Übernahme durch Unicredit?: „Die Commerzbank ist relativ klein, der Deal ist also machbar“
Frankfurt. Herr Heider, zu Beginn gleich die wichtigste Frage: Wird die Unicredit die Commerzbank übernehmen? Was ist Ihre Prognose?
Auf dem Papier sieht es für die Unicredit eigentlich recht vielversprechend aus. Zum einen verfügt die italienische Bank über eine robuste Kapitalbasis und die nötigen finanziellen Mittel. Zum anderen hat sie durch die Übernahme der Hypovereinsbank vor fast 20 Jahren auch die nötige Erfahrung. Aber bei einer Übernahme in dieser Größenordnung spielt auch die Politik eine wesentliche Rolle. Außerdem könnte der Vorstoß von Unicredit auch bei anderen Banken, die die Commerzbank als potenzielles Übernahmeziel sehen, Begehrlichkeiten wecken.
Wäre ein Deal, wie er offenbar Unicredit-Chef Andrea Orcel vorschwebt, gut oder schlecht für den Standort Deutschland?
Eine solche Übernahme wäre aus ökonomischer Sicht sehr sinnvoll. Der europäische Bankenmarkt ist überbesetzt. Die Großbanken sind nicht besonders profitabel, und die Marktkapitalisierung fällt im Vergleich zur globalen Konkurrenz ziemlich bescheiden aus. Außerdem gibt es in Europa kaum grenzüberschreitendes Bankgeschäft. Deshalb wäre ein großer internationaler Zusammenschluss ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem echten europäischen Bankenmarkt.