Karriere: Führt LinkedIn wirklich zu mehr Networking-Erfolg?
Dass ausgerechnet ein Besuch aus einer realen Bubble am Ende die Zweifel an meiner Existenz in einer digitalen Bubble nähren sollte, gehört zu der besonderen Ironie dieser Geschichte. Jedenfalls hatte ich dieser Tage Besuch von einem jungen Mann, vielleicht Anfang 30, der für einen bundesweit agierenden Konzern im technischen Kundenservice arbeitet. Ich entnahm unserem Gespräch, dass er erste Karriereschritte gegangen ist, diese aber nicht die letzten sein sollten.
Nach dem Besuch googelte ich seinen Namen. Und fand keine Spur von ihm im Internet. Das überraschte mich insofern, als ich keinen 30-Jährigen kenne, dessen Werdegang nicht digital nachzuverfolgen ist. Als er, das technische Problem erwies sich als komplexer, das nächste Mal bei mir war, fragte ich ihn, wo er sich beruflich vernetze, wenn nicht bei LinkedIn.
Er sah mich staunend an, antwortete dann aber rasch.
Es gebe ein ausgeklügeltes System an Kommunikationsgruppen in seinem Unternehmen. Und außerdem gebe es in seinem Beruf nur drei Arbeitgeber in Deutschland, seinen derzeitigen mitgezählt, da kenne man sich schon.
Nun bin ich auch kein Social-Media-Profi, auf LinkedIn zwar präsent, aber eher mittel aktiv. Die Vorstellung jedoch, jemand verfolge eine Karriere, ohne auf dieser Plattform irgendetwas zu machen, schien mir utopisch. Und so geht es allen Medienmenschen, Anwälten, Beratern, Betriebswirten und ähnlichen Schreibtischartisten, die ich kenne.
LinkedIn-Sein oder Nichtsein? So lautet die karrieretechnisch entscheidende Frage dieser Zeit.
Was wäre aber, wenn dieses Netzwerk, das in den vergangenen Jahren den Alltag vieler Karrieremenschen im deutschsprachigen Raum erobert hat, gar nicht mehr da wäre beziehungsweise – realistischer – seinen Zweck nicht mehr erfüllen würde?