Wertschätzung für seine Verdienste für die Bank.“ Der Aufsichtsrat werde nun kurzfristig mit einem geordneten Suchprozess für die Nachfolge des Vorstandschefs starten.
Nach Knofs Rückzug hat Finanzchefin Bettina Orlopp gute Karten, den Vorstandsvorsitz zu übernehmen. Die 54-Jährige hat schon länger Ambitionen auf den Chefposten erkennen lassen und genießt im Aufsichtsrat hohes Ansehen. Einen Automatismus, dass Orlopp CEO werde, gebe es aber nicht, sagten mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt. Die Bank werde wie üblich interne und externe Kandidaten begutachten.
Knofs Ankündigung kommt für viele überraschend. Finanzkreisen zufolge hat er noch vor Kurzem intern durchblicken lassen, dass er gerne über 2025 hinaus Vorstandschef bleiben würde. Während seines Sommerurlaubs habe Knof seine Meinung nach Gesprächen mit der Familie jedoch geändert, heißt es in seinem Umfeld.
„Ich habe die Sommerpause im Kreise meiner Familie genutzt, um mir diesen Schritt reiflich zu überlegen“, erklärte Knof. Bis Ende 2025 stehe er der Bank jedoch „mit vollem Engagement zur Verfügung“.
Knof hat viele Jahre für den Versicherer Allianz gearbeitet und später für die Deutsche Bank. Nach seinem Wechsel zur Commerzbank 2021 baute er Deutschlands zweitgrößte Privatbank grundlegend um. Dabei strich er rund 10.000 Stellen und machte die Hälfte aller Filialen dicht. Der Aktienkurs hat sich seit seinem Amtsantritt mehr als verdoppelt, auch wenn er zuletzt nachgegeben hat.
„Das ganze Commerzbank-Team hat in den letzten Jahren unter großen Anstrengungen den Neuanfang geschafft und steht jetzt auf einem äußerst soliden Fundament“, erklärte Knof. „Ich bin stolz, diese wichtige Wegstrecke der Bank mit dem gesamten Vorstandsteam erfolgreich gestaltet zu haben.“
Orlopp wollte schon 2021 Vorstandschefin werden
Nach der Restrukturierung soll in den kommenden Jahren wieder Wachstum im Vordergrund stehen. Die Commerzbank will unter anderem im Asset-Management und in der Vermögensverwaltung zulegen – und hat dafür zuletzt auch einige kleinere Zukäufe gestemmt.
Knof hat im November 2023 im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich gemacht, dass er sich nicht nur als Sanierer sieht. Er habe auch bei früheren Jobs Geschäftsbereiche anschließend wieder auf einen Wachstumskurs geführt, sagte er. „Ich habe den Ehrgeiz zu zeigen, dass uns das auch bei der Commerzbank gelingen wird.“
Ab 2026 muss das Frankfurter Institut dies nun unter neuer Führung tun. Intern gilt Orlopp dabei als Favoritin. Sie war 2014 nach 19 Jahren bei der Beratungsgesellschaft McKinsey zur Commerzbank gewechselt. 2017 stieg sie als erste Frau überhaupt in den Vorstand des Frankfurter Geldhauses auf.
Nach dem Abgang von Ex-Chef Martin Zielke wäre Orlopp Finanzkreisen zufolge schon 2021 gerne Vorstandschefin geworden. Der Aufsichtsrat bevorzugte mit Knof damals jedoch einen externen Kandidaten. Um Orlopp zu halten, beförderte das Kontrollgremium sie wenig später zur stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden – einen Posten, den es bei der Commerzbank bis dahin nicht gab.
Auf die Frage, ob sie 2026 gerne den Vorstandsvorsitz übernehmen würde, antwortete Orlopp beim Banken-Gipfel des Handelsblatts vergangene Woche ausweichend. Das sei „für den Moment Sache des Aufsichtsrats“, sagte sie. Ihr gegenwärtiger Job als Finanzchefin mache ihr große Freude. Außerdem könne jeder feststellen, der einen Blick auf ihren Lebenslauf werfe, dass sie bisher in ihrer Karriere nur zwei Arbeitgeber hatte. Sie sei „eine treue Seele“.
Bund verkauft erstes Aktienpaket
Neben dem Chefwechsel beschäftigt die Commerzbank aktuell auch der Ausstieg des Bunds, der seinen Anteil 16 Jahre nach der staatlichen Rettung in der Finanzkrise schrittweise reduzieren will. Das hatte die Finanzagentur, die den Anteil des Staats verwaltet, vergangene Woche angekündigt.
Am Dienstagabend teilte die Finanzagentur mit, dass sie nun damit beginnt, im Rahmen eines beschleunigten Platzierungsverfahrens 53.148.260 Aktien an institutionelle Investoren zu verkaufen. Nach der erfolgreichen Platzierung der Aktien sinke der Staatsanteil damit in einem ersten Schritt von rund 16,5 auf zwölf Prozent.
Der Staat bleibe damit größter Einzelaktionär der Commerzbank, betonte die Finanzagentur. Abgesehen von bestimmten Ausnahmen sollten nun für 90 Tage keine weiteren Commerzbank-Papiere mehr veräußert werden.
Die Finanzagentur hat sich nicht festgelegt, wie stark sie den Bundesanteil insgesamt reduziert will. Dies dürfte unter anderem von den Marktbedingungen abhängen. Zudem vermeidet der Staat auf diese Weise, dass er sich durch eine Festlegung selbst unter Verkaufsdruck setzt. Eine Veräußerung der gesamten Beteiligung ist laut Finanzagentur vorerst nicht geplant.
Finanzchefin Orlopp hat den Rückzug des Staats begrüßt. „Wir finden das ausgesprochen positiv“, sagte sie auf dem Banken-Gipfel. Die Entscheidung sei ein Beleg dafür, dass die Commerzbank „zurück in der Normalität ist“. Das Institut sei wieder profitabel, die wirtschaftliche Situation ausgesprochen stabil.