Geschäftsreisen: Wie sich berufliche und private Reisen besser verbinden lassen
Köln. Geschäftsreisen können eine wichtige Ursache für die CO2-Emissionen eines Unternehmens sein. Zum Beispiel bei einem Beratungsunternehmen, das nichts produziert, aber häufig zu Mandanten reist: „Wir haben erkannt, dass Geschäftsreisen auch erheblich zu unseren Emissionen beitragen“, sagt Anne Rupp, Global Head of ESG beim Beratungsunternehmen Simon-Kucher.
„Um diesen Einfluss zu reduzieren, setzen wir auf wissenschaftlich fundierte Klimaziele und fördern eine nachhaltigere Reisetätigkeit“, erklärt Rupp. Konkret würden Flugreisen durch virtuelle Meetings ersetzt oder für kürzere Strecken die Bahn genutzt. „Zusätzlich fördern wir die Bildung von Fahrgemeinschaften und langfristige Projektaufenthalte, um wiederholte Reisen zu minimieren.“
Simon-Kucher hat sich ehrgeizige Ziele für den Abbau von klimaschädlichen Emissionen gesetzt: „Unser Ziel ist es, die Scope-1– und Scope-2-Emissionen bis 2030 um 42 Prozent sowie die Scope-3-Emissionen, die hauptsächlich durch Geschäftsreisen verursacht werden, um 25 Prozent zu senken.“ Um die Ziele in die Praxis umzusetzen, hat das Unternehmen eine Reiserichtlinie eingeführt, die darauf abzielt, den Anteil der Bahnreisen zu erhöhen und die Zahl der Flugreisen zu verringern.
Planung von Geschäftsreisen verändert sich
Das Beratungsunternehmen sei eines von nur zwei Unternehmen in Deutschland, das sich klare Ziele für die Reduzierung von Emissionen aus Geschäftsreisen gesetzt hat, ergab das aktuelle Travel-Smart-Ranking der europäischen Umweltdachorganisation Transport & Environment (T&E).
„Unsere Mitarbeiter, insbesondere unsere Beraterinnen und Berater, sind die treibende Kraft hinter dieser Initiative. Sie setzen unsere Reiserichtlinien aktiv um und fördern nachhaltige Reiseoptionen, während sie weiterhin für den Erfolg unserer Kundenbeziehungen verantwortlich sind“, betont Rupp. Die Akzeptanz und das Engagement sind hoch, da sie die Bedeutung der Nachhaltigkeitsziele für die Unternehmensstrategie aktiv unterstützen.
Seit der Coronapandemie haben sich Ansprüche von Mitarbeitern an Geschäftsreisen verändert. So passen 67 Prozent der Geschäftsreisenden die Planung einer Geschäftsreise an ihre individuelle Work-Life-Balance an, wie aus der Umfrage „Chefsache Business Travel“ im Auftrag des Deutschen Reiseverbandes hervorgeht.
In vielen Unternehmen hat sich flexibles Arbeiten etabliert. „Durch die zunehmende Digitalisierung sind Homeoffice und Remote Work zu einem festen Bestandteil der Arbeitswelt von Geschäftsführern, aber auch von Fach- und Führungskräften geworden“, sagt Andreas Neumann, Geschäftsführer ADAC Reisevertrieb GmbH.
Mehr als jeder zweite befragte Geschäftsführer gab an, dass sich durch die Digitalisierung die Balance zwischen Beruf, Privatleben und Regenerationsphasen verbessert hat. Mehr als drei Viertel aller Befragten gehen davon aus, dass flexible Orte und Zeiten der Arbeiten für die künftige Generation von Arbeitnehmern noch wichtiger werden – wobei deutlich mehr Geschäftsführer (84 Prozent) als Fach- und Führungskräfte (71 Prozent) diese Auffassung vertreten.
„In Unternehmen zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Workation“, betont Neumann. Der Begriff setzt sich aus den Begriffen Work (Arbeit) und Urlaub (Vacation) zusammen: „Dank individueller Regelungen ermöglichen Unternehmen ihren Mitarbeitern, einige Wochen im Jahr im Ausland zu arbeiten und dort, wo andere Urlaub machen, E-Mails zu beantworten, an Meetings teilzunehmen und ihre Projekte voranzubringen.“
Bisher haben 45 Prozent der Befragten die Möglichkeit, das Homeoffice zeitweise ins Ausland zu verlegen. Für die Zukunft sehen laut Umfrage jedoch 78 Prozent der Männer und 66 Prozent der Frauen, dass Workation wichtiger wird. Kommende Arbeitnehmergenerationen könnten damit in Zukunft die eigene Work-Life-Balance noch weiter verbessern.
Unternehmen können an Attraktivität gewinnen
Workation ist nicht zu verwechseln mit Bleisure Travel. Dabei verbinden Arbeitnehmer eine Geschäftsreise mit einem privaten Aufenthalt. Sie reisen bei einer Geschäftsreise früher an oder bleiben im Anschluss länger. Heute ist diese innovative Form des Reisens bei jüngeren Geschäftsreisenden deutlich beliebter: 53 Prozent der unter 40-Jährigen machen selbst Bleisure Travel. Unter den Älteren trifft dies lediglich auf etwas mehr als ein Drittel zu.
70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass dieser Trend künftig wichtiger wird, erläutert Neumann: „Workation und Bleisure Travel sind zwei Bausteine zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität in Zeiten des Fachkräftemangels. Unternehmen, die diese Möglichkeiten anbieten, haben eindeutig einen Vorteil.“